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13. Oktober 2012



Gereizte Stimmung in Burghaun

Von Alexander Gies

Burghaun
In einer zum Teil giftigen Atmosphäre trafen sich die Burghauner Gemeindevertreter zu ihrer jüngsten Sitzung.

Dazu beigetragen hatten teilweise mehr oder weniger offen vorgetragene Vorwürfe der CDU, „die Verwaltung“ verschleppe Aufträge und werde oft erst dann aktiv, wenn die CDU nachhake. Obwohl damit offensichtlich der Gemeindevorstand gemeint war, wertete Bürgermeister Alexander Hohmann (SPD) dies als Vorwurf an seine Mitarbeiter, angeblich „zu wenig zu tun“. Gegen „diese Frechheit meinen Mitarbeitern gegenüber“ verwahre er sich.

„Ich werde sie nicht in den Dreck ziehen lassen“, sagte Hohmann mit eiskalter Stimme. Mit dieser Umdeutung der Vorwürfe war wiederum Wolfgang Atzler (CDU) keineswegs einverstanden: „Und ich verwahre mich gegen die Unterstellung, wir würden behaupten, die Mitarbeiter schaffen nichts“, schoss er zurück. Petra Hasenpflug (FDP) wähnte sich in diesem Augenblick in einem Komödienstadel und verbat es sich ihrerseits, dass in der Gemeindevertretung „schmutzige Wäsche“ gewaschen werde. Das sei dem Gremium nicht angemessen und habe sie so in 20 Jahren  noch nicht erlebt.

Ausgangspunkt der Nickligkeiten war ein Antrag der CDU, die Sportlerehrung doch noch in diesem Jahr durchzuführen. Im Februar habe der Gemeindevorstand die Fraktionen gefragt, wie die Ehrung reformiert werden könne. Die CDU habe Vorschläge eingereicht und im März die Auskunft erhalten, „in den nächsten Wochen“ würde ein reformierter Vorschlag vorgelegt. Doch bis heute – sechs Monate später – habe sich nichts getan. In der Sitzung kündigte Bürgermeister Hohmann nun an, dass der Gemeindevertretung „noch in diesem Jahr“ ein Entwurf vorgelegt werde. Diese überraschende Ankündigung wertete die CDU als Beleg für ihre These, Hohmann werde erst aktiv, wenn man nachhake.

Sportlerehrung fällt in diesem Jahr aus

Inhaltlich geht es darum, dass niemand mehr so richtig mit der bisherigen Form der Ehrungen zufrieden ist. Petra Hasenpflug sagte, wegen der schieren Größe der Veranstaltung reiche meist die Aufmerksamkeit nur für die Erstgenannten, dann herrsche Unruhe und es würden die Namen nur noch heruntergerattert.  Bürgermeister Hohmann ergänzte, die Veranstaltung finde bei den Vereinen wenig Resonanz, oft kämen weniger als die Hälfte der Eingeladenen. Ihm schwebt vor, die Sportlerehrung zu einer Würdigung jeglicher ehrenamtlicher Tätigkeit auszuweiten, also auch die DRK-Aktiven oder die Landfrau auszeichnen zu können. Es sei keineswegs so, dass man die Sportler nicht mehr ehren wolle.

Dem pflichtete  Karlheinz Schott für die SPD bei. Im Ergebnis konnte sich die CDU nicht durchsetzen, die Sportlerehrung noch 2012 durchzuführen. Stattdessen soll auf den Vorschlag des Gemeindevorstands gewartet werden.
Wenig Erfolg hatte die CDU auch mit ihrem Antrag, für 2013 und 2014 keinen Doppelhaushalt zu verabschieden. Bürgermeister Hohmann hatte dies vor allem damit begründet, dass im nächsten Jahr die vier Kegelspielkommunen eine gemeinsame Finanzverwaltung einführen wollten. Da könne man die Verwaltung nicht noch mit der Aufstellung eines Haushalts belasten. Das sehe man in Hünfeld genauso.

Wolfgang Atzler (CDU) sagte hingegen, Burghaun sei die Kommune mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung. Da müsse man zeitnah sehen, wie sich die Finanzen entwickelten. Steffen Landsiedel (CDU) drängte ebenfalls darauf, in beiden Jahren eine Finanzdebatte zu führen, denn nur so würden die unterschiedlichen Positionen der Fraktionen deutlich. Der Bürgermeister wertete die Diskussion als „ein rituelles Spiel“, denn je nach dem, wer sich in der Opposition befinde, werde ein Haushalt für zwei Jahre abgelehnt.

Dieter Krach (fraktionslos) plädierte ebenfalls gegen Doppelhaushalte. Die Zahlen über die Verschuldung seien so widersprüchlich, dass dringend Klärung notwendig sei. Eventuell solle man sich sogar externe Hilfe suchen, um den Etat analysieren zu lassen. Karlheinz Schott (SPD) wies darauf hin, dass man in diesem Jahr außerplanmäßig eine Million Euro Schulden tilge. Die SPD werde dafür sorgen, dass man die Verschuldung „auf ein erträgliches Maß“ zurückführe. Die Stimmung war ohnehin etwas aufgeraut, weil die Sitzung mangels „dringender Themen“, wie Vorsitzender Gerhard Kaiser geurteilt hatte, eigentlich ausfallen sollte. Die CDU hatte jedoch eine Sitzung durchgesetzt. Auch dieser Konflikt schwelte während der Zusammenkunft immer noch spürbar. In Frieden ging man an diesem Abend nicht auseinander.


Leser-Kommentare ( 2 )
  • deutzer (15) | 16. October 2012;16.10.2012;1350411554 --> 16 Oktober 2012
    Ein Hammer

    Es ist schon ein absoluter Hammer, wenn Außenstehende den Bediensteten einer Verwaltung vorwerfen, Sie würden nichts arbeiten. Wie tief muss mann noch sinken.

  • Joker (27) | 14. October 2012;14.10.2012;1350216702 --> 14 Oktober 2012
    Die SPD sorgt für eine Schuldentilgung?!?!?

    Warum macht sich die SPD jetzt erst Sorgen um die Schulden? Hätte man sich mal Gedanken gemacht, als man für Schulden sorgte! Und warum ist es ein rituelles Spiel wenn man in einer Sitzung eine Entscheidung herbeiführen möchte? Denkt der Bürgermeister er sei im Kindergarten? Aber es wäre eine Erklärung für viele seiner getroffenen Entscheidungen!