Rauchfreie Klasse: Nein zu Marlboro, Camel & Co.
Von Suria Reiche
Hünfeld
„Rauchen tötet“ steht in fetten Buchstaben an der Eingangstür der Hünfelder Wigbertschule. Der Banner ist Teil des hessenweiten Projekts „rauchfreie Klasse“ an dem die Wigbertschule nun schon zum elften Mal in Folge teilnimmt.
Insgesamt sind es 410 Klassen aus 120 hessischen Schulen, die über fünf Monate hinweg die Finger vom Glimmstängel lassen wollen. Davon kommen 27 Klassen aus der Wigbertschule. „Und das ist beachtlich, wenn man weiß, dass wir nur 28 Klassen haben, die alt genug sind, um an dem Projekt teilnehmen zu können“, betont Beratungslehrerin Edeltraut Filipp.
Alt genug zu sein, bedeutet in die siebte Klasse zu gehen. Denn ab dieser Stufe setzt das Projekt, das 2002 von Hubert Hecker ins Leben gerufen wurde, an. „Statistisch gesehen, ist es nämlich diese Stufe, in der Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal zur Zigarette greifen“, erklärt der 64-Jährige, der nach eigenen Angaben selbst 20 Jahre lang nikotinsüchtig war. „Man kann nur aufhören, wenn man es wirklich will“, weiß er seitdem.
Ein Anreiz dafür, es dieses Mal zu schaffen, könnte bei diesem Projekt die Prämie in Form eines kleinen Geldbetrags sein, der auf die Gewinnerklassen wartet. Von den Gefahren des Rauchens wollen Jugendliche, die schon am Glimmstängel hängen nämlich meistens nichts wissen, weiß Hecker. Diese liegen oftmals in den gesundheitlichen Folgeschäden: Schädigung der Arterien und der Venen, Durchblutungsstörungen, Magengeschwüre, Gehörlosigkeit bis hin zu Herzversagen und Lungenkrebs.
Nichtraueraktion hat Erfolg
Hecker ist Lehrer an einer Schule in Hadamar und musste bis zum Verbot in 2005 oft Aufsicht auf dem Raucherhof halten. „Aber das war ein Widerspruch für mich, ich konnte nicht den jüngeren Schülern erklären, dass Rauchen schädlich ist und gleichzeitig den Älteren dabei zusehen.“ Dieser Gewissenkonflikt war einer der Gründe für den 64-Jährigen, das Projekt, das mittlerweile vom Kultusministerium unterstützt wird, ins Leben zu rufen.
Von Anfang an zeigte sich die Wigbertschule begeistert von dem Projekt, und während es beim ersten Mal in 2002 nur zwei Klassen waren, die den Sprung von rauchend zu rauchfrei schafften, waren es im letzten Jahr ganze 16 Klassen. Mit seiner regelmäßigen und regen Teilnahme hat sich das Hünfelder Gymnasium mittlerweile sogar auf Platz eins der hessischen Schulen geschossen und sich somit die Auftaktveranstaltung des hessenweiten Projekts in der eigenen Aula gesichert.
„Seit 2002 ist die Zahl der rauchenden Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren auf fast die Hälfte geschrumpft, nämlich von 30 Prozent auf knapp siebzehn“, betont Hecker. Einen maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg schreibt sich der Nichtraucherwettbewerb selbst zu. Die Jugendlichen seien mittlerweile der Meinung: „Rauchen ist out“. Eine andere Entwicklung zeigt jedoch, dass das Einstiegsalter in den Zigarettenkonsum in den vergangen Jahren gesunken und die Anzahl rauchender Mädchen hingegen um ein Prozent gestiegen sei.
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