LNG bleibt hart: Ohne Karte wird keiner mitgenommen
Von Victoria Weber und Alexander Gies
Hünfeld
Trotz Protesten von Eltern bleibt die Lokale Nahverkehrsgesellschaft (LNG) hart: Haben Schüler morgens beim Einsteigen in den Schulbus ihre Fahrkarte vergessen, werden sie nicht mitgenommen – oder sie müssen extra bezahlen.
Die LNG sei zwar im Recht. „Aber das ist kein moralisches Recht“, sagt Edgar Vieth vom Schulelternbeirat der Wigbertschule Hünfeld. „Man kann doch keine Fünftklässler an der Bushaltestellen stehen lassen. Was ist, wenn etwas passiert?“ Von drei, vier Fällen weiß Vieth; die LNG selbst führt keine Statistik, wie oft das vorkommt. Vieth sagt, das Problem bestehe an der Wigbert- und der Jahnschule. In den vergangenen Jahren habe es das nicht gegeben. Vieth fordert eine Lösung. „Die LNG muss einsehen, dass Schüler, die ihre Fahrkarte vergessen haben, nicht stehen gelassen werden dürfen.“ Gerade bei jüngeren Schülern sei das wichtig. Er schlägt vor, lieber gelbe Karten zur Verwarnung zu verteilen.
Das tut die LNG bereits – aber nur an Grundschüler, sagt Geschäftsführer Ulrich Stüttgen. Diese dürften auch trotzdem mitfahren. Bei Schülern an weiterführenden Schulen ist man nicht so gnädig. Entweder sie zahlen oder sie müssen den Bus verlassen. Stüttgen erhofft sich mit der konsequenten Vorgehensweise einen Bewusstseinswandel bei den Schülern. Die Frage, ob er das harte Vorgehen angemessen findet, lässt Stüttgen nicht gelten: „Wenn der Schüler bezahlt hat, wird er mitgenommen.“ Man setze damit nur die Vorgaben des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) um – und sei dabei noch entgegenkommend: „In den Ballungsgebieten sind in solchen Fällen 40 Euro fällig.“
Akut wird das Problem immer am Anfang eines Monats. Die Schüler haben zwar die Clever Card, die ein Jahr umfasst, müssen aber regelmäßig die Wertmarke austauschen, die jeweils nur einen Monat gilt. Berthold Quell, Schulleiter der Jahnschule, ist die Problematik bewusst: „Es gibt seit kurzem eine klare Anordnung vom Landkreis Fulda.“ Die Info sei an die Klassen weitergegeben worden. Darin stehe, dass der RMV die LNG angewiesen habe, die Fahrbestimmungen einzuhalten. Deshalb werde es intensive Fahrscheinkontrollen geben. Ohne gültigen Fahrausweis bestehe kein Beförderungsanspruch, heißt es in dem Schreiben an die Schulen. „Das ist nun so“, sagt Quell. Es wäre natürlich schön, wenn alle Schüler befördert werden. „Aber darauf haben wir als Schule keinen Einfluss.“
Alfred Helgert, Schulleiter der Wigbertschule, bestätigt das Problem: „Es kommt immer wieder vor, dass Schüler stehen bleiben.“ Wenn Fahrkarten vergessen würden, würde mittlerweile hart durchgegriffen. Ob das Sinn macht, sei fraglich. „Ich verstehe nicht, warum die Busfahrer so rigoros sind.“ Vor allem, dass Schüler der Sekundarstufe eins und zwei stehen gelassen werden, sei nicht verständlich.
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