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22. September 2012



Vortrag über Windkraft und Vogelschutz

Viktoria Hahn

Hünfeld
Volles Haus im Rondell der VR-Bank in Hünfeld: Der Vortrag von Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte und Martin Kremer vom Biosphärenreservat Rhön über den Rotmilan lockte so viele Zuhörer an, dass Stühle nachgestellt werden mussten.

Der Rotmilan, ist sich der Ornithologe Hormann sicher, „hätte das Zeug zum Wappenvogel der Rhön“. Der majestätische Vogel, der eine Spannweite von bis zu 170 Zentimetern erreicht, findet in der abwechslungsreichen Wald- und Wiesenlandschaft momentan noch gute Bedingungen vor. Doch gerade erregen seine Sichtungen überall in der Hünfelder Region große Aufmerksamkeit. Dies gilt vor allem dort, wo Windkraftanlagen in Planung sind, die als gefährlich für den Greifvogel gelten.

„Allein in der hessischen Rhön nisten 18 bis 20 Brutpaare“, berichtet Hormann. Damit ist die Rhön das beste Rotmilan-Gebiet in Hessen. „Was Habitat und Zukunftsaussichten angeht, werden seine Chancen aber als ungünstig eingeschätzt“, warnt der Ornithologe. Weltweit gibt es noch etwa 20 000 Brutpaare  – 60 Prozent davon nisten in Deutschland. Die Art gilt somit als gefährdet.

Bedroht wird der Rotmilan vor allem durch Waschbären, die die Jungen aus dem Nest rauben, von ungesicherten Strommasten und – bedingt durch die Energiewende – von Windkraftanlagen und dem fortschreitenden Anbau von Mais für Biogasanlagen.  Lassen sich Waschbären inzwischen gut durch Metallmanschetten fernhalten und der Stromtod durch ausreichend gesicherte Masten verhindern, so stellen die erneuerbaren Energien nach wie vor ein Lebensrisiko für den Rotmilan dar, ist sich Hormann sicher.

Martin Kremer spricht in diesem Zusammenhang offen von einer „Zwickmühle“ für das Biosphärenreservat: „Einerseits möchten wir die Energiewende vorantreiben, andererseits sehen wir unsere Aufgabe auch in einem ,brutalen Artenschutz‘, um die Artenvielfalt zu erhalten“, so Kremer. Das Biosphärenreservat spricht sich daher dafür aus, in Kern- und Pflegezonen keine Windkraftanlagen zu errichten. „Ein Patentrezept gibt es aber nicht“, bedauert Kremer.

Rotmilane kennen keine Angst vor den Rotorblättern. Nutzen sie die offene Grasfläche, so geschieht es leicht, dass sie von den Rotoren, die an den Spitzen Geschwindigkeiten von 200 km/h erreichen, zerfetzt werden oder in den Luftverwirbelungen ums Leben kommen. Bei stichprobenartigen Kontrollen rund um deutsche Windkraftanlagen habe man bisher rