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6. September 2012



ÜWAG hat 200 Dipperzer an Glasfaser-Netz angeschlossen

Von Norman Zellmer

Dipperz
Der Ausbau des Glasfasernetzes schreitet voran: Das Überlandwerk Fulda hat rund 200 Kunden in der Pilotgemeinde Dipperz an das schnelle Internet angeschlossen.

Vor Monaten hat Thomas Willert den Antrag bei der ÜWAG auf Anschluss ans Glasfaser-Netz gestellt und damit quasi den Blinker gesetzt. Nun kann er mit seinem Computer von der Daten-Landstraße auf die superschnelle Datenautobahn abbiegen. Zuvor wird sein Arbeitszimmer noch einmal kurz zur Baustelle: Ein ÜWAG-Mitarbeiter zieht die Stecker aus der Telefondose, schaltet eine Box dazwischen, steckt einen USB-Stick ein, bis die grüne Lampe leuchtet, und klemmt Computer und Telefon an. Nach rund einer halben Stunde liegen 16 Megabit an der Internetleitung an – surfen mit Hochgeschwindigkeit.

Thomas Willert, der zuvor nur langsam durch das weltweite Web surfen konnte, ist einer von bisher rund 200 Kunden, die sich in den vergangenen Monaten an das Glasfasernetz der Pilotgemeinde der ÜWAG haben anschließen lassen. Der Berufsschullehrer ist ein typischer Kunden: „Bei 80 bis 90 Prozent sind 20 Minuten Installation der Regelfall“, sagt Jens Schilling. Der Abteilungsleiter Breitbandversorgung der ÜWAG treibt den Glasfaser-Ausbau voran. Nur bei wenigen Kunden dauere es länger oder es seien mehrere Besuche nötig.

Denn mit dem bloßen Ausfüllen des Antrags bei der  ÜWAG auf Anschluss an die Megabit-Leitung und das Umstecken von Steckern daheim sei es nicht getan: „Im Hintergrund laufen parallel viele Arbeitsschritte ab, von denen der Kunde selten etwas mitbekommt“, sagt Schilling. Als Beispiel nennt er Bonitätsprüfung, Datenabgleiche und Portierung der Telefonnummer, wenn der Kunden mit dem Wechsel des Anbieters seine Telefonnummer behalten möchte.

Telefonnummern werden zentral verwaltet

Weil die Telekom alle Telefonnummern in Deutschland zentral verwaltet und dem  jeweiligen Anbieter zuweist – Fachleute  sprechen von routen –,  müsse sich der frühere Anbieter, meist die Telekom, mit der ÜWAG zeitlich koordinieren, und Wechselfristen einhalten, damit der Kunde nicht ohne Telefon dasteht. Manchmal sei ein Dritter Anbieter zu berücksichtigen. In der Regel dauere das Verfahren vier bis sechs Wochen.

Bei Willert hatte  auch nicht auf Anhieb alles funktioniert: Im Internet fuhr er sofort auf der Überholspur, das Telefon stand dafür auf der Standspur. Die Willerts konnten den Nachmittag über weder telefonieren noch waren sie erreichbar. Der Grund: Die Telekom hatte offenbar die Nummer zwar ins ÜWAG-Netz portiert, aber noch nicht offiziell zugewiesen, also nicht geroutet. Erst nach Intervention der ÜWAG bei der Entstörungsstelle und im Netzwerkcenter der Telekom war das Willertsche Telefon am Abend wieder am Netz.  

In einem Fall anderen Fall in Dipperz gab es sogar wochenlange Verzögerungen, weil der frühere Anbieter den Antrag auf Kündigung des Internets abgelehnte, weil nur ein Ehepartner unterschrieb hatte, obwohl  beide im Vertrag standen. In einem anderen Fall hatte der frühere Anbieter die Kündigung nicht akzeptiert, weil der Telefon-Anschluss einer anderen Anschrift zugeordnetet war. Erst nach der Bestätigung durch die Gemeinde, dass es die Adresse gar nicht gibt, wurde der Kunde aus seinem Vertrag entlassen. „Da gibt  es viele Stellschrauben“, sagte Glasfaser-Experte Schilling vielsagend. Er wolle keine Absicht unterstellen, aber der Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt werde generell hart geführt.

Lösung mit Leitfaden

Mit dem regionalen Energieversorger ist Willert zufrieden. Besonders, weil die ÜWAG den Wechsel zum Wunschtermin ermöglicht habe, die Portierung der Telefonnummer übernahm, und weil ein Mitarbeiter ins Haus kam, um die sogenannte Fritzbox zu installieren. „Das ist kundenfreundlich, gerade für Bürger, die sich nicht so gut auskennen“, sagt er. Laut Schilling kam bisher zu alle Kunden, mit Ausnahme von zwei, die auf eigenen Wunsch, die Installation selbst übernehmen wollten,  ein Service-Mitarbeiter und baute die Technik ein.

Aber nicht etwa, weil die Installation schwierig ist: „So konnten wir sehen, wo Fehlerquellen bei der Installation sein könnten und konnten Informationen sammeln für den Ausbau des Glasfasernetzes in anderen Orten.“ Schilling hat ein Leitfaden entworfen, mit dem Kunden zukünftig selbstständig die Fritzbox einrichten können. „Wir haben uns für eine sogenannte Zero-Touch-Lösung entschieden.“

Der Kunde müsse weder lange Passwörter oder Codes eingegeben noch sich durch Installationen am Bildschirm  klicken. Es müsse nur Telefon und Computer in die im Leitfaden abgebildeten Stecker gesteckt werden und der mitgelieferte USB-Stick  eingesteckt werden. Leuchtet die grünen Lampe, ist Auffahrt zur ÜWAG-Datenautobahn frei.


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