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6. Januar 2012



Bericht weist auf Mängel bei Bordsteinen hin

Von Alexander Gies

Hünfeld
„Die Firma sollte sich schon anstrengen“ – der Hinweis, den Hünfelds Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel (CDU) gibt, ist ziemlich deutlich. Noch einmal will er solch eine Pleite wie mit den bröselnden Bordsteinen nicht mehr erleben.

Mitte 2009 wurde festgestellt, dass mehr als 2000 Bordsteine in der Kernstadt und in den Stadtteilen defekt sind. Zwischenzeitlich kamen weitere hinzu. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich für die Stadt auf 220.000 Euro. Ein Bordstein kostet rund 110 Euro. Seither werden die Bordsteine Stück für Stück ausgetauscht oder saniert. Was den Bürgermeister ärgert: Viele der Karies-Bordsteine sind noch gar nicht alt. Sie stammen von einem heimischen Unternehmen und wurden überwiegend 2003 produziert.

Dabei muss etwas schief gelaufen sein, denn auffällig viele Randsteine zeigten in den Jahren darauf Bröselerscheinungen – zumeist nach einem strengen Winter. Ein Gutachten des Hessisches Amtes für Baustoff- und Bodenprüfung, das im Auftrag des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen Fulda erstellt worden ist, untermauert jetzt die These einer fehlerhaften Produktion. Die Materialprüfer aus Kassel setzten Bordsteine drei Wochen bei Minustemperaturen einer dreiprozentigen Kochsalzlösung aus. Damit wollten sie die Frost- und Tausalzbeständigkeit der Randsteine überprüfen. Nachher stellten sie an vielen Proben „stärkste Abwitterungen“ fest.

„Kein Auge zudrücken“

„Wir haben den Untersuchungsbericht an den Hersteller geschickt und um eine Stellungnahme gebeten. Bis jetzt liegt sie aber leider noch nicht vor“, sagt Fennel. Die Gewährleistungsfrist, in der der Hersteller für Schäden haftet, ist nach fünf Jahren zumeist abgelaufen, doch Fennel geht es jetzt vor allem darum, künftig keine Bordsteine mehr einzubauen, die ein Risiko darstellen. „Das geht so nicht: Wir haben Bordsteine, die sehen nach 30 Jahren besser aus als die, die erst 2003 produziert wurden“, verdeutlicht er. Deshalb sollen nun bei Ausschreibungen „ganz, ganz strenge Maßstäbe“ angelegt werden, die den Beweis der Salzbeständigkeit und vielleicht sogar eine längere Gewährleistungspflicht beinhalten.

Aus Sorge um weitere Schäden hat die Stadt Hünfeld bei der Baumaßnahme in der Adolph-Kolping-Straße bereits auf ein anderes Produkt zurückgegriffen. Und auf die Randsteine der erst vor wenigen Jahren fertig gestellten Ortsdurchfahrt in Malges wirft Fennel einen besonders kritischen Blick: Dort sei zwar keine Mängelrüge angesagt, aber es gebe ein paar Auffälligkeiten, die man im Auge behalten werde. „Auch wenn es sich um ein heimisches Unternehmen handelt, an dessen Wohlergehen wir natürlich besonders interessiert sind, werden wir in dieser Frage kein Auge zudrücken“, stellt der Bürgermeister klar.

Auch andere Kollegen im Landkreis seien am weiteren Verlauf interessiert, immerhin gebe es im gesamten Landkreis Fulda rund 5,2 Kilometer fehlerhafte Straßenbegrenzungen, die mit dem Produktionsfehler in Verbindung gebracht werden. Diese Zahl hatte der Petersberger Bürgermeister Karl-Josef Schwiddessen (CDU) im März 2008 genannt.



Leser-Kommentare ( 4 )
  • HarryHirsch (352) | 8. January 2012;08.01.2012;1326044320 --> 08 Januar 2012
    Eben...

    ...und Ausschreibungen gehen halt oft nach Preis und nicht nach Qualität - DAS könnte man aber über eine Gewährleistungsgarantie in der Ausschreibung steuern und auch keine GmbH zulassen die es nach 2 Jahren nicht mehr gibt!!! ( das ginge über eine Bankbürgschaft AUCH ZU STEUERN) !!!

  • Fulda1964 (16) | 7. January 2012;07.01.2012;1325959805 --> 07 Januar 2012
    teuer ist nicht automatisch hochwertig

    teuer ist ja leider auch keine Garantie für Qualität. Hier war es offenbar ein vorübergehendes Produktionsproblem. Die Kommunen haben dem lokalen Hersteller mit den drei Buchstaben den Vorzug gegeben und der hat wohl kaum Bordsteine in verschiedenen Qualitäten im Sortiment. Zudem stünden die Gemeinden auch sofort wieder in der Kritik, wenn sie mehr von Steuerzahlers Geld ausgeben würden. Der Betonsteinehersteller ist gut beraten hier einzulenken, die Kommunen sind eine gute Einnahmequelle.

  • Vishnu (115) | 8. January 2012;08.01.2012;1326024960 --> 08 Januar 2012
    Es ist richtig,

    daß teuer nicht = hochwertig aber meist nur, wenn kein Fachwissen da ist und in unserem System hört leider keiner mehr auf Fachleute.
    Die Bevölkerung versteht es schon, wenn die Bordsteine gehalten hätten, daß es günstiger gewesen wäre.
    Auch wenn es nur eine Sorte gäbe, ist der Hersteller gezwungen billig zu Produzieren.
    In meinem Fach nehme ich meistens das 2.günstigste Produkt.