Hünfeld setzt Zeichen gegen Rechts
Von Alexander Gies
Hünfeld
Um dem „braunen Mob entgegenzutreten“ und ein Zeichen für ein weltoffenes, tolerantes Hünfeld zu setzen, hat sich am Mittwoch in Hünfeld ein Aktionsbündnis gegen die für den 10. November geplante Demonstration der rechtsextremen Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD, gegründet.
Bislang unterstützen rund 20 Parteien, Gruppierungen und Vereine diese Initiative. Sie trägt vorläufig die Bezeichnung „Aktionsbündnis gegen Rechts – Für ein weltoffenes Hünfeld“, bis ein endgültiger Name gefunden ist. Bei dem kurzfristig anberaumten Treffen in der Gaststätte Aha sagte Stadtverordnetenvorsteher Stefan Schwenk (CDU), das Bündnis stehe allen Gruppierungen offen, die ein Zeichen gegen Rechts setzen und Hünfeld nicht den Rechtsextremen überlassen wollten. Dieses Treffen stelle den Startschuss für eine breite gesellschaftliche Mobilisierung dar. Interessierte können sich unter der E-Mail-Adresse am Ende des Artikels melden.
Zum Sprecher des Aktionsbündnisses wurde der Großenbacher CDU-Stadtverordnete Martin Stehle bestimmt. Mit ihm zusammen organisiert Tobias Huth vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) die Gegendemonstrationen. Stehle sagte, es sei wichtig, „dass in Hünfeld ein Gegenzeichen gesetzt wird, um die freiheitlich demokratische Grundordnung zu verteidigen“. Sein Ziel ist es, möglichst viele Hünfelder dafür zu mobilisieren. Stadtverordnetenvorsteher Schwenk erklärte, er hoffe „auf 1000 plus x Gegendemonstranten. Alles andere würde mich enttäuschen“.
Die Jungen Nationaldemokraten (JN) haben bereits im Mai für Sonntag, 10. November, von 18 bis 22 Uhr eine Demonstration inHünfeld angemeldet, um angeblich für die Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu demonstrieren. Als Begründung für die Wahl von Hünfeld als Demonstrationsort wird genannt: Als Bewohner einer ehemaligen Grenzstadt hätten sie in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft gesehen, was es bedeute, wenn ein Volk in Unfreiheit lebe.
Das Datum 10. November ist nicht ohne Brisanz: An jenem Wochenende wird in ganz Deutschland der Reichspogromnacht gedacht, die am 9. November 1938 begann. Damals brannten in Deutschland zahllose Synagogen, viele Juden wurde ermordet oder in Konzentrationslager gebracht. Auch in Hünfeld ging die Synagoge in Flammen auf. Das Datum markiert den Beginn der systematischen Verfolgung der Juden in der Nazizeit, die in den Holocaust mündete.
Das Datum ist auch aus einem zweiten Grund nicht unproblematisch: Hünfeld feiert an diesem Wochenende seinen Martinsmarkt, bei dem tausende Besucher von nah und fern die Innenstadt bevölkern und auf das nahende Weihnachtsfest einstimmen. Deshalb sieht auch der Verein Citymarketing in der Verantwortung und ist dem Bündnis beigetreten.
Wegen des Martinsmarktes gilt es als unwahrscheinlich, dass die Demonstrationen in den Straßen direkt um das Rathaus stattfinden, wo an diesem Tag viele Stände aufgebaut sind. Nachdem die Stadtverordneten bereits im Juni mit einer Resolution „ein machtvolles Zeichen für Toleranz“ (Schwenk) gesetzt hatten, hatte die CDUeine Demonstration angemeldet. Dabei soll es acht Infostände in der Stadt verteilt geben.
Wie viele rechte Demonstranten nach Hünfeld kommen, ist nicht klar. Polizei und Ordnungsbehörde äußern sich dazu nicht. Bislang hat es in Osthessen noch keine Demo der JN gegeben. Die letzte der NPD fand 2008 in Fulda statt. „Insgesamt verlief die Veranstaltung damals störungsfrei“, so die Polizei.
Erfahrungen bei vergleichbaren Ereignissen zeigten, dass man wohl mit um die 100 JN-Demonstranten sowie etwa 1000 Polizisten rechnen könne, hieß es während der Versammlung. Diese Schätzung gilt allerdings als sehr vage. Mit Demonstranten aus dem autonomen linken Spektrum sei wohl eher nicht zu rechnen, sagte Tobias Huth vom DGB.
Die Gewerkschaft hatte bereits in der vergangenen Woche ein Bündnis aus mehreren Gruppen mit dem Namen „Hünfeld Nazifrei“ gegründet (www.huenfeldnazifrei.wordpress.com). Sowohl Huth als auch
DGB-Organisationssekretär Klaus Schüller erklärten, dass man mit dem Bündnis in Hünfeld zusammenarbeiten werde. Bei Facebook gibt es eine Gruppe „Hünfeld Nazi-Frei“ eines unbekannten Urhebers, die bislang 273 „Likes“ gesammelt hat.
Am Montagabend findet im Rathaus ein sogenannter Kooperationstermin zwischen der Ordnungsbehörde der Stadt, der Polizei und dem Aktionsbündnis statt. „In diesem Gespräch werden Fragen an den Antragsteller gerichtet, um die Rahmenbedingungen für die Demonstration zu klären“, erläutert Magistratssprecher Helmut Käsmann. Der Termin mit den JN hat bereits stattgefunden, dabei seien „Fragen zur beantragten Streckenführung, zur Teilnehmerzahl und zum Verlauf erörtert worden“, teilt Käsmann mit.
Leser-Kommentare ( 1 )
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Frohnapfel (368) | 14. September 2012;14.09.2012;1347613352 --> 14 September 2012
NPD kann zu Hause bleiben
Ich hoffe auf große Unterstützung in Hünfeld gegen rechts. Die NPD Jugend soll ruhig im Vorfeld merken, dass sie hier nicht erwünscht sind. Wenn wir geschlossen auftreten kommen die erst gar nicht.








