Tierschutz-Prozess: Verfilzte Mähne und Kot im Fell
Von Daniela Petersen
Landkreis Fulda
13 Pferde sind einer 52-Jährigen aus dem Südkreis im Dezember 2010 entzogen worden. Wegen Vergehen gegen den Tierschutz wurde die Frau angeklagt. Am Freitag war Prozessauftakt am Amtsgericht Fulda.
Unterernährt, mit verfilzten Mähnen und ausgebrochenen Hufen, Muskeln, die wegen Bewegungsmangel geschrumpft sind, Kotverkrustungen am Huf und eingefrorenes Trinkwasser – der Bericht des Veterinäramts über die Zustände am Hof der 52-jährigen Angeklagten klingt erschütternd. Die Anklage ist lang und beschreibt die Situation der 13 Tiere detailliert. Richter Joachim Becker muss nun ein passendes Urteil finden. Auffallend aufrecht und hoch konzentriert sitzt die Angeklagte neben ihrem Verteidiger, wirkt angespannt, schüttelt immer wieder den Kopf und echauffiert sich, kann gar nicht glauben, dass sie etwas falsch gemacht haben soll. „Futter und Streu waren ausreichend vorhanden. Bevor ich meine Pferde quäle, schlachte ich sie. Die Pferde sind wie meine Kinder“, betont die Angeklagte, die den Hof zusammen mit ihrem mittlerweile verstorbenen Lebensgefährten betrieben hatte.
Dass sie ihre Versorgungspflicht vernachlässigt haben soll, sieht sie anders und spielt die Vorwürfe herunter: „Es schadet nicht, wenn die Pferde ein paar Kotbollen am Fell haben. Die wälzen sich, da ist das ganz normal. So ist es bei Rindern und Schafen doch auch. Außerdem kann man Pferde im Winter nicht waschen.“ Und genug zu Fressen hätten sie auch gehabt: „Die Tiere stehen im Winter im Stall und dürfen nicht so fett gefüttert werden.“
Seit den 70er Jahren hält die 52-jährige Hartz-IV-Empfängerin Pferde – nicht um sie zu reiten, sondern für die Landschaftspflege. Im Frühjahr 2010 zog sie mit ihrer Zucht um. Besuch vom Veterinäramt hatte sie schon öfter. „Wir waren in den Jahren 2009 und 2010 sicherlich 20 Mal bei ihr“, erklärt Tierärztin Dr. Carina Urban von der Veterinärbehörde. Schon damals wurden der Frau drei Pferde entzogen – „weil sich der Ernährungszustand auch nachdem wir mehrfach darauf hingewiesen hatten, nicht verbesserte“, erinnert sich Urban. Die Tierärztin beschreibt die Angeklagte als nicht kooperationswillig und wirft ihr eine Verweigerungshaltung vor. Die Zusammenarbeit war oft schwierig, und die Situation eskalierte, als Urban von der 52-Jährigen „mit Peitsche vom Hof gejagt“ worden ist. „Der Zustand der Tiere wurde billigend in Kauf genommen. Impfungen und Wurmkuren hat sie abgelehnt und darauf beharrt, dass ihre Art der Tierhaltung die richtige ist.“ Auf die Frage, ob die Angeklagte ein Tiermessi sein könnte, gibt die Sachverständige eine eher vage Antwort: „Es ist keine übliche Pferdehaltung, die Tiere nur wegen der Landschaftspflege zu halten.“ Fortsetzung: Montag, 9.45 Uhr.
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