Fulda +11°/+6°C
> >     
Social Plugins können Daten übertragen (siehe Datenschutzbestimmungen)
11. August 2012



Sensationsfund bei Ausgabrabung

Von Alexander Gies

Burghaun
Archäologen haben bei Ausgrabungsarbeiten in Burghaun unter anderem ein etwa 3500 Jahre altes Bronzeschwert und eine Gewandnadel entdeckt. Der Fund gilt unter Fachleuten als Sensation.

Einen vergleichbaren Fund gab es in der Region nicht mehr, seitdem der große Heimatforscher Joseph Vonderau im Jahr 1900 am Mühlberg bei Bimbach in der Erde buddelte.

Das Schwert aus der Mittelbronzezeit hat eine Länge von etwa 60 Zentimetern und eine Breite von drei bis vier Zentimetern. An einem Ende sind zwei Nieten zu sehen, die zur Befestigung eines Griffs, vielleicht aus Holz, Gehörn oder Knochen, dienten. Doch die sind nach all den Jahrtausenden längst verrottet.

Zu einer Besonderheit wird das Schwert aus der vorkeltischen Epoche durch eine Verzierung, die sich wie eine Borde um den Griff legt: „Sie deutet daraufhin, dass es sich bei seinem Besitzer um ein Sippenoberhaupt gehandelt hat, der möglicherweise auch kriegerisch aktiv war“, sagt Fuldas Stadt- und Kreisarchäologe Dr. Frank Verse. Ihm steht das Glück über diesen „sehr außergewöhnlichen Fund“ ins Gesicht geschrieben. Der Träger dieses Schwerts, dem es ins Grab gelegt worden war, rangierte damit an der Spitze der sozialen Hierarchie seiner Gemeinschaft, „da geht nichts drüber“, ist sich Verse sicher.

Nur ein paar Zentimeter entfernt ein weiterer Fund: eine ebenfalls gut erhaltene Gewandnadel – der verwendeten Bronze sei Dank. Denn dieses Metall korrodiert zwar auch, löst sich aber nicht wie Eisen auf, das nach Jahrtausenden bestenfalls noch einen  unförmigen Klumpen bildet. Die Nadel weist eine Schafftverdickung auf, was die Datierung des Alters erleichtert. Die kreisrunde Anlage beherbergt weiterhin das Grab einer Frau. Darauf deuten der Fund einer Armspirale und einer Perle hin.  Sie ist facettiert, das heißt, geschliffen und glänzt in den Spektralfarben. Ob es sich bei den Toten um Mann und Frau oder Verwandte handelt, lässt sich nicht zuverlässig sagen. Trotzdem bestand wohl eine Beziehung zwischen ihnen.

„Dieses Schwert ist das beste, was ich je gefunden habe“, schwärmt Frank Verse (45), der sich seit 1988 der Archäologie widmet. Und auch Grabungsleiterin Milena Wingenfeld aus Petersberg frohlockt: „Als wir das Schwert gefunden haben, habe ich sogar kurz getanzt“, freut sich die 27-Jährige. Doch es war letztlich einer der 17 Archäologiestudenten aus Mainz und Marburg, dem der Sensationsfund gelang.

Mehr Hintergründe lesen Sie in unserer Printausgabe am Samstag.


Leser-Kommentare ( 00 )
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden