Studenten aus der Region berichten von den ersten Monaten an der Uni
Von Laura Diegelmann
Hünfeld
Zuhause ausziehen, selbstständig werden und an die eigenen Grenzen stoßen: Das Studium bringt viele prägende Erlebnisse mit sich. Zusätzlich sind die Kapazitätsprobleme an deutschen Universitäten eine Herausforderung – auch für die Erstsemester aus dem Hünfelder Land.
Christian Most (19) aus Körnbach studiert seit Oktober Ingenieurswissenschaften an der Technischen Universität in München. Er zahlt stolze 465 Euro Warmmiete für seine 35-Quadratmeter-Wohnung im ruhigen Unterschleißheim, deren Einrichtung, typisch studentisch, zum größten Teil aus Ikea-Mobiliar besteht. „Am Anfang kommen viel neue Arbeit und Verantwortung auf einen zu: spülen, waschen, kochen und so weiter. Aber man gewöhnt sich dran.“ Und wie gefällt das Studienfach? „Besonders Physik und Informatik waren anfangs nicht leicht, aber grundsätzlich ist es genau das, was ich gesucht habe.“ Von den überlaufenen Vorlesungen spürt er als angehender Ingenieurwissenschaftler zum Glück nicht viel. „Wir sind nur 150 Leute, da geht das. Die Maschinenbaustudenten aber sitzen mit 1600 Kommilitonen in zwei Hörsälen – in dem einen mit Professor, in dem anderen mit Videoübertragung.“
André Meixner (20) aus Großentaft kennt dieses Problem. Er studiert Wirtschaftswissenschaften an der Julius-Maximilian-Universität in Würzburg. Platzmangel ist auch hier ein Thema. „Wir sind 812 Erstsemester. Ein Drittel der Leute sitzt im Audimax und lauscht dem Professor direkt, zwei weitere Gruppen sind in seperaten Räumen mit Live-Übertragung untergebracht.“ Der Freizeitspaß kommt im Unialltag dennoch nicht zu kurz. „In Wirtschaftsinformatik haben wir eine Vorlesung, die morgens um acht beginnt. Der Professor stellt sie aber vorsichtshalber auch noch mal ins Internet – bei den vielen Studentenpartys würden da eh nicht so viele Leute auftauchen“, sagt der Großentafter schmunzelnd.
Marcel Kiel (20) aus Ufhausen gefällt an seinem Studium vor allem die handwerkliche Herausforderung. Er studiert Architektur an der Fachhochschule in Darmstadt. „Wir mussten von Anfang an Modellhäuser und Zeichnungen anfertigen.“ Der Ufhausener bewohnt zusammen mit einem ehemaligen Schulkollegen eine 70-Quadratmeter-Wohnung mit kleinem Bad und Küche. Dort versucht er sich auch selbst beim Kochen. „Beim Mensaessen kann man Glück haben – aber oft auch ganz großes Pech“, erzählt er lachend. „Ich habe da schon echt schlimme Sachen gegessen. Das ist der Nachteil am Ausziehen: Wenn man nach Hause kommt, ist keine Mama da, die einen bekocht.“ Die Kochkünste seiner Mutter
Abschied von Hotel Mama
kann der 20-Jährige immerhin am Wochenende genießen: „Ich fahre freitags wegen dem Fußball und meiner Freundin nach Hause. Ich arbeite dann auch, um mir etwas dazuzuverdienen.“ Marietta Meister (20) aus Steinbach musste sich an die neue Selbstständigkeit erst gewöhnen. Sie studiert Wirtschaftswissenschaften an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. „Man merkt schnell, dass man auf sich allein gestellt ist.“ Auch die Wohnsituation ist für sie ganz neu: Die 20-Jährige lebt in einer 130-Quadratmeter-Wohnung – zusammen mit drei jungen Männern. „Die Wohnungssuche in Mainz ist echt grausam.
Ich habe ewig gesucht, bis ich etwas Passendes gefunden hatte.“ Mit ihren neuen Mitbewohnern ist sie allerdings sehr zufrieden. „Ich hatte wirklich Glück. Die Jungs sind nett, das Zusammenwohnen klappt prima. Mit dem Putzen wechseln wir uns ab, da gibt es – anders als man es bei drei Männern erwarten könnte – gar keine Probleme.“ Auch außerhalb ihrer Bleibe hat die Steinbacherin neue Bekanntschaften gemacht. „In der sogenannten Ersti-Woche habe ich schon viele neue Leute kennengelernt, das geht hier ganz schnell.“
Katharina Tillmann (20) aus Nüst hat es etwas weiter weg verschlagen: Sie studiert Sozialwirtschaft an der Hochschule in Kempten (Allgäu). „Nach dem Abi habe ich mich im Internet erkundigt und bin auf die Seite der Fachhochschule gestoßen. Ich wollte nämlich unbedingt etwas Soziales studieren, aber nicht wie üblich Soziale Arbeit.“ Weil das Zugticket bei dieser Entfernung den Geldbeutel der Studentin ziemlich beansprucht, kommt sie nur ein Mal im Monat nach Hause. „Ich wohne hier mit drei anderen Mädchen in einer Art WG. Naja, eigentlich teilen wir uns nur den Flur. Ein Bad und eine kleine Küche hat jeder für sich.“
Die 20-Jährige schätzt am Studentenleben vor allem die neugewonnene Freiheit. „Ich kann vieles selbst entscheiden und muss mich nach niemandem richten.“ Das Skigebiet um sich herum kann sie allerdings nicht wirklich nutzen. „Als Studentin fehlt mir dafür das Geld. Aber ich habe viele Kommilitonen, die sich ihre wenige freie Zeit gerne mal auf der Piste vertreiben.“
Leser-Kommentare ( 1 )
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Flint (67) | 7. February 2012;07.02.2012;1328570401 --> 07 Februar 2012
Foto
Interessehalber:
Woher stammt denn das erste Foto mit den Büchern?









