Schüler für Umgang mit Medien sensibilisieren
Von Laura Diegelmann
Hünfeld
„Fake oder: War doch nur Spaß“. Mit diesem Theaterstück gastierte das Ensemble Radiks, ein Tourneetheater aus Berlin, vor 380 Schülern am Wigbertgymnasium in Hünfeld. Die Jugendlichen sollen so für die Gefahren im Umgang mit den Medien sensibilisiert werden.
Etwa 200 Schüler sitzen im Film-Funk-Raum der Wigbertschule und blicken gespannt auf die fast kahle Bühne. Ein hellblauer Vorhang mit der Graffiti-Aufschrift „Fake“, ein paar Stühle, ein schlichter Tisch – viel mehr brauchen die beiden Schauspieler Selina Maluche und Alexander Abramyan vom Ensemble Radiks nicht, um die Jugendlichen in ihren Bann zu ziehen und – was noch viel wichtiger ist – sie von der Problematik der (Internet-)Medien zu überzeugen.
War Cyber-Mobbing vor Jahren noch ein viel belächelter Begriff, steht dieser in Zeiten von Facebook und Schülerverzeichnis ganz oben auf den Problemlisten der Schulen. „Die sozialen Netzwerke haben überhand genommen“, erklärt Edeltraud Filipp, Präventionslehrerin an der Wigbertschule. „Es ist wichtig, Schüler über die Gefahren der im Internet fehlenden Privatsphäre zu informieren.“ Die Vorbeugung und Aufklärung diesbezüglich sind der Lehrerin ein Anliegen – auch des Schulklimas wegen. „Die Kommunikation über die Medien findet zwar bei den Schülern zu Hause statt, die Auswirkungen tragen sie aber mit in die Schule.“
Auch die Schülervertretung der Wigbertschule setzt sich für mehr Durchblick im „Internet-Jungle“ ein. „Soziale Netzwerke haben einen hohen Wirkungsgrad“, erklärt Kreisschülerrats-Mitglied Adrian Kiel (17) aus Steinbach. „Man kann sie heutzutage nicht vollständig unterbinden, sollte aber zumindest darüber aufklären.“ Edgar Vieth aus Silges vom Elternbeirat stimmt zu: „Das Internet ist nachtragend. Deshalb ist es wichtig, Schülern die Wirkung aufzuzeigen. Wir unterstützen die Präventionsarbeit der Schule gern.“ Als das Berliner Ensemble die Anfrage für ein Theaterstück schickte, das vor allem die Internetkultur kritisch beleuchten soll, kam das wie gerufen. Mit einer Spende des Fördervereins und einem Schülerbeitrag von je 1,50 Euro wurde das Projekt finanziert.
Hauptfigur Lea ist ein lebenslustiges Mädchen. Sie ist 17 Jahre alt, lebt bei ihrem Vater und träumt von einer Karriere als Sängerin oder Schauspielerin, auch weil ihre verstorbene Mutter diesen Traum lebte und Lea ihr nahe sein möchte. Doch als die Schülerin sich bei einer Castingagentur anmeldet, nimmt das Unheil seinen Lauf. Freundin Nadine ekelt sie aus Neid aus der gemeinsamen Band, fiese Mobbingattacken im Internet gegen die „arrogante Möchtegern-Sängerin“ folgen. Zu allem Übel entpuppt sich dann auch noch die Beziehung zu ihrem neuen Freund Andy, von dem sie ungewollt schwanger wird, als eine vorgespielte Liebelei. Lea sieht keinen anderen Ausweg, als ein Video mit einem selbst geschriebenen Song ins Internet zu stellen und so mit den „Mobbern“ abzurechnen. Doch das macht alles nur noch schlimmer.
Bei den Schülern kommt das Stück gut an. Insgesamt 380 Jungen und Mädchen der siebten bis neunten Klassen des Gymnasiums nahmen an den zwei Vorstellungen teil. „Das hilft, die Probleme derer besser zu verstehen, die gemobbt werden“, erklärt Vivian Stumpf (12) aus Schlotzau. Ihre Mitschülerin Emma Malitzki (13) aus Hünfeld stimmt zu: „Durch das Theaterstück wird mir klar, was für eine schwierige Situation das für alle Beteiligten eigentlich ist.“ Im Anschluss an die Vorführung war es den Schülern möglich, mit Lehrern und Schauspielern über Leas Situation zu diskutieren und mögliche Lösungen zu finden. Auch in den entsprechenden Unterrichtsfächern soll das Thema noch einmal vertieft werden.
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