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3. Mai 2012



An der innerdeutschen Grenze liegen noch immer Minen in der Erde

Von Alexander Gies

Rasdorf/Geisa
Sie sind so groß wie eine Schuhcremedose, 400 Gramm schwer und tragen die Bezeichnung PPM 2: Die Rede ist von sogenannten Plastikantipersonenminen.

Die liegen – vereinzelt – noch mehr als 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung am „Grünen Band“ in Thüringen in der Erde. Wie viele es genau sind, weiß niemand. David Altheide war dabei, als die DDR-Flüchtlinge 1989 die Botschaft der Bundesrepublik in Prag stürmten. Als der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher vom Balkon aus den überglücklichen Menschen ihre Ausreise verkündete, saß der kleine David seelenruhig in dem Gebäude und löffelte seelenruhig einen Joghurt nach dem anderen leer. Heute lebt Altheide in Rasdorf und ist in seiner Freizeit ehrenamtlich als Gästeführer im Grenzmuseum Point Alpha tätig. Nebenbei forscht er zur Geschichte der Grenze, ihrer baulichen Veränderung über die Jahrzehnte hinweg – und die Verwendung von Selbstschussanlagen und Minen.

Aus seinen Unterlagen, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben, geht hervor, dass bis zum heutigen Tag 33.864 Minen als „nicht gefunden“ aufgeführt sind. Diese Zahl bezieht sich auf die gesamte ehemalige innerdeutsche Grenze, die sich auf 1339 Kilometer zwischen der Nordsee und Bayern entlangzieht. Zwischen 1965 und 1985 waren hier 1322 700 Minen verlegt worden.

18.000 der rund 34.000 Sprengkörper, die nach der deutschen Einheit nicht gefunden worden waren, gehören zum Modell Holzkastenmine (PMD 6), das aufgrund seiner Bauweise mittlerweile als verrottet und unschädlich gilt. „Irgendwann wurde entschieden, dass von diesem Typ keine Gefährdung mehr ausgeht“, sagt Altheide, will dafür aber nicht die Hand ins Feuer legen.

Wesentlich mehr Gefahr geht wohl von der Plastikantipersonenmine PPM 2 aus, von der heute noch 12.000 zwischen Ostsee und Bayern in der Erde schlummern sollen. Seit 1994 gelten an der gesamten innerdeutschen Grenze 150 Kilometer als minengefährdet; allein in Thüringen knapp 92 Kilometer. Auf den Landkreis Eisenach entfallen 4,2, auf Bad Salzungen 2 (zu dem der Abschnitt zwischen Vacha und Tann zählt) und auf Meiningen 17,6 Kilometer. Bei vorangegangenen Nachsuchen wurden pro Kilometer zwischen drei und sechs Minen gefunden. Diese Zahl auf die aktuelle Situation zu übertragen, hält Altheide allerdings für unseriös: „Man kann es einfach nicht genauer sagen.“
Noch etwas kommt hinzu: Die PPM 2 ist wegen ihrer Plastikbauweise relativ langlebig und leicht. „Manche landeten bei Hochwasser auf Bundesgebiet oder wurden durch die grenznahen Flüsse und Bäche wie die Ulster abgeschwemmt“, sagt Altheide. Einige wenige seien auch entwendet worden.

Ein größerer Teil wiederum sei über die Jahre hinweg vor allem im Winter bei starkem Bodenfrost, durch Wildtiere oder Feuer detoniert. Diese „Blindgänger“ seien aber nicht immer von DDR-Seite vollständig erfasst worden. Deswegen führe man womöglich heute noch Minen in den Listen, die längst explodiert seien. Es sei auch vorgekommen, so Altheide, dass bei Erdarbeiten Teile von Minenfeldern bei Planierarbeiten zusammengeschoben wurden.
In Nordbayern werden an einigen Abschnitten des Grünen Bandes jetzt wieder Schilder aufgestellt. Aufschrift: Vorsicht! Minen!


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