Ärzte kritisieren Pläne der Helios-Klinik scharf
Von Victoria Bott
Hünfeld
Die Wellen schlagen hoch, seitdem bekannt ist, dass an der Helios-Klinik in Hünfeld ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) eröffnen soll.
„Dies wurde vorher nie mit uns diskutiert“, steht in einem Brief an Klinik-Geschäftsführerin Daniela Becker, den 24 Ärzte aus dem Altkreis unterzeichnet haben. „Mit großer Irritation“ haben die Ärzte auf die Neuigkeit reagiert, heißt es in dem Brief. Nach Angaben des Gesundheitsnetzes Osthessen wurde das Schreiben von „100 Prozent der anwesenden Hünfelder und Burghauner Ärzte sowie einigen Kollegen aus Eiterfeld und Nüsttal“ unterschrieben. Sechs Ärzte hätten aufgrund von Urlaub oder Krankheit nicht unterzeichnen können. Ein Kollege begrüße das MVZ, ein weiterer stehe in Verhandlungen zum Verkauf seines Hausarztsitzes an die Klinik.
1. Falsche/fehlende Informationspolitik der Klinik.
Helios-Klinik: „Dr. Gabriele Petsch, Dr. Andreas Rügamer und Daniela Becker haben die über 20 Telefonate persönlich geführt und dabei die geschilderten Eindrücke gewonnen. Bestehende Sorgen und Bedenken konnten sie aus ihrer Sicht ausräumen. Da offenbar weiterer Gesprächs- und Erläuterungsbedarf besteht, werden wir gerne erneut auf die niedergelassenen Ärzte der Region zugehen.“
2. Warum ein MVZ und keine Institutsambulanz?
Helios-Klinik: „Wir haben verschiedene Optionen geprüft. Entscheidend für uns war, einen Weg zu finden, der zu einer besseren Patientenversorgung führt und für die Klinik organisatorisch bestmöglich vertretbar ist. Die Fortführung der guten und konstruktiven Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten der Region stand dabei in jedem Fall außer Frage. Im Ergebnis haben wir uns für die Gründung eines MVZ entschieden.“
3. Zur Konzernstrategie.
Helios-Klinik: „In der Helios-Klinik Hünfeld haben alle Klinikgeschäftsführer seit 2002 stets und erfolgreich für eine Verbesserung der Patientenversorgung, die Ausweitung des medizinischen Leistungsangebots, die Optimierung der personellen und medizintechnischen Ausstattung sowie die Weiterentwicklung des patientenorientierten Service in der Klinik gearbeitet. Davon haben Patienten im Altkreis Hünfeld und darüber hinaus profitiert. Grundlage des medizinischen und auch wirtschaftlichen Erfolges der Klinik war die stets vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten der Region. An dieser Linie werden wir auch künftig festhalten.“
„Wir sind tief enttäuscht darüber, dass die Helios-Klinik die bisher bewährte Zusammenarbeit in der Region mit dieser Geschäftspolitik aufs Spiel setzt“, erklärt Klaus-Peter Raschkewitz aus Burghaun, der als Ansprechpartner der Gruppe fungiert, in dem Brief. Die Ärzte fordern Becker auf, die Pläne des MVZ nicht zu verwirklichen. „Selbst wenn es jetzt nicht angedacht ist: Wenn das MVZ erstmal geschaffen ist, wird es auch ausgebaut“, verdeutlicht Raschkewitz. Für Fachärzte werde es immer schwerer, sich dagegen zu behaupten.
Erst im Frühjahr sei von Seiten der Ärzte geäußert worden, dass die in der Klinik operierten Patienten durch die niedergelassenen Ärzte postoperativ betreut werden. „Die zwischen der Helios-Klinik und uns verabschiedete Lösung war, dass die Klinik erneut eine Institutsambulanz beantragen wird. Das wurde von allen Kollegen unterstützt“, verdeutlicht Raschkewitz. Eine Institutsambulanz gestattet die Nachsorge der Klinik in bestimmten Fällen.
