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4. Juli 2012



Wird Pelz erster Piraten-Bürgermeister?

nz

Margretenhaun
Er könnte der vielleicht erste Bürgermeister seiner Partei werden: Gerhard Rudi Pelz tritt für die Piraten an und will mehr Transparenz und Basisddemokratie in die Gemeinde Hofbieber bringen.

Bürger aus Hofbieber hatten den 62-jährigen Petersberger nominiert. „Einige Bürger hatte geärgert, dass alle Fraktionen der Gemeindevertretung einen Allparteieneinheitskandidaten vorstellen wollen“, begründet Pelz. Es sollte kein Abhaken eines Wahlvorschlags, sondern eine echt demokratische (Aus-)Wahl werden. Danach sei die Piratenpartei auf ihn zugekommen, sich bei ihr zu engagieren. Pelz trat bei.

Gewänne er, wäre Dr. Gerhard Rudi Pelz nach eigenen Angaben der erste Piraten-Bürgermeister Deutschlands. „Bessere Werbung kann sich Hofbieber gar nicht wünschen“, sagt er selbstbewusst. Ein Pirat als Rathauschef stünde unter „verstärkter Beobachtung und Druck“. Dies sei ihm bewusst und er sehe es als Herausförderungen, Höchstleistungen zu bringen.

Dass der Vater zweier Kinder nicht aus Hofbieber sondern aus Magretenhaun, stammt, wo er mit seiner Frau ein Haus bewohnt, sieht er nicht als Nachteil. Im Gegenteil: Er habe den Blick von außen auf die Abläufe und sehe Probleme unvoreingenommener als die anderen Kandidaten, die aus Hofbieber kommen. Für das Bürgermeisteramt besitze er die fachlichen Grundlagen: Er ist als Biologe und Bildungswissenschaftler Natur- und Geisteswissenschaftler, hinterfrage, sei kritisch, könne abwägen und argumentieren. Sätze wie „Die Entscheidung ist alternativlos“, werde es mit ihm nicht geben. Die Philosophie der Piraten sei, basisdemokratisch und transparent so viele Bürger wie möglich einzubinden und mit ihnen Argumente für die Entscheidungsfindung zusammenzutragen. Das gemeindliche Machtzentrum bleibe jedoch das Parlament.

Serie
Unsere Zeitung stellt in einer Mini-Serie die Bürgermeister-Kandidaten in Hofbieber vor.
Teil 1: Michael Wingenfeld
Teil 2: Bernd Hoyer
Teil 3: Gerhard Rudi Pelz
Teil 4: Jürgen Goldbach
Teil 5: Markus Röder
Obwohl er 20 Jahre in der CDU war, 2008 wegen der „Zustände und Seilschaften“, wie er sagt, ausgetreten ist, wolle er mit alle Fraktionen gemeinsam arbeiten. Er sei pragmatisch, für ihn stehe die Sache im Vordergrund. Zudem war er mehrere Jahre im Ortsbeirat. Sein Steckenpferd ist die Bildungs- und Umweltpolitik. Pelz ist studierter Biologe, Doktor der Zoologie und betreibt seit 1989 ein Planungs- und Sachverständigenbüro für Umwelt- und Gewässerfragen. Zudem ist er Verleger und hat mehrere Bildungsvereine gegründet.

Für sein Wahlprogramm, habe er sich „viel überlegt“. Es sei „ein richtiges Büchelchen“ geworden. Als Bürgermeister werde er sich dafür einsetzen, die Lebensqualität zu verbessern: Das heißt unter anderem, weiter Leerrohre für schnelles Internet zu verlegen, Konzepte für den Nahverkehr in allen Ortsteilen zu erarbeiten und sich einzusetzen, dass die Biebertalschule einen gymnasialen Zweig bekommt.

Zudem soll der Wirtschaftsstandort gestärkt werden, indem die Gemeinde Anreize schafft für die Gewerbeansiedlung. Hofbieber solle sich in einem Netz von Bildungsprogrammen beteiligen, sodass Know-how in die Gemeinde getragen werde oder dort bleibe. Im Fremdenverkehr sieht Pelz „große Chancen“, weil mehr Deutsche Urlaub im eigenen Land machten.

Verbessert werden müsse die Außendarstellung: Im Bereich Kunst und Kultur müsse Hofbieber offensiver auftreten und beispielsweise mit Biosphäre, Kleinsassen und Milseburgtunnel stärker werben. Pelz sieht Hofbieber als „Kulturhauptstadt der Rhön“. Um die Kommunikation in der Gemeinde zu verbessern, will er eine Internet-Gemeindezeitschrift etablieren und den Ortsbeiräten „große Gestaltungsräume“ lassen und „mehr Eigenständigkeit im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten“ geben. Von der Vielzahl der Vereine in Hofbieber zeigt sich der Kandidat beeindruckt. Sie halte er für einen „wertvollen Schatz“, den es zu „hüten“ gilt. Kürzungen bei den freiwilligen Leistungen schließt er aus.

In Sachen Pflegeheim sieht sich Pelz „an die Entscheidung der Gemeindevertretung gebunden“ und wolle „das Beste daraus machen“. Für den Ortskern wolle er eine Belebung, etwa mit sogenannten Public-Private-Partnership-Projekten, in denen sich private Investoren und Kommune beteiligen. Er wolle für die Gemeinde aus den Informationen anderer Gemeinden lernen. „Diese sind ein Schatz an Informationen, den es zu heben gilt“, sagt Pelz.

Als Klammer um die Themen sieht er den Schuldenabbau. Er habe jedoch keinen Einblick in die Haushalte erhalten. Er wolle alles kritisch hinterfragen. Es dürfe zunächst nicht mehr ausgegeben werden, wie viel eingenommen werde. Die Kommission für Haushalts-Konsolidierung solle ihre Arbeit fortsetzen. Um den Finanzen zu sanieren, sollten möglichst viele Bürger beteiligt werden. Für mehr Einnahmen sollten Fördermittel nicht vergessen werden. Gerade mit Bildungsprogrammen könne man „die finanzielle und soziale Seite“ verbinden.

www.hofbieber-buergermeister.de


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