Von der Dippel bis hin zum Buuschwajnl
Von Sabine Burkardt
Hünfeld
Schon seit vielen Jahren ist die Hünfelder Friedlandstube in der Landratsamt-Außenstelle ein beliebter Treffpunkt für alle aus ihrer Heimat Friedland vertriebenen Menschen und interessierte Besucher. Seit kurzem erscheinen die Räume noch attraktiver.
„Wir wollen mehr Leben in die Friedlandstube bringen“, erklärt Leiter Franz Hanika. Wie viele Stunden Hanika schon in den Archiven der Friedlandstube versunken ist, weiß er gar nicht. Seine Frau Monika beschreibt das dafür umso genauer: „Er könnte sein Bett hier aufstellen“.
Akribisch und mit viel Geduld sortiert und katalogisiert er mit seinem Kollegen Gottfried Herbig seit zwei Jahren tausende Fotos, Dokumente, Literatur oder Chroniken aus dem Bezirk Friedland. Dazu gehört außerdem eine verkleinerte Wiedergabe einer Redernstube aus dem Friedländer Wallensteinschloss und eine Bildersammlung.
Die Besucher empfängt ein schönes Büro, in dem auch eine Bibliothek mit über 4000 Titeln zu finden ist. Stolz öffnet Hanika die Tür zum Schatzkästchen der Friedlandstube, dem Heimatmuseum. „Vom Haindorfer Dippel (Tasse) über den Buuschwajnl (Holzwagen) bis hin zum original Buckelkorb gibt es hier viel zu bestaunen“, sagt der Heimatfreund, der selbst im Egerland geboren wurde.
Zu jedem Stück hat er eine Geschichte zu erzählen, manches löst Beklommenheit aus. Wie die des Buckelkorbes, in dem die Vertriebenen 30 Kilogramm Gepäck transportierten – das einzige Hab und Gut, das ihnen noch blieb. Oder ein originaler Transportschein, auf dem eine Familie von den Tschechen aufgefordert wurde, am nächsten Tag ihr Haus und ihre Heimat zu verlassen. „Der erste dieser unmenschlichen Transporte aus Neustadt und Friedland umfasste 40 Waggons mit jeweils 30 Personen. Am Abend des 30. April 1946 kamen also 1200 Menschen nach Hünfeld. Von hier aus wurden diese aus ihrer Heimat vertrieben Menschen auf die Orte im Kreis verteilt“, liest man auf einer der neu gestalteten Stellwände im Ausstellungsraum.
Doch Archiv, Redernstube und Museum sind den Heimatfreunden nicht lebendig genug. Deshalb findet sich im neu gestalteten Ausstellungsraum auch ein Beamer mit Leinwand, um Filme oder Präsentationen zeigen zu können. Den Anfang machte Monika Hanika mit dem Vortrag „Kraft aus den Wurzeln“, in dem sie über die Arbeit des ehrenamtlichen deutsch-tschechischen Arbeitskreises für Geschichte und Gegenwart berichtete.
Seit 2006 organisiert dieser Arbeitskreis Seminare in Haindorf in Tschechien, die zur Aufarbeitung der konfliktreichen Vergangenheit zwischen Sudetendeutschen und Tschechen beitragen sollen. Den Bedarf verdeutlichen die steigenden Teilnehmerzahlen in den letzten Jahren. Umso mehr brennt den Hanikas etwas auf dem Herzen: „Dass es in Hünfeld die Friedlandstube gibt, ist ja schon bekannt. Aber nirgends gibt es in der Stadt ein Hinweisschild, wo sie zu finden ist“, bedauern beide.
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