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10. Januar 2011



Schüler diskutieren über neue Mensa-Zeiten

HÜNFELD
Die Nachricht, dass die Mensa ab sofort vormittags geschlossen ist, war am Montag im Hünfelder Schulviertel Thema Nummer eins. Viele Jugendliche zeigten sich überrascht von den Vorfällen, von denen die Betriebsleitung berichtete.

Andere hielten die neuen Öffnungszeiten für konsequent. Nun gibt es Vorschläge, kleinere bauliche Änderungen vorzunehmen, um Langfingern weniger Spielraum zu geben.

Es ist kurz vor eins. Die Mägen der Schüler knurren. Langsam füllt sich die Mensa im Hünfelder Schulviertel. Es duftet nach Essen. Heute stehen Seelachsfilet, Salat mit Mozzarellasticks und Pizza auf dem Speiseplan. Schnell bilden sich Schlangen an der Essensausgabe. Es wird gelacht und gescherzt. Dass es Drängeleien oder Reibereien gibt, ist nicht zu beobachten. An den Tischen sitzen Schüler, es wird über die Ferien und den Schulstart geschnattert, aber auch dass die Mensa nun vormittags geschlossen ist, sorgt für Gesprächsstoff. „Ich finde die Schließung richtig“, erklärt Sören Reinhardt (17) aus Grüsselbach. Zwar habe er nichts von dem vorgeworfenen Vandalismus mitbekommen, „aber was da abgehen soll, das geht natürlich nicht“, sagt der Konrad-Zuse-Schüler. Mit ihm am Tisch sitzt Dirk Roth (17) aus Großenbach. Er erachtet eine andere Lösung als sinnvoller: „Es sollten lieber die Jugendliche die Konsequenzen tragen, die den Unsinn anstellen, und nicht alle Schüler.“

Dem stimmt auch Sebastian Bott (18) aus Steinbach zu. „Es müssen andere Lösungen gefunden werden, schließlich wurde in den Bau der Mensa viel Geld gesteckt. Und jetzt hat sie nur noch zwei Stunden geöffnet.“ Dass Lebensmittel angeknabbert wurden und dann wieder in der Ablage landeten oder dass Personal mit Müll beworfen wurde, davon hat der Wigbertschüler nichts mitbekommen. „Wenn jemand erwischt wird, muss er sofort zur Rechenschaft gezogen werden“, fordert er.

Christiane Schwarz (18) aus Rückers war „schockiert“, als sie hörte, warum die Mensa vormittags nun geschlossen ist. „Man kann sich gar nicht vorstellen, dass manche so etwas machen“, sagt die Konrad-Zuse-Schülerin und fügt hinzu: „Einerseits ist es richtig, dass Konsequenzen gezogen werden, andererseits stehen die Schüler nun vor dem Problem, wo sie sich in den Pausen aufhalten sollen.“

Hoffnung auf Rückkehr zu alten Öffnungszeiten

Auch in den Schulen wurde das Thema am Montag diskutiert. „Ich glaube nicht, dass wir in Hünfeld die schlimmsten Schüler Deutschlands haben“, betont Alfred Helgert, Schulleiter der Wigbertschule. Es handele sich um Einzelfälle, die übertrieben würden. Wenn es zu Vorfällen käme, müsste das Personal denjenigen der Mensa verweisen.

Gerhard Herget, Schulleiter der Konrad-Zuse-Schule, glaubt, dass die Vorfälle dem Schulstandort erheblich schaden. Er ist sich sicher, dass sich seine Schüler an der Zerstörung nicht beteiligt haben. „Die Schließung der Mensa am Vormittag ist sicher keine Dauerlösung“, erklärt Herget. Bei einer Sitzung mit allen Beteiligten und Felix Gaul von der Kreisverwaltung am 15. Februar solle eine neue Lösung gefunden werden.

