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30. Oktober 2012



Bronzetafel für ermordeten ehemaligen BGSler enthüllt

Von Karl-Heinz Burkhardt

Herbertsdelle
In der Herbertsdelle, etwa an der Stelle, wo 1998 der Hünfelder Taxifahrer Hans (Toni) Plüschke erschossen wurde, erinnert wieder eine Bronzetafel an den bis heute nicht aufgeklärten Mord, um den sich immer noch das Gerücht rankt, die Stasi habe damals die Hände mit im Spiel gehabt.

Seitdem die Nordumfahrung B 84 von Hünfeld gebaut wurde, gibt es den Originaltatort nicht mehr. Die früher stark eingeschnittene Herbertsdelle  verlor durch eine Brücke und Aufschüttungen ihr starkes Gefälle. Nun wurde am Widerlager der neu errichteten Brücke zwischen Neuwirtshaus und Hünfeld wieder eine Bronze-Tafel zur Erinnerung an den Mord enthüllt.

Am 14. August 1962 war es an der innerdeutschen Grenze zwischen Rasdorf und Setzelbach zu einem Schusswechsel zwischen NVA- und BGS-Beamten gekommen. Dabei kam der NVA-Offizier Rudi Arnstadt ums Leben – 36 Jahre später wurde dessen Todesschütze Hans Plüschke ermordet.

Wird es je herauskommen, wer Plüschke erschossen hat? Seine Kameraden von der BGS-Kameradschaft Fulda/Hünfeld hoffen darauf, dass der Mord im Morgengrauen des 15. März 1998 um 4.10 Uhr irgendwann aufgeklärt wird. Zahlreiche ehemalige, auch weit angereiste Kollegen, darunter Polizeidirektor Werner Friedrich von der Bundespolizei Hünfeld (früher Bundesgrenzschutz Hünfeld), sowie die Witwe Plüschkes, Else, hieß Kameradschaftsvorsitzender Rainer Neumann zu diesem besonderen Anlass willkommen.

Plüschke war auf einer Taxiheimfahrt von Großentaft mit einem Schuss oberhalb des rechten Auges getötet worden. Das war genau die Stelle, an der er 36 Jahre zuvor den DDR-Grenzer Rudi Arnstadt tödlich getroffen hatte – allerdings hatte Plüschke nicht gezielt geschossen.

Bis 1997, als Plüschke in einem hr-Fernsehinterview die tödlichen Schüsse zugab, wusste niemand in der Öffentlichkeit, wer die Schüsse abgegeben hatte. Der Schütze und die Behörden schwiegen. Zwei Jahre nach dem Interview wurde der Taxiunternehmer auf mysteriöse Weise ermordet.


„Toni hat das getan, was Pflicht für alle BGS-Beamten war, nämlich aus der Notwehr heraus zu handeln“, betonte als Vertreter des Hünfelder Bürgermeisters, Stadtrat Theo Flügel, der selbst BGS-Beamter war. Leider seien die Menschen in der ehemaligen DDR nach dem Zwischenfall, in dem Arnstadt zum Helden stilisiert worden sei, so infiltriert worden, dass sie die BGS-Beamten als „Mörder“ ansahen. So jedenfalls war es auf einer kurz nach der Wende entfernten Gedenktafel auf dem Wiesenfelder Friedhof zu lesen.

Der ehemalige BGS-Beamte Hans Böckel, der Hans Plüschke sehr gut kannte, hat jüngst ein Buch zum Thema veröffentlicht. Einen Teil des Erlöses stellte er für die Bronzetafel zur Verfügung. Die BGS-Kameradschaft Fulda/Hünfeld habe die Summe aufgestockt, um das Gedenken an  den Kameraden aufrecht zu erhalten.  
Herbert Böckel erläuterte – ohne Zorn auf  die ehemaligen DDR-Grenzer  – noch einmal  die Ereignisse des Grenzzwischenfalls, ging auf Aussagen von früheren NVA-Beamten ein sowie auf den Mord an Plüschke.
 Siegfried Stock (ehemaliger BGSler) blies auf seiner Trompete „Ich hatt‘ einen Kameraden.“


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