Dr. Dr. Kai Witzel aus Hünfeld hebt hervor: „Wenn man als Krankenhaus eine eigene chirurgische Ambulanz ernsthaft hätte betreiben wollen, so wäre eine Institutsambulanz durch Zuweisung der Niedergelassenen möglich gewesen.“ Die Ärzte vor Ort hätten die Klinik dazu aufgefordert, dafür eine Zulassung zu beantragen. „Die Kassenärztliche Vereinigung signalisierte Zustimmung. Ich selbst habe persönlich als ehemaliger Helios-Chefarzt mit Ambulanzermächtigung mehrfach angeboten, das Krankenhaus bei der Erteilung einer Zulassung zu unterstützen. Stattdessen wurde mir bei einem Gespräch mit Helios angeboten, meine Kassenarztzulassung zu kaufen“, sagt Witzel. Ein Antrag auf eine Ermächtigung sei in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht von Helios gestellt worden. Das bestätigt auch Karl Roth von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen. Eine Ermächtigung ist eine Erlaubnis für einen Krankenhaus-Arzt, für einen Zeitraum von zwei Jahren bestimmte vordefinierte Leistungen im ambulanten Bereich zu erbringen.
Die Unterzeichner des Briefes weisen zudem ausdrücklich zurück, dass mit ihnen die Pläne des MVZ besprochen worden seien. „Es ist keiner der Kollegen informiert worden“, betont Raschkewitz. Witzel ergänzt: „Zwar konnten einige einen Anruf der Klinik bestätigen, keiner berichtete jedoch, sich positiv oder unkritisch geäußert zu haben.“ Ein MVZ sehen die Hünfelder Ärzte als nicht notwendig und im Sinne einer guten sektorenübergreifenden Versorgung in der Region für kontraproduktiv.
Kritik äußert Witzel an der „Konzernstrategie“ von Helios: In neun Jahren sei viermal der Verwaltungsleiter des Krankenhauses in Hünfeld ausgetauscht worden. „Wer weiß, dass er bereits nach kurzer Zeit versetzt werden wird, ist lediglich der Gewinnmaximierung des Konzerns verpflichtet, nicht aber der Region, in der er gerade arbeitet.“
Die Pläne
Die Hünfelder Helios-Klinik will zum 1. Oktober ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit zwei Facharztpraxen eröffnen. Dort werden der Chirurg Dr. Wolfgang Wagner und Elena Schlothauer, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, arbeiten. Die Klinik begründet die Maßnahme unter anderem mit der besseren Versorgung von Patienten nach Operationen.
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gaalberner (77) | 6. July 2012;06.07.2012;1341593628 --> 06 Juli 2012
Patient im Mittelpunkt?
Von den Interessen der Patienten und den von langen Wartezeiten leider kein Wort in dieser Stellungnahme. Grundsätzlich ist es den Patienten egal ob sie von einem Freiberufler oder einem angestellten Arzt behandelt werden.
Hauptsache ist dass die Qualität stimmt. Und die Qualität ist wohl bei den niedergelassenen Ärzten und in einem MVZ gleich gut. -
domingo (42) | 6. July 2012;06.07.2012;1341566889 --> 06 Juli 2012
und die Patienten?
Ich habe den Eindruck, das hier die Ärzteschaft Angst hat, das die Wartezimmer in Zukunft nicht mehr so überfüllt (mit Wartezeiten von 2 bis 3 Stunden) sein könnten.
Meiner Ansicht nach, ist die Umsetzung eines MVZ in Hünfeld mehr als überfällig.
Von den Vorteilen für Patienten spricht hier niemand!
Schade, das in unserer Zeit auch die Ärzte (wie alle anderen Entscheidungsträger auch) zunächst nur an ihren Vorteil denken, wobei doch der Patient im Vordergrund stehen sollte!
Oder?







