Neuer Früchteteppich: Seit Juni wird jeden Abend gearbeitet
Von Sabine Kohl
Sargenzell
Sechs Menschen sitzen und liegen auf einer rund 20 Quadratmeter großen Holzspanplatte, auf der die Konturen eines Gemäldes zu erkennen sind. In der Alten Kirche in Sargenzell entsteht der neue Früchteteppich.
Schon seit Mitte Juni sind die fleißigen Helfer dabei, das Mammutwerk aus dem Nichts zu erschaffen. Jeden Abend treffen sich fünf bis zehn Personen und verbringen hier zwei bis drei Stunden, um dem Sargenzeller Früchteteppich unter Anleitung von Ria Noll Gestalt zu verleihen.
Ria Noll – sie ist das Herz des künstlerischen Projekts Früchteteppich. Seit 25 Jahren sucht die Sargenzellerin jedes Jahr ein Bild aus, aus dem das Kunstwerk entsteht – immer ein religiöses Motiv. Dass sie in diesem Jahr ihr silbernes Jubiläum feiert, interessiert sie nicht besonders. „Jeder Früchteteppich ist doch etwas Besonderes und sollte wie ein Jubiläum behandelt werden. In diesem hier steckt nicht mehr und nicht weniger Arbeit als in allen anderen vorher auch“, betont Ria Noll.
Jedes Jahr im Januar beginnt sie mit den Planungen für ihr Werk – wählt ein Motiv aus, organisiert eine Vorlage und passende Spanplatten, berechnet das Verhältnis in dem das Gemälde übertragen wird. In diesem Jahr hat sie sich für eine Szene aus dem Lukas-Evangelium entschieden: „Das Gastmahl im Hause des Simon“ von Charles Le Brun, einem französischen Künstler aus dem 17. Jahrhundert.
Helfer seit Jahren dabei
Am 9. Juni hat sie begonnen, mit Bleistift die Umrisse des Bildes vorzuzeichnen. Seit dem 15. Juni sind auch ihre Helfer dabei, die Konturen mit Rapssamen nachzukleben. Das Team, das in diesem Jahr am Früchteteppich arbeitet, ist schon eingespielt. Seit Jahren sind sie teilweise dabei. Hanni Lorei hilft seit drei Jahren. Zufällig traf sie damals Ria Noll, die sie zum Mitmachen animierte. „Und dann bin ich hängen geblieben“, erläutert die Michelsrombacherin. Ähnlich ging es der 13-jährigen Lena Weigelt, die seit dem vergangenen Jahr mitarbeitet. „Eine Freundin hat mich hierhin mitgenommen und ich bin gerne wiedergekommen“, erzählt sie.
Der Früchteteppich
Zum 25. Mal gibt es in diesem Jahr in der Alten Kirche in Sargenzell einen Früchteteppich. Das erste dieser Kunstwerke wurde geschaffen, um die Kirche vor dem Abriss zu bewahren und zu restaurieren. Nach einigen Jahren war dieses Ziel erreicht. Seitdem fließen die Erlöse aus der Ausstellung in verschiedene gemeinnützige Projekte. Jedes Jahr besuchen mehrere 10 000 Besucher die Kirche – 2011 waren es rund 80 000 –, um den Früchteteppich zu bestaunen. In diesem Jahr wird die Ausstellung am Freitag, 14. September, um 18.30 Uhr feierlich eröffnet. Von Samstag, 15. September, bis Sonntag, 4. November, ist die Kirche dann täglich von 9 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet, die sich den Früchteteppich ansehen möchten.
Noch bis Mitte September – dann eröffnet die Ausstellung – werden die Helfer jeden Abend beschäftigt sein. Wenn alle Konturen geklebt sind, geht es daran, die Flächen auszustreuen. Das Material dafür ist bereits da. Überall an den Wänden und im Altarraum der Kirche stehen Gläser und Plastikdosen mit Samen in den verschiedensten Farben. Diese haben Freunde des Früchteteppichs gespendet. „Außerdem verwenden wir die Samen jedes Jahr aufs Neue“, berichtet Ria Noll. Ist eine Ausstellung beendet, werden die Samen vorsichtig abgetragen. Anschließend werden sie ausgesiebt, wieder in Dosen gefüllt und für das nächste Jahr aufgehoben.
Ihr so mühsam geschaffenes Kunstwerk in jedem November wieder zu zerstören, fällt Ria Noll und ihren Helfern übrigens nicht schwer. „Irgendwann muss alles mal ein Ende haben“, erklärt die Sargenzellerin. Der Teppich sei nach sechs Wochen auch so verstaubt, dass man nur noch aufräumen wolle. „Außerdem lebt er ja im nächsten Jahr in neuer Form weiter“, schließt Ria Noll.
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