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3. März 2011



Grundschüler auf Rundgang durch jüdische Geschichte

Burghaun
Die Kinder der Klasse 4b der Ritter-von-Haune-Schule haben zusammen mit den Initiatoren der Burghauner Stolpersteine, Elisabeth Sternberg und Josef Staufer, einen Rundgang durch die jüdische Geschichte Burghauns unternommen.

»Schaut euch die Kirche an und schließt die Augen. Stellt euch vor, die Kirche ist weg. So war es mit den jüdischen Familien und Gebäuden - plötzlich waren sie nicht mehr da«, sagt Josef Staufer. Als die Kinder der Klasse 4b ihre Augen wieder öffnen, erkennt man bei manchen Betroffenheit - auch wenn die Kinder noch nicht richtig realisieren, was Judenverfolgung und Naziherrschaft bedeuten.

So geht es weiter auf dem Rundgang durch die Burghauner Geschichte: Immer wieder schließen die Kinder ihre Augen und stellen sich eine Zeit vor 70 Jahren vor. Vor dem Haus in der Ringstraße 15 fragt die ehemalige Lehrerin Elisabeth Sternberg: »Wisst ihr noch, was mit den beiden Kindern Marga und Manfred Strauß passiert ist?« Die meisten Schüler nicken. Das wissen sie aus dem Religionsunterricht, während dem sie bereits einen Einblick in die Zeit des Nationalsozialismus erhalten haben. »Wir gehen nicht ins Detail. Das können die Kinder noch nicht verkraften. Sie wissen aber, dass die jüdischen Familien von den Nazis verschleppt, gequält und ermordet wurden«, sagt Sternberg.

Der Rundgang führt die Kinder auch auf den jüdischen Friedhof. »Ich finde es hier gruselig«, flüstert die kleine Julia beklommen. Doch das legt sich schnell, denn die Kinder erhalten jede Menge interessante Informationen über den Friedhof. Vor dem Haus von Familie David Nussbaum in der Ringstraße 4 macht Elisabeth Sternberg erneut Halt. Sie holt aus ihrer Tasche quadratische Kärtchen und legt drei davon auf den Gehweg. »An dieser Stelle werden im September Stolpersteine verlegt. Das sind kleine Betonwürfel, auf denen die Namen und Daten der ermordeten Familien eingemeißelt sind, die hier gewohnt haben«, erklärt sie. Dass man nicht mit den Füßen darüber stolpert, wissen die Kinder schon: »Man stolpert mit den Augen, mit dem Kopf und mit dem Herzen«, ist von den Kleinen spontan zu hören. Auch Marga und Manfred bekommen Steine, die von der Ritter-von-Haune-Schule gestiftet werden. »Lebt der Junge auf dem Bild noch?«, will ein Schüler wissen, als Sternberg ein historisches Foto zeigt. »Ja, aber er will seit seiner Flucht keinen Kontakt mehr mit Deutschland haben«, antwortet die Burghauner Autorin.

Dass es viele Überlebende schmerzt, wenn sie an die schlimme Zeit hier in Deutschland erinnert werden, leuchtet den Kindern ein. Sie gehen aber dennoch unvoreingenommen mit dem Thema Naziherrschaft und Judenverfolgung um. Deshalb wundert die Frage einer Schülerin nicht, warum die jüdischen Familien verfolgt und verschleppt wurden. »Es gab damals Menschen, die Juden und andere Leute nicht leiden konnten und sie deshalb ermordet haben. Es ist wichtig, daran zu denken, dass jeder Mensch gleichwertig ist. Niemand darf andere Menschen wegen ihrer Religion oder anderer Gründe unterdrücken oder quälen«, erklärt Sternberg. Der Weg für die Schüler geht noch weiter, fast drei Stunden waren sie unterwegs. Und es gab keinen Moment, in dem die Kinder nicht aufmerksam zugehört hätten.


Von unserer Mitarbeiterin
Sabine Burkardt



Leser-Kommentare ( 2 )
  • Aufpasser (656) | 4. March 2011;04.03.2011;1299224116 --> 04 März 2011
    Gegen das Vergessen

    Dennoch finden Menschen, die genau das vertreten, was Standard im 3. Reich war, immer wieder die Möglichkeit, irgendwo aufzumarschieren. Ihren Gegnern drohen sie mit Rufen wie, "Wir kommen bei Dir zu Hause vorbei", "wir schlagen euch die Schädeldecke ein". Dennoch ist der Widerstand in der Bevölkerung eher gering.

  • Frohnapfel (251) | 3. March 2011;03.03.2011;1299140196 --> 03 März 2011
    Gegen das Vergessen

    Ich werde dieses Jahr 60 Jahre alt und war noch etwas näher dran. Man hört und sieht im Umfeld immer wieder ein verdrängen des Holocaust. Zitat von Willy Brand: "Wer die Geschichte vergisst, muss Sie neu lernen."