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22. Oktober 2012



Auf Burg Fürsteneck ließen Schüler ihrem Wissensdrang freien Lauf

Von Sophia Steube

Fürsteneck
In den alten Gemäuern der Burg Fürsteneck existiert eine regelrechte Ideenschmiede. Um Wissenschaft und Kreativität dreht sich das Programm der Schülerakademie. Zum zweiten Mal findet sie für Schüler der Klassen sieben bis neun in den diesjährigen Herbstferien statt.

Schüler, die in den Ferien lernen? Die freiwillig Biologie-, Mathe- oder Chemiekurse belegen? Das ist wohl eher die Ausnahme als die Regel – aber nicht so auf Burg Fürsteneck. Es wird geforscht, experimentiert, improvisiert – und alle Jugendlichen sind mit Spaß und Neugierde dabei.

„Wir können uns hier mit Sachen beschäftigen, die weit über den schulischen Unterricht hinausgehen“, erklärt Gabriele Stenger-Stein, Leiterin des Kurses für Kunst und Kultur. Spielerisch und – auf den ersten Blick – auf ungewöhnliche Art und Weise lernen die Jugendlichen in diesem Kurs, ihre musikalischen Fähigkeiten zu verbessern.

„Fledermaus im Biologiesaal“ so lautet das Stichwort von Ferenc Kréti, dem Leiter der Mittelstufenakademie. Ohne lange zu zögern entwickeln die neun Musikbegeisterten eine Melodie, die dieses Stichwort umschreibt. „Die Schüler hier lernen nicht durch einen Vortrag oder Unterrichtsstoff, sondern durch Erfahrungen“, betont Kréti.

Miriam, Louisa und Antonia erforschen im Biologiekurs Nahrungsnetze. Konzentriert nehmen die drei ein Stück Rasen auseinander – und stoßen dabei auf winzige „Babyregenwürmer“ und kleine Krabbeltiere. „In der Schule muss man viel auswendig lernen, hier können wir uns aussuchen, zu welchem Thema wir etwas herausfinden möchten“, beschreibt die 14-jährige Alsfelderin Antonia.

An den Nachbartischen wird ebenfalls fleißig geforscht: In der einen Ecke untersuchen die jungen Biologen, ob Regenwürmer ihre Gänge nach einem bestimmten System graben, am anderen Ende des Raumes wird der Inhalt der Bodenfallen begutachtet – darunter Spinnen, Tausendfüßler und Mistkäfer.

Stella hat rund um das Burggelände einige Bodenproben genommen. Jetzt gilt es, den PH-Wert der Proben herauszubekommen. „Mir hat das Fangen von Insekten aber auch sehr viel Spaß gemacht“, gibt die 13-Jährige aus Schotten zu, die froh darüber war, dabei mit Handschuhen und Pinzette arbeiten zu dürfen.

Seit dem Jahr 2004 wird die Schülerakademie auf Burg Fürsteneck angeboten – zunächst nur für Oberstufenschüler. Seit vergangenem Jahr gibt es das Angebot nun auch für Mittelstufenschüler. „Die Oberstufenakademie hat sich so fantastisch entwickelt, dass wir   beschlossen haben, das Angebot auszuweiten“, so Ferenc Kréti.

Von ihren Schulen werden besonders begabte, motivierte und lernbereite Jugendliche für den Besuch der Akademie vorgeschlagen. Für zehn Tage bleiben die etwa 60 Schüler auf Burg Fürsteneck und absolvieren ein volles Programm. Zur Auswahl stehen jeweils ein Kurs unter fünf Pflicht- und Wahlkursen. „Wichtig ist uns, dass die Kinder hier eine andere Form von Lernen erleben. Von uns wird nur das Handwerkszeug, das man zum Beispiel für Forschungsarbeit braucht, vermittelt“, erklärt die Leiterin des Biologiekurses Dr. Claudia Wulff. Etwa zwölf Schüler sind  in einem Kurs untergebracht, der von einem Referent und einem Co-Referenten geleitet wird.

Trickfilme und Hörspiele entstehen im Kurs Medienkultur. Ziel dieses Kurses ist es, eine Internetseite für zukünftige Akademieteilnehmer zu gestalten. Neben diesem Kurs, Biologie und Kunst und Kultur werden außerdem Mathematik und Chemie als Hauptkurse angeboten.

Mittags und Abends finden  zudem freiwillige kursübergreifende Angebote statt, bei denen es ausschließlich um Spiele und Sport geht. Dafür gibt es sogar eine Liste, in der sich Schüler eintragen können, die  selbst eine Idee für Freizeitangebote haben. So können sie sich auch außerhalb der Kurse besser kennenlernen. Ferenc Kréti ist zufrieden mit dem Bildungsangebot der Akademie:  „Der Herzgedanke ist, dass Wissenschaft und Kreativität nicht im Gegensatz zueinander stehen. Denn Wissenschaft kommt gar nicht ohne Kreativität aus.“


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