Darauf hofft auch Berthold Quell, Schulleiter der Jahnschule. Eine Rückkehr zu den bisherigen Öffnungszeiten schließt er nach dieser Gesprächsrunde nicht aus. Die Vorfälle müssten allerdings aufgearbeitet werden. Die Schüler, die etwa bei Diebstählen erwischt würden, seien nicht das Problem, „sondern die Dunkelziffer, die es trotz der Lehreraufsicht gibt“. An seiner Schule hätten einige Schüler mit Unverständnis für die Jugendlichen reagiert, die mit ihrem Verhalten die Mensa in Verruf bringen würden. „Manche waren aber auch gelassen, weil die Pausenversorgung durch das Mensapersonal an den Kiosken der jeweiligen Schulen geregelt ist.“

Ein Drehkreuz als Lösung?

Wie Quell berichtet auch Felix Stremmer (15) aus Hünfeld, Schulsprecher der Wigbertschule, dass es Vorschläge zu kleineren baulichen Veränderungen gebe, die im Februar erörtert werden sollen. „Es soll ein Drehkreuz geben, um den Besucherstrom besser zu bündeln, und die Theke soll nicht mehr frei zugänglich sein.“ Am Gymnasium habe es einige Schüler gegeben, die erbost über die Schließung waren. „Sie waren verständlicherweise nicht begeistert, aber man muss auch die Seite des Betreibers sehen. Es ist sicher keine endgültige Lösung.“

Dass die Schließung erst einmal ihren Zweck erfüllt und Ruhe einkehrt, davon geht Felix Neu (17) aus Sargenzell, Schulsprecher der Jahnschule, aus. Er hält die Schließung für richtig. „Wir haben es alle zusammen besprochen und eingesehen, dass es das Beste ist.“ Kathrin Witzel (18) aus Hünfeld, Schulsprecherin der Konrad-Zuse-Schule, wurde am Montag vermehrt auf die Schließung angesprochen. „Viele zeigten sich schockiert“, erklärt sie und fügt hinzu: „Es hätte auch eine andere Lösung gefunden werden können.“


Von unserem Redaktionsmitglied
Victoria Bott



Leser-Kommentare ( 4 )
  • women (27) | 13. January 2011;13.01.2011;1294942240 --> 13 Januar 2011
    Ohren langziehen

    Denen ,die hier schlechtes Benehmen an Tag gelegt haben,gehören die Ohren langgezogen ,bei Wiederholungen Schulverbot und Schadenersatz leisten .Konsequent hart angepackt gehören die und nicht "kuschelweich " therapiert !

  • zora-charlotte (5) | 11. January 2011;11.01.2011;1294735164 --> 11 Januar 2011
    Sinn der Maßnahme?

    Worin besteht denn bei einer verkürzten Öffnungszeit der Lerneffekt?
    Die "unschuldigen" SchülerInnen - und das ist die große Mehrheit - werden bestraft. Und die "TäterInnen" haben erreicht, dass ihre Taten mit ungeheuer viel Aufmerksamkeit bedacht werden.
    Es wäre wünschenswert und angebracht, wenn die Erwachsenen mit größerer Souveränität auf die paar Jugendlichen reagieren würden, die momentan über den Aufenthaltsort von Hunderten von SchülerInnen bestimmen!

  • Jackson (169) | 12. January 2011;12.01.2011;1294824084 --> 12 Januar 2011
    hier kann man nur zustimmen.

    Keine Ahnung wie das heute so abläuft ... in den 80ern wurden Lehrer abgestellt, welche Pausenaufsicht hatten und bei "Unregelmäßigkeiten" auch nicht davor zurückschreckten den einen oder anderen in „Hab-Acht-Stellung“ zu weisen ohne sich auf irgendwelche endlosen Diskussionen einzulassen. Den Worten wurde dann auch Folge geleistet. Vielleicht kann in der verkürzten Öffnungszeit wenigstens eine Aufsichtsperson präsent sein.