Schäferbefreit die Silgeser Schafe von ihrem wolligen Mantel
Von Sabine Burkardt
Silges
Auch Schafe müssen zum Friseur. Deshalb haben neun Silgeser Rhönschafe unter den Augen ihrer jungen „Pflegeeltern“ und zahlreichen Besuchern einen flotten Sommerschnitt verpasst bekommen.
Die Schur ist Teil des Umweltbildungsprojektes „Jedem Kind sein Rhönschaf“, das im Frühjahr startete. Beobachtet von vielen kleinen und großen Zweibeinern und dann noch auf dem Weg zu dem Mann mit dem summenden Gerät – Shaun, dem Schaf von Moritz und Bastian, ist sichtlich unwohl zumute, als es ihm an sein dickes Wollkleid gehen soll. Doch alles Protestieren nützt nichts, denn Schäfer Klaus Keidel setzt sich das Schaf mit geübtem Griff vor die Knie und zückt den Schurapparat.
Gleichermaßen fasziniert wie skeptisch beobachten die Kinder, wie der Schäfer die Wolle vom Tier trennt. Dabei beantwortet er immer wieder Fragen: Tut das dem Schaf nicht weh? Wächst die Wolle nach? Ja, das tut sie. Und nein, das Tier hat dabei keine Schmerzen. Der Vergleich mit der Rasur bei den Papas fällt in der Runde. Das Kosmetikprogramm ist mit der Schur aber noch nicht beendet. Denn beim Komplettpaket werden auch die Klauen geschnitten und ein Entwurmungsmittel verabreicht. Die meisten der Kinder finden das aufregend und toll, obwohl Marie etwas relativiert: „Die Haut unter der Wolle sieht schon irgendwie seltsam aus.“
Eine ganze Menge Wolle kommt bei der Schur zusammen, die von den Junior-Schäfern eifrig in Säcke gefüllt wird. Dabei bleibt von der weichen Pracht mehr an den Kindern hängen, als im Sack landet. „Guck mal, das klebt richtig“, lacht Paula (5) und klaubt sich einen Wollstrang aus den Haaren.
Anna-Lenas Schaf Speedy macht inzwischen seinem Namen alle Ehre: Es will sich nicht einfangen lassen. „Obwohl Speedy doch so zahm geworden ist“, berichtet die Achtjährige über ihr Patenschaf. Zustimmend nickt Sophia (10): „Wenn wir auf die Weide gehen, kommt er gleich angelaufen und will gestreichelt werden“, freut sie sich. „Es macht richtig Spaß, sich um die Schafe zu kümmern“, erzählt auch Noah (10), der viel Zeit mit seinem Schaf Wolle verbringt.
Die Begeisterung für ihre Schützlinge ist ungebrochen, sehr zur Freude von Rhön-Ranger Arnold Will. „Unser Projekt ist schon jetzt ein toller Erfolg“, sagt der Initiator aus Silges. Rund 40 Jungen und Mädchen kümmern sich bis November um die Tiere, bevor sie wieder zu Klaus Keidel kommen.
Die Kinder seien sich ihrer Verantwortung bewusst und packten tatkräftig mit an. Bisher sei jeden Tag und bei jedem Wetter jemand bei den Schafen gewesen, um zu füttern, den Wagen auszumisten oder einfach zu streicheln. Auch die Eltern zeigen Engagement für die Natur – das findet Will besonders schön. „Ein positiver Nebeneffekt ist die Integration der Silgeser Neubürger. Es hat sich ein tolles Miteinander entwickelt“, berichtet er stolz. Auch Schirmherr und Bundestagsabgeordneter Michael Brand sowie Erster Kreisbeigeordnete Dr. Heiko Wingenfeld (beide CDU) äußern Lob für die Silgeser.
Wenn im November die Tiere wieder an den Schäfer verkauft werden, bedeutet das nicht das Ende des Projektes. Im Gegenteil: „Wir werden mit den Kindern das Thema Wolle angehen und uns um die Streuobstwiese kümmern. Dann gibt es frisch gepressten Apfelsaft.“ Und im nächsten Jahr soll es wieder eine neue Schafherde mit neugeborenen Lämmern geben. Darauf freuen sich die Silgeser Kinder schon jetzt.
Leser-Kommentare ( 0 )
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden








