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8. Juni 2012



Fulda-Gap: Fakten lassen noch heute den Atem stocken

sach

Geisa
Militärexperten, Historiker und Offiziere beschäftigten sich in der Point-Alpha-Akademie in Geisa wissenschaftlich mit der Geschichte des „Fulda Gap“ in der Zeit des Kalten Krieges.

Der Militärhistoriker Dr. Helmut Hammerich (Militärgeschichtliches Forschungsamt Potsdam) fasste erste Ergebnisse zusammen. „Wir diskutierten über Operationspläne des Warschauer Paktes und der Nato in dieser Region – Fakten, die manchmal den Atem stocken lassen“, sagte Volker Bausch, Direktor der Point-Alpha-Stiftung.

„In der Tat war hier ein Schlachtfeld geplant“, erklärte Helmut Hammerich. Die Fuldaer Lücke (Englisch: Gap) war mit 150 Kilometern Tiefe die kürzeste Verbindung vom „Eisernen Vorhang“ zum Rhein-Main-Zentrum Frankfurt. Die Nato rechnete hier im Ernstfall mit einem massiven Angriff des Warschauer Paktes. Und die Nato-Strategen wussten von der Überlegenheit des Warschauer Paktes in Mitteleuropa bei konventionellen Waffen. Deshalb war in sämtlichen Nato-Verteidigungsplänen im „Worst-Case-Fall“ der frühzeitige Einsatz von Atomwaffen vorgesehen. In Westeuropa lagerten in den 1980er-Jahren rund 6000 Kernwaffen.

Auch in der Region waren solche Sprengköpfe gelagert. Die Nato hätte ihre eigenen Gebiete nuklear verwüstet, um einen Vormarsch von Sowjettruppen zu bremsen. Darüber empörte sich die Bevölkerung in der Region, die Friedensbewegung organisierte Protestaktionen und „Grenzlandfahrten“ zu militärischen Objekten. Gudrun Pausewang veröffentliche 1983 ihren Roman „Die letzten Kinder von Schewenborn“. Die Geschichte über ein Atomkriegsszenario ist fiktiv, Schewenborn hat jedoch ein reales Vorbild: Pausewangs Heimatort Schlitz.

Hammerich stellte die Rolle der Friedensbewegung anerkennend heraus. Sie habe mit ihrem Wirken auch Einfluss auf die Bundesregierung genommen.

Den Begriff „Fulda Gap“ prägten die Amerikaner erstmals in den 1960er-Jahren. In den 1970er-Jahren entstand das Strategie-Brettspiel „Fulda Gap“. Damit konnte man daheim das Szenario eines Angriffs des Warschauer Paktes in der Rhön spielen – aber nur in den USA, in Deutschland wurde das Spiel nicht verkauft.

Geschichtslehrer Matthias Bott erinnerte an das Jahr 1983, als die Welt aufgrund eines Nato-Manövers, das die Sowjetunion irrtümlich zunächst als Ernstfall wertete, am Rand eines Atomkrieges stand: „Da war schon eine Gefahr.“ Dr. Dieter Krüger (Militärgeschichtliches Forschungsamt) räumte ein, dass die Nato durchaus einen „Krieg aus Versehen“ als Gefahr sah, „wenn auch keine Seite die wirkliche Absicht hatte, einen Atomkrieg zu beginnen“. 


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