Ehepaar musste für Erbschaftsteuer gesamte Ersparnisse opfern
Leimbach
Unverhofft eine Erbschaft erhalten – wer würde da Nein sagen? Das ältere Ehepaar aus dem Eiterfelder Ortsteil Leimbach würde beim nächsten Mal zumindest erst genau überlegen.
Denn sie durften für ein Haus mehr als 130.000 Euro Erbschaftsteuer entrichten. Jetzt besitzen sie zwar ein gepflegtes Mehrfamilienhaus in Essen, aber ihr sauer Erspartes ist futsch. „Das ist ärgerlich. Da spart man sein ganzes Leben, und dann haut man sein ganzes Geld für die Steuer drauf.“ Richard Herbst kann seinen Ärger kaum verbergen. „Wenn einer schafft, dann muss er nur bezahlen und ist der Dumme“, platzt es aus dem 71-Jährigen heraus, und er ergänzt böse: „Da ist es doch besser, man lässt das mit dem Schaffen und beantragt beim nächsten Mal gleich Hartz IV.“
Weshalb sich Richard Herbst ärgert, ist eigentlich ein Grund zur Freude: Ein Verwandter hat Herbsts Frau Rita ein Mehrfamilienhaus in Essen vermacht. Ganz überraschend. Ebenso überraschend wie der Tod von Manfred Richter mit 68 Jahren, der Zeit seines Lebens ledig und kinderlos geblieben war. Dessen Großvater war Anfang des 20. Jahrhunderts aus einem kleinen Rhöndorf nach Westfalen ausgezogen, um als Maurer Arbeit zu finden. Das klappte, und der Großvater kaufte sich in Essen einen Bauplatz, auf dem er nach und nach und mit eigener Hände Arbeit sein Haus errichtete. Im Krieg wurde es von Bomben getroffen, doch die Familie schaffte mit dem Handwagen Baumaterial heran und baute das zerstörte Obergeschoss und das Dach wieder auf. Auch Enkel Manfred steckte sein Geld und seine Arbeitskraft in sein „Häusgen“, wie er es nannte.
Keine Freude am „Häusgen“
Gerne war Manfred bei seiner „Tante Rita“ in Eiterfeld zu Gast. Dabei war Rita gar nicht seine Tante. Seine und ihre Mutter waren Cousinen, also Verwandte dritten Grades. Und dieser eher weitläufige Verwandtschaftsgrad wurde nach dem Tod Manfreds, der mittlerweile in Leimbacher Heimaterde begraben liegt, zum Verhängnis. Drei Monate später wurde das Testament eröffnet und Rita zur Erbin des dreigeschossigen Hauses in Essen erklärt. Es verfügt über sechs Apartments und zwei kleine Dachgeschosswohnungen. Alle bis auf eine sind vermietet und befinden sich in einem guten Zustand. „Manfred verzichtete lieber auf ein paar Mieteinnahmen, wenn er nur sicher sein konnte, dass die Mieter pfleglich mit dem Haus umgingen“, erinnert sich Richard Herbst an den Verwandten seiner Frau.
Der Freude über die Ehre, Haupterbin zu sein, folgte kurz darauf die brutale Ernüchterung: Finanzämter forderten von der 69-jährigen Rita Herbst Erbschaftssteuer von mehr als 130.000 Euro. Basis dafür war der geschätzt Wert von 500.000 Euro für die Immobilie und die Verwandtschaft dritten Grades. „Das war erst einmal ein Schock. Meine Frau hätte das am liebsten alles verdrängt, weil es sie zu sehr belastet“, erinnert sich ihr Mann. Zunächst stellten sie einen Antrag auf Stundung, stattdessen kam ein Bescheid über Verzugszinsen in fünfstelliger Höhe. Die Herbsts sind rechtschaffene Leute; also, was blieb ihnen anderes übrig? Sie mussten ihre Notgroschen zusammenkratzen und ans Finanzamt überweisen. Erst kürzlich wurde die letzte Forderung beglichen.
Verkauf kommt nicht in Frage
Ihr Erspartes sollte eigentlich für den Lebensabend reichen, und der Sohn sollte etwas bekommen, damit dieser sein Haus neu verputzen kann. Doch daraus wird nichts. „Das ist ungerecht, das ist Abzocke“, schimpft Richard Herbst. „Das Haus wurde doch quasi in Eigenleistung errichtet und unterhalten. Und alles, was in das Haus floss, war doch schon versteuert“, erregt er sich.
Richard und seine Frau hätten das Häuschen natürlich auch verkaufen können. Hätten sie den Schätzwert erhalten, wäre nach Abzug der Erbschaftssteuer ein stolzes Sümmchen übrig geblieben. Doch das wollten die Herbsts nicht: „Das Haus zu behalten ist für uns eine Verpflichtung. Manfred wollte, dass es im Familienbesitz bleibt, und daran halten wir uns auch“, sagt Richard Herbst bestimmt. An seinem Ärger über die „ungerechte Steuer“ kann das trotzdem nichts ändern.
Mehr zum Thema am Dienstag in der Printausgabe der Hünfelder Zeitung.
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deutzer (15) | 4. November 2012;04.11.2012;1352053149 --> 04 November 2012
Armer Erbe
Wenn ich der Erbe gewesen wäre, hätte ich die Erbschaftssteuer bezahlt und meinen Mund gehalten. Manchen Leute ist jeder Aufhänger recht, um in der Öffentlichkeit zu stehen. Das ist nur noch peinlich.
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Ricarda (22) | 1. November 2012;01.11.2012;1351807243 --> 01 November 2012
Was soll das?
Hier ist etwas Sensationelles aufgedeckt worden, das wohl niemand wusste: In Deutschland muss der Bürger Steuern bezahlen. .....Wer berufstätig ist, dem schwante es schon. Wer von einem weit entfernt stehenden Erblasser erbt, der hat eben nur einen sehr kleinen Freibetrag, der nicht der Steuer unterliegt. Auf den Rest muss er Steuern zahlen. Möglich wäre auch gewesen, die Erbschaft auszuschlagen oder das Haus zu verkaufen, dann hätte man das Problem mit dem Kredit nicht.
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Erntehelfer (456) | 28. October 2012;28.10.2012;1351439881 --> 28 Oktober 2012
Lustig
Wenn mir jemand ein Haus im Wert von 500.000 Euro voll vermietet und in gutem Zustand vererbt, dann gehe ich zur Hausbank und in 5 Minuten habe ich den Kredit von 130.000 Euro. Das Darlehn zahle ich mit den Mieteinnahmen ab und setze die Zinsen noch von meiner Einkommenssteuer ab. Manche Menschen haben schon wirklich Luxusprobleme.








