Erste Bestattungen schon im Herbst?
RASDORF Der vom Rasdorfer Unternehmerehepaar Christa und Josef Wiegand geplante und im Dezember von der Mehrheit der Gemeindevertretung abgesegnete Plan zur Schaffung eines so genanten Friedhofswalds am Gehilfersberg nimmt Gestalt an.
Seit kurzem ist eine Internetseite (www.friedhofswald-gehilfersberg.de) im Netz, auf der für diese alternative Form der Urnenbestattung geworben wird. Josef Wiegand, dessen Familie der Wald gehört, erläuterte gegenüber unserer Zeitung: „Wenn wir innerhalb eines Monats deutlich mehr als eine Handvoll Interessenten beisammen haben, dann beginnen wir mit den Vorbereitungen, und bis zum Herbst könnten die ersten Bestattungen am Gehilfersberg erfolgen.“
Vorher müsste die „Friedhofswald Gehilfersberg Stiftung“ noch offiziell aus der Taufe gehoben werden. Bislang trägt sie noch den Zusatz „i.G.“ (in Gründung). Danach seien Investitionen nötig, die Wiegand auf rund 50 000 Euro beziffert: für Planung, Baumkataster, Wegebau und die vorgeschriebenen Einfriedungen. „Da werden allerdings keine unpassierbaren Zäune aufgestellt, sondern lediglich Markierungen, die jedes Kind überklettern kann“, stellt Wiegand klar. Der Zugang zur Wallfahrtskapelle, die den Gipfel des markanten Basaltkegels krönt, sei ohnehin jederzeit gewährleistet.
Die landschaftlich reizvolle Lage des Gehilfersbergs sieht Wiegand auch als „Alleinstellungsmerkmal“ seines Friedhofswaldes (der ansonsten geläufige Begriff Friedwald ist rechtlich geschützt und darf von Wiegand nicht verwendet werden). „Das in sich geschlossene Wäldchen auf der Bergkuppe ist schon etwas Besonderes für einen Friedhofswald. In anderen Friedwäldern wird nur einfach Stück in einem großen Waldgebiet abgetrennt“, hat er beobachtet. Und natürlich unterscheide die altehrwürdige Kapelle zu den 14 Nothelfern den Gehilfersberg von „normalen“ Friedhofswäldern: „Nach Rücksprachen mit dem Rasdorfer Pfarrer steht die Kapelle für christliche Totenfeiern zur Verfügung. So gesehen ist der Gehilfersberg auf Grund seiner Lage und seines Ambientes einmalig unter den Wäldern für alternative Bestattungen“, heißt es werbend auf der Internetseite. Teile der katholischen und der evangelischen Kirche stehen den Beisetzungen in Friedwäldern allerdings reserviert gegenüber.
50 000 Euro an Investitionen
Rasdorfs Pfarrer Rudolf Zeller legte auf Nachfrage Wert auf die Feststellung, dass es sich bei den Totenfeiern um christliche Zeremonien handeln muss, atheistische oder naturreligiöse Feiern werde er dort nicht gestatten.
Seine mögliche Klientel für den alternativen Bestattungswald sieht Wiegand in Thüringen, wo es bislang aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keine Friedwälder gebe. In Hessen indes liegt die Zuständigkeit für das Bestattungswesen seit Herbst 2007 bei den Gemeinden. Die Rasdorfer Gemeindevertreter hatten mit ihrem Beschluss im Dezember die Trägerschaft der Gemeinde über das Friedhofswaldprojekt übernommen.
Eine Ruhestätte im Friedhofswald soll ab 730 Euro kosten. An dem so genannten Bestattungsbaum, an dessen Wurzel die Urne versenkt wird, können Symbole oder Namensschilder in einer Größe von 12 mal 10 Zentimeter angebracht werden. Wiegand will den Angehörigen bei der individuellen Gestaltung dieser Tafeln mehr Freiheiten lassen als andere Friedhofswaldbetreiber. Eine weitere Möglichkeit seien „Familienbäume“, erläutert Wiegand: Ab 3500 Euro (plus 200 Euro pro einzelner Bestattung) können Gruppen-Ruhestätten erworben werden. „Alle Bäume erhalten gemäß dem Katasterplan eine Registriernummer, um so Verwechslungen auszuschließen und den Baum für 99 Jahre vor einer Abholzung zu bewahren“, verspricht die Internet-Werbung für den Friedhofswald weiter.
www. friedhofswald-gehilfersberg.de
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