Fulda +26°/+14°C
> >     
Social Plugins können Daten übertragen (siehe Datenschutzbestimmungen)
27. September 2011



Die ersten Stolpersteine sind verlegt

Von Victoria Bott

Burghaun
Die ersten 15 Stolpersteine sind am Dienstag in Burghaun verlegt worden. Auf Wunsch der Initiative „Stolpersteine in Burghaun“ sollte es keine Veranstaltung im festlich geschmückten Raum, abgeschirmt von störender Umgebung sein, sondern mitten im Alltag stattfinden.

Auch das millionenfache Unrecht während der Nazizeit sei im Alltag von scheinbar unbeteiligten Mitmenschen geschehen. „Wir gedenken heute 15 ehemaliger Bürger von Burghaun, die durch den Terror der Nationalsozialisten jahrelang in Angst und Schrecken leben mussten und letztlich dem gewaltsamen Tod nicht entrinnen konnten“, machte Josef Staufer von der Initiative „Stolpersteine in Burghaun“ deutlich. Die Resonanz war groß: Rund 150 Zuschauer, darunter Mandatsträger sowie Schüler der Burghauner Ritter-von-Haune-Schule und Abiturienten der Hünfelder Wigbertschule, schauten dem Kölner Bildhauer Gunter Demnig über die Schulter, als er an sieben verschiedenen Stellen Stolpersteine verlegte. Damit ist Burghaun der 674. Ort in Deutschland und Europa, an dem Demnig an die Opfer der NS-Zeit erinnert, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort kleine Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einlässt.

Der Hintergrund, warum das Projekt in der Marktgemeinde realisiert wird, liegt für Josef Staufer auf der Hand: „Wir wollen die jüdischen Opfer, denen kein Grab auf Erden gegönnt worden ist, für die es oft niemanden mehr gibt, der um sie trauert, zurückholen in ihre alte Heimat.“ Bürgermeister und Mitveranstalter Alexander Hohmann (SPD) erklärte, dass der Gemeindevorstand vor einem Jahr grünes Licht für das Projekt gegeben habe. Durch die Initiative sei bereits frühzeitig ein Hineintragen des Projekts in die Bevölkerung gelungen. Er verdeutlichte den Grund, warum die Gemeinde die Stolpersteinverlegung unterstützt: „Es geht um den Umgang mit einem gigantischen Verbrechen. Und hier und heute geht es um eine Personalisierung der Opfer.“

Viele Spender übernehmen Patenschaft für Steine

Während Demnig die Gedenksteine in den jeweiligen Gehwegen verlegte, berichteten unter anderem die Abiturienten von dem Schicksal der NS-Opfer. Zudem legte Lea Kneisel aus Burghaun nach jeder Verlegung Rosen im Gedenken an die Menschen nieder. Ein großer Dank galt den Spendern. „Wir hätten die Verlegung heute und im Mai kommenden Jahres nicht verwirklichen können, hätte es nicht so viele Spender gegeben, die größtenteils auch erklärt haben, die Patenschaft für ihren gespendeten Stein zu übernehmen“, sagte Initiatorin Elisabeth Sternberg-Siebert. Viele der Paten waren am Dienstag anwesend und erklärten nach der Verlegung ihres Steins, was sie zur Spende bewogen hat. Stefanie Lüttwitz und Dominik Manns von der Klasse 4a der Ritter-von-Haune-Schule, die die Patenschaft für die Stolpersteine der Kinder Marga und Manfred Strauß übernommen hat, lasen etwa Briefe vor, die sie an die Geschwister geschrieben hatten. „Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Warum musste das passieren? Du hattest doch nichts Unrechtes getan“, stellte Dominik in seinem Brief an Manfred fest.

Roman Melamed, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Fulda, betonte, wie schmerzhaft die Verbrechen der NS-Zeit noch heute für ihn seien. „Es ist eine große Aufgabe für unsere Generation, das Thema nicht zu vergessen.“ Demnig betonte, man solle mit dem Kopf und dem Herzen über die Steine stolpern. „Wer den Text auf den Steinen lesen will, muss zwangsläufig eine Verbeugung vor den Opfern machen“, so der Künstler. Grußworte sprach zudem Kreisbeigeordneter Joachim Janshen (CDU). Musikalisch umrahmt wurde die Verlegung von Ruth Sternberg. Im Mai 2012 sollen nochmals rund 20 Steine verlegt werden.



Leser-Kommentare ( 0 )
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden