Kutscher halten nichts von Fahrverbot
Von Victoria Weber
Grüsselbach
Der Schrecken sitzt auch einen Tag nach dem Unfall noch tief: Zum Teil schwer verletzt wurden drei Menschen bei einem Kutschenunfall zwischen Rasdorf und Grüsselbach. Die Ursachenforschung läuft. Die Tierrechtsorganisation PETA fordert indes ein Pferdekutschenverbot im Landkreis Fulda.
Auf dem Heimweg vom Kutschentreffen beim Backhausfest in Rasdorf passierte es: Auf einem abschüssigen Wirtschaftsweg gerieten die Pferde außer Kontrolle. Der 54-jährige Kutschführer aus Buttlar versuchte erfolglos, Tiere und Kutsche zum Stillstand zu bringen. Die 52-jährige Mitfahrerin wurde von der Kutsche geschleudert und dabei schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Nach Angaben der Polizei muss sie noch einige Tage im Krankenhaus bleiben. Der Kutscher erlitt beim Sturz Kopfverletzungen, konnte mittlerweile aber aus dem Klinikum entlassen werden. Die 20-jährige Mitfahrerin wurde leicht verletzt. Die Tiere wurden unbeschadet eingefangen.
Ein Gutachter sucht indes nach Ursachen für den Unfall. Derzeit liegen noch keine neuen Erkenntnisse vor, teilt die Polizei mit. Auch Joachim Kutzner aus Rasdorf, der kurz nach dem Unfall vor Ort war, kann nur mutmaßen, was passiert ist. „Es müssen mehrere Faktoren zusammengekommen sein, dass die Tiere so durchgehen“, erklärt Kutzner, der selbst Kutsche fährt. Ein solcher Unfall sei nie auszuschließen. „Pferde sind Fluchttiere. Sie können erschrecken und in Panik geraten. In der Regel bekommt man sie aber wieder unter Kontrolle“, erklärt der Bäckermeister. Von einem Fahrfehler bei seinem Bekannten geht er nicht aus, der 54-Jährige habe jahrzehntelange Erfahrung. Barbara Kiel aus Hünfeld, Vorsitzende des Kreisreiterbundes Fulda, war nicht an der Unfallstelle, kann sich aber vorstellen, dass sich die Tiere erschreckt haben. Derzeit seien zum Beispiel Pferdebremsen sehr aktiv. Sie verdeutlicht: „Wenn Pferde Panik haben, rennen sie einfach los. Das liegt in ihrer Natur.“
Nach dem Unfall hat sich die Tierrechtsorganisation PETA schriftlich an Landrat Bernd Woide (CDU) gewandt. Ihr Anliegen: Im Landkreis soll es ein Verbot von Pferdekutschen geben – zum Schutz von Mensch und Tier. In diesem Jahr habe es deutschlandweit bereits 21 Unfälle mit Pferdekutschen gegeben, bei denen Menschen verletzt oder sogar getötet wurden. „Die Risiken bei Kutschfahrten sind unkontrollierbar, deshalb setzen wir uns für ein Verbot von Pferdekutschen als Beförderungsmittel ein“, erklärt Peter Höffken, Kampagnenleiter bei PETA. Pferden, die Kutschen ziehen, werde jede natürliche Lebensweise abgesprochen. Sie seien einer permanenten Gefahr ausgesetzt.
„Das ist absoluter Schwachsinn“, sagt Kutzner. Pferde seien in vergangenen Zeiten als Arbeitstiere gezüchtet worden. Man könne die Vierbeiner nicht einfach auf einer Wiese stehen lassen und sie ab und zu streicheln. „Das wäre Tierquälerei“, erklärt der Kutscher. Auch Barbara Kiel hält nichts von einem Verbot. „Damit ist keinem gedient“, betont sie. Pferde seien immer unberechenbar. „Es sind nunmal Tiere und keine Tennisschläger.“ Deshalb sei im Umgang mit ihnen immer Vorsicht geboten. Dennoch seien Pferde Nutz- und Sporttiere. „Das Verbot ist an den Haaren herbeigezogen“, verdeutlicht Kiel.
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