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9. Juni 2012



Der Liebe wegen vom Dienst suspendiert

sach

Geisa
Holger Heil (36), Kaplan in den katholischen Kirchengemeinden Geisa, Borsch, Bremen und Bermbach, wurde vom Dienst suspendiert, weil er eine Frau liebt und mit ihr leben möchte.

Vor fünf Jahren wurde der aus Steinhaus stammende Holger Heil zum Diakon, vor vier Jahren zum Priester geweiht. „Meine Berufung ist wahr, gereift, gewollt und getragen von Gott“, schreibt Heil an seine Gemeinden im Geisaer Amt, wo er seit August 2010 seinen Dienst versah.

Verbunden mit der Priesterweihe ist in der katholischen Kirche das Zölibatsversprechen. Zum Zeitpunkt der Weihe habe er die Lebensform des Zölibats annehmen und bejahen können, wenn auch damals schon mit gemischten Gefühlen. „Der Zölibat kann sicher gelebt werden. Doch man müsste in unserer Kirche auch hinterfragen, ob es nicht an der Zeit wäre, die Möglichkeit zu schaffen, eine unzölibatäre Lebensform zuzugestehen. Der Zölibat gehört nicht verbindlich zum Wesenskern des Priestertums“, sagt Heil.

Ohne einen Frust, ohne dass er das Gefühl von Einsamkeit verspürte, ohne dass er es erzwungen hätte oder das Sexuelle im Vordergrund stand, sei die „Kostbarkeit der Liebe“ zu ihm zurückgekommen. „Die Liebe zu derselben Frau, die mich schon in meiner Jugend geprägt hat. Und ich muss sagen, dass auch diese Liebe gewollt, getragen und wahrhaftig ist, wie die Berufung zum Priester.“

„Ich habe mich zuerst gewehrt“

Anfangs habe er sich dagegen gewehrt, darum gebetet, Gespräche mit befreundeten Priestern und geistlichen Begleitern geführt, den Bischof mehrmals aufgesucht. „Ich musste feststellen, dass ich diese Liebe nicht einfach löschen kann“, sagt Holger Heil. Gerne würde er weiterhin sein Amt ausfüllen – auch als verheirateter Priester oder Diakon.

Wer sich jedoch gegen das Zölibatsversprechen entscheidet, darf den priesterlichen Dienst nicht mehr ausüben. Um wieder in der Kirche angestellt zu werden, müsste Holger Heil entweder seine Entscheidung für die Liebe revidieren und zum Zölibat zurückkehren oder aber die Laisierung anstreben. Laisierung heißt, dass die Kirche seine mit der Weihe übernommenen priesterlichen Rechte und Pflichten aussetzt. Ein solches Verfahren kann Jahre dauern. Erst dann dürfte Heil kirchlich heiraten.

Die berufliche Zukunft des 36-Jährigen ist derzeit ungewiss. Er möchte gerne seelsorgerisch weiterarbeiten, vielleicht in einer Behinderteneinrichtung oder in der Familienfürsorge. „Gott wird mich führen, wie er es immer getan hat“, gibt er sich zuversichtlich. Das Paar will sich in der neuen Situation zunächst finden, spätere Heirat nicht ausgeschlossen. Heil sucht jetzt für sich eine Wohnung in Fulda.

Mit einem traurigen Auge verlässt er das Geiser Amt, in dem er heimisch geworden war. Der Kaplan war beliebt in seinen Gemeinden. Dass er Talent für den priesterlichen und seelsorgerischen Dienst hat, bekam er immer wieder bestätigt. Gerne würde er weitermachen. An seinem Glauben und seiner Berufung änderte sich aus seiner Sicht nichts. „Schade, dass der Zölibat über der Berufung Gottes, über der Priesterweihe und der Liebe zu den Menschen steht“, meint er. Den Zölibat gelte es im 21. Jahrhundert zu hinterfragen, weil an ihm viele Berufungen von Priestern scheitern. „Wir predigen von Liebe und Verständnis, aber wenn wir selbst betroffen sind, müssen wir uns den Kirchengesetzen beugen“, erklärt Heil.

„Betroffen und traurig“ ist Geisas Stadtpfarrer Uwe Hahner über das plötzliche Ausscheiden des Kaplans. Die Entscheidung sei „kirchenrechtlich folgerichtig, menschlich bedauerlich und persönlich für Holger Heil bitter“. Hahner verteidigt den Zölibat: „Der Kirche geht es nicht zuletzt um die Gewährleistung einer größeren Freiheit und Verfügbarkeit der Priester, die ohne Anhang von Frau und Kindern in der Regel eher gegeben ist.“ Ungewiss ist es bisher, ob in der Region wieder ein Kaplan eingesetzt wird.


Leser-Kommentare ( 25 )
  • Agnes (1) | 17. June 2012;17.06.2012;1339951466 --> 17 Juni 2012
    Frère Roger

    Es steht uns nicht zu, das Verhalten Einzelner zu be- oder verurteilen. Bei der Zölibatsdiskussion fehlt aber oft der Blick auf die Schönheit des Zölibats. Frère Roger (evangelisch) dazu:" Weiß die katholische Kirche, welch radikale Umkehrung der Werte sie (mit einer Aufhebung des Zölibats)einleiten würde? Der Zölibat der Priester, Torheit des Evangeliums, hat in ihr eine verborgene Wirklichkeit bewahrt. Die Kirche hat sich darin auf das Unsichtbare, auf das Mysterium Christi ausgerichtet."

  • p. siegfried modenbach sac (5) | 16. June 2012;16.06.2012;1339843579 --> 16 Juni 2012
    Das eigentlich Tragische

    Für mich ist das eigentlich Tragische, dass es ganz viele fähige, hoch motivierte und spirituelle Priester gibt, bzw. gäbe, die aber den Zölibat nicht leben können oder wollen- Wenn jemand zum Priester berufen ist, heißt das automatisch, dass er dann auch zum Zölibat berufen wird? - Dies genau glaube ich nicht: Warum kann es in unserer römisch-katholischen Kirche nicht auch beide Wege geben: den des zölibatären und den des verheirateten Priesters? Nichts, aber auch gar nichts spricht dagegen!

  • est! (27) | 14. June 2012;14.06.2012;1339701923 --> 14 Juni 2012
    Kein Vorbild

    Ich kann in Herrn Heil kein Vorbild erkennen. Jemand der "hoch und heilig" ein Versprechen abgibt und diese dann bricht soll vorbildlich sein? Wie viele Menschen hat er mit seinem Verhalten zutiefst enttäuscht und vor den Kopf gestoßen? Herr Heil hätte besser daran getan, sich bescheiden zurückzuziehen, statt mit seinen Erklärungsversuchen alles viel Schlimmer zu machen. Nein: Das war weder Mut noch Charakter, sondern einfach menschlich schwach. Aber gerade deshalb sollte man ihm verzeichen.