Firma Herbert KG wird weiter investieren
Von Alexander Gies
Hünfeld
Der Chef steht unter Dampf. Die Worte sprudeln nur so aus ihm heraus, seine Zeit ist knapp. Ein Projekt ist gerade mit einer schönen Feier im Kreis der Mitarbeiter abgeschlossen worden, die nächsten stehen an.
Matthias Walter (50), Chef der Firma Herbert KG, seine Frau Sabine und seine Angestellten arbeiten mit Hochdruck daran, weiter zukunftsfähig zu bleiben. In der Industriestraße, gegenüber vom Stammsitz, wurde am Samstag die neue, 1000 Quadratmeter große Halle für die Produktion sogenannter Aufbautrommeln eröffnet. Aus diesem Anlass gab es ein Mitarbeiterfest mit Hüpfburg für die Kinder und eine gemeinsame Radtour vorneweg.
Eine Million Euro hat Herbert hier investiert. Ein 17 Mann starkes Team widmet sich fortan der Herstellung dieser Maschinen, auf denen in Reifenwerken die unterschiedlichen Gummilagen zu Reifenrohlingen zusammengefügt werden, bevor sie in die Heizpresse kommen. 100 Jahre ist Herbert schon auf diesem Feld aktiv; allerdings lief es zuletzt eher nebenher. Nun soll der jährliche Umsatz von anfangs 200 000 auf vier bis fünf Millionen Euro wachsen. Heuer sind es bereits zwei Millionen. „Das war ein halbtotes Produkt. In der Krise haben wir wieder Ingenieurleistung reingesteckt, und der Markt hat super reagiert“, freut sich Matthias Walter. Dies sei auch ein Verdienst seiner Mitarbeiter, die mit Begeisterung ständig neue Ideen in die Produkte einfließen lassen würden.
Infokasten
Die Firma Herbert KG in Hünfeld wurde 1905 gegründet. Sie stellt Heizpressen, Reifenbaumaschinen und weitere Anlagen zur Herstellung von Reifen her. Die Pressen formen schmalste Rennradreifen, Pkw-Reifen von Michelin, Bridgestone oder Goodyear oder fünf Meter hohe Lkw-Pneus. Herbert hat sich spezialisiert auf Systemlösungen vom Reifenaufbau bis hin zur Vulkanisation. / ag
Nischen finden, Zusatznutzen für den Kunden anbieten: Das hat Tradition bei der Firma, die in einem starken internationalen Wettbewerb agiert – und trotzdem Erfolg hat. 275 Mitarbeiter in Hünfeld – 35 mehr als 2008, dazu 40 in den USA und 80 in Russland. 14 Auszubildende gehören dazu, und gestern hatten sieben neue ihren ersten Tag. Der Umsatz ist seit 2004 von 50 auf knapp 60 Millionen Euro gestiegen, doch das sei nicht ausschlaggebend. „Wichtiger ist für uns der Gewinn, und deshalb legen wir den Hauptfokus auf die Verbesserung der Produktivität“, sagt der Chef.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden 2013 acht Millionen Euro investiert: in eine neue Dreherei, aber auch in umfangreiche Logistikmaßnahmen. Dazu zählen die Schaffung von Außenlagerplätzen, die Verbesserung der Transportwege im Betrieb, aber auch in ein neues Betriebserfassungssystem, bei dem die Waren und Güter mit einer neuen EDV erfasst und verarbeitet werden.
Walter ist in einem Industriezweig tätig, in dem die Kunden auf strikte Geheimhaltung pochen. Denn welcher Reifenhersteller will schon, dass das Profil seines neuen Winterreifens frühzeitig dem Mitbewerber bekannt wird. Auch deshalb muss die Logistik angepasst werden, damit Lieferanten kein Einblick in die sensiblen Bereiche gewährt wird.
Schwacher Euro hilft auch
Die Verbesserung von Rüst- und Ablaufzeiten ist nur ein Baustein, um dem Wettbewerb die Stirn zu bieten: „Wir wollen unsere Preise halten und uns langsam gerade der asiatischen Konkurrenz annähern, die wiederum ihre Preise Jahr für Jahr ein wenig anhebt“, beschreibt Walter seine Strategie.
Herbert KG profitiert vom schwachen Euro
Von der derzeitigen Krise in Euro-Land ist die Herbert KG nicht so stark wie andere Industriezweige betroffen, weil nur 40 Prozent des Umsatzes in Europa erwirtschaftet werden, erläutert Walter. Trotzdem spüre er die Investitionszurückhaltung. Im Gegenzug profitiert er vom schwachen Euro: „Wenn der um 20 Prozent niedriger ausfällt, kostet die Maschine oder die Form für einen Kunden aus den USA nicht mehr eine Million, sondern nur noch 800 000 Euro“, erläutert Walter diesen Währungseffekt. Das helfe schon.
Matthias Walter weiß, dass er auch sein Auskommen hätte, wenn er es ein wenig ruhiger angehen ließe. Doch er ist ein Mittelständler mit Haut und Haar: „Es muss immer ein paar Bekloppte geben, die mehr wollen und sich nicht mit wenig zufrieden geben“, formuliert er salopp sein Credo. Der Erfolg hat ihm jetzt eine Nominierung beschert: Am 21. September wird er in Frankfurt als Finalist des Unternehmerwettbewerbs „Entrepreneurs des Jahres 2012“ ausgezeichnet.
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