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2. August 2012



Die vermutlich längste Baustelle der Region

Von Hartmut Zimmermann

Hünhan
Es wird nicht die größte und komplizierteste, aber vermutlich die längste Baustelle der Region: Das Verlegen der Salzwasser-Pipeline vom Kaliwerk Neuhof an die Werra.

Nach langen Jahren des Planens und Diskutierens bekam Kali + Salz Ende Juni die Baugenehmigung für das 63-Kilometer-Projekt. Künftig soll das Niederschlagswasser vom Neuhofer „Monte Kali“ nicht mehr mit Tanklastzügen, sondern in der Rohrleitung zur Werra transportiert werden. Jetzt haben bei Hattorf und bei Hünhan die Bauarbeiten begonnen. In den nächsten Wochen wird vor allem an den Punkten, wo die Trasse Bahnlinien und Straßen quert, parallel vorgearbeitet.

In Zahlen
Leitungslänge: 63 km
Rohrdurchmesser: 30 cm
Rohrlänge: 18 m
Leitungsdruck: 40 bar
Baukosten: 50 Mio Euro
Bauzeit: 12 Monate
Von rund einem Jahr Bauzeit gehen der Neuhofer Werksleiter Dieter Friedrich und Diplomingenieur Holger Gotthardt aus, der das Projekt leitet. Rund 50 Millionen Euro wird K + S investieren. Derzeit zahlt das Werk pro Jahr etwa acht Millionen Euro, um die etwa 700 000 Kubikmeter jährlich anfallenden Salzwassers mit Lkws werrawärts zu schaffen.

Zwischen Hünhan und Burghaun ist auf einer Breite von fast 20 Metern auf einem mehrere hundert Meter langen Streifen die Grasnarbe abgeschält. Was aussieht, als würde eine Landebahn gebaut, ist die künftige Trasse der Pipeline. Um die Schäden im Boden so gering wie möglich zu halten, wird die Humusschicht auf einer Seite abgelegt. Auf der anderen Seite der Baufläche wird später der Aushub deponiert.

Die meiste Fläche brauchen Maschinen während der Bauphase, die eigentliche Leitung benötigt nicht viel Platz: 300 Millimeter Durchmesser haben die Röhren – das ist nicht viel mehr als eine große Pizza misst. Dafür sind sie ordentlich lang: 18 Meter – „mehr kann ein normaler Sattelzug nicht transportieren“, erläutert Gotthardt.



Neun Besitzer sagen Nein

Zu guter Letzt verschwinden die Röhren als ein 63 Kilometer langer Strang in einem Graben. Der wird so tief ausgehoben, dass die Rohre immer mindestens von einem Meter Erdreich überdeckt sind. Die allermeisten Arbeiten finden jedoch auf der Erde statt: Die gegen Rost mit Polyethylen beschichteten Rohre werden zusammengeschweißt und neben dem Graben abgelegt. Dann kommt eine Spezialmaschine zum Einsatz, die die verschweißten Rohrstücke genau so biegt, wie die Bodenwellen und Hänge im Gelände es vorgeben. Den Abschluss macht dann ein Kran-Ballett: Mit mehreren Hebegeräten werden riesige Rohrabschnitte von 500 bis 600 Meter Länge auf ein Sandbett abgelegt, das auf dem Grund des Grabens ausgebreitet wurde. Dann werden die Gräben wieder verfüllt, zum Schluss folgt die Mutterboden-Schicht.

Um die Leitung vor Rostfraß zu schützen, sei es wichtig, dass möglichst kein Sauerstoff mit dem Salzwasser in die Pipeline gelange, erläutert

Gotthardt. Wenn dies gelinge, sei der stählerne Rohrstrang nahezu unbegrenzt haltbar. Ein Messfühler-Netz überwacht Druck, Temperatur und Fließgeschwindigkeit im Rohr. Für den notwendigen Druck – mit 40 Bar strömt die Lauge durch die Leitung – sorgt eine Pumpstation in Neuhof.

Um die betroffenen Grundbesitzer – zu entschädigen, hat K + S einen Mustervertrag mit dem Bauernverband ausgehandelt. Die allermeisten der rund 600 entlang der Trasse betroffenen Eigentümer haben entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen. Mit drei Partnern verhandele man noch, berichtet, Werksleiter Friedrich.
Schwieriger sind die neun Fälle, in denen die Grundstückseigentümer Nein zur Durchleitung sagen. Hier werden vermutlich die Gerichte entscheiden. Friedrich gibt sich optimistisch, dass der Zeitplan dennoch steht.


Leser-Kommentare ( 5 )
  • Fulda1964 (45) | 5. August 2012;05.08.2012;1344193244 --> 05 August 2012
    Was ist Umweltverschutzung und Zerstörung?

    Aus umwelttechnischen Gesichtspunkten macht die Pipeline ja wohl wenig Sinn. Wenn die Einleitung nicht zu verhindern ist, kann man die Lauge auch in die Fulda kippen und in die Werra entsprechend weniger einleiten, in Hann. Münden fließt sowieso alles wieder zusammen.

  • wutbuerger (138) | 3. August 2012;03.08.2012;1343945797 --> 03 August 2012
    Gerichte?

    Was sollen die Gerichte denn da entscheiden? Oder ist K&S jetzt staatlich und es geht bei der Pipeline um das öffentliche Allgemeinwohl?

    Falls das Gericht den Bau der Pipeline gegen den Willen der Grundbesitzer durchsetzt, dann würde ich als Grundbesitzer mal spaßeshalber ein Wohnhaus auf dem Kaliberg einklagen...

  • Knax (83) | 2. August 2012;02.08.2012;1343933584 --> 02 August 2012
    Ich

    wüsste gerne, wie der Streckenverlauf der Pipeline ist.Gibt es einen Link?