Ausgrabung eines vermutlich keltischen Grabhügels
Von Alexander Gies
Burghaun
Bernd Glaser ist Baggerfahrer aus Leidenschaft – und mit Gefühl. Der 62-jährige Rentner aus Fulda schiebt mit dem Radlader auf dem Getreidefeld oberhalb von Burghaun sorgsam 20 bis 25 Zentimeter Muttererde ab. Sein waches Auge hat schon vom Führerstand aus ein paar Scherben ausgemacht. Und als er niederkniet, sieht er sie: eine Keramik.
Auf der 30 mal 50 Meter großen Fläche sind seit dieser Woche 17 Archäologiestudenten aus Mainz und Marburg sowie Mitglieder des Archäologischen Arbeitskreises Fulda, dem auch Bernd Glaser angehört, mit Ausgrabungsarbeiten beschäftigt. Mit Spatel und Pinsel legen die Helfer in geduldiger und diffiziler Kleinarbeit – unter sengender Sonne – die Fundamente eines offenbar kreisrunden Hügelgrabs frei. „Wir vermuten, dass das Grab aus der Keltenzeit, also der älteren Eisenzeit zwischen dem 6. und 5. Jahrhundert vor Christus stammt“, sagt Stadt- und Kreisarchäologe Dr. Frank Verse mit aller Vorsicht, denn auch im späten Neolithikum (3500 - 2800 v. Chr.) und in der mittleren Bronzezeit (1600 - 1200 v. Chr.) gab es solche Grabhügel. Und: Die Kelten seien etwas „faul“ gewesen, merkt Verse verschämt an. Sie hätten gerne mal vorhandene Grabhügel genutzt. Insofern gestaltet sich die Datierung etwas kompliziert.
Ein Viertelkreis des Grabhügels ist bereits gut zu erkennen. „Die Außenkanten der Einfassung sind abgeschlagen und begradigt. Das ist wie bei der Grabung am Trätzhof“, sagt Milena Wingenfeld aus Petersberg. Die 27-Jährige hat in Würzburg Archäologie studiert und leitet die Ausgrabung. Sie hofft, dass sich der Fund als Thema für ihre Doktorarbeit eignet, die sie ab Herbst schreiben möchte.
Bis 24. August sollen die Grabungen laufen: Bis dahin hofft Verse, dass der Aufbau des Grabhügels gut zu erkennen ist und sich vielleicht auch Grabbeigaben wie Bronzeschmuck oder Dolche und Beile finden. Gerade dreht er die Fragmente eines bronzenen Armreifs in seinen Fingern. „Ich finde es enorm spannend, ein paar Sekunden in die Vergangenheit zu blicken und zu erahnen, was der Schöpfer dieses kleinen Kunstwerks sich bei der Herstellung gedacht hat“, sagt Verse über die Faszination seiner Arbeit. Für die Studenten ist die Grabung Bestandteil ihres Studiums.
Exponate fürs Museum
Während der vier Wochen leben sie in einer Ferienwohnung in Burghaun. Die hat die Gemeinde organisiert, ebenso wie die Absprache mit dem Landwirt, die WC-Häuschen, den Bauwagen oder die Wasserfässer, aus denen die Erde abends besprengt wird, damit man am nächsten Tag leichter graben kann. Die Radlader hat die Baufirma Lohfink zur Verfügung gestellt.
Verse freut sich über das tolle Engagement der Gemeinde, ein Lob, das Bürgermeister Alexander Hohmann (SPD) gerne hört. Aber für ihn war die Unterstützung selbstverständlich: „Dass dieser Fund ausgerechnet im Jahr unseres 750. Jubiläums erfolgte, spielt uns natürlich zu 100 Prozent in die Karten.“ Er darf hoffen, einige der Exponate später im Heimatmuseum ausstellen zu können. Eine Idee, die Frank Verse unterstützt: „So können wir Bewusstsein schaffen für das reiche kulturelle Erbe, das in unserer Heimat vorhanden ist.“ Schulklassen sind übrigens eingeladen, den Studenten bei ihrer Arbeit mal über die Schulter zu schauen. Anmeldungen sind möglich unter Telefon (0 66 52) 96 01 19.
Bis dahin werden Bernd Glaser und Christian Lotz, 24 und Archäologiestudent aus Marburg, bestimmt noch ein paar Keramikteile mehr gefunden haben. Gerade sind sie auf ein wahres Nest gestoßen: Überall, wo sich ein Bruchteil findet, stecken dicke Zimmermannsnägel in der Erde. Bernd Glaser: „Man kratzt die Erde leicht ab, sieht was und freut sich.“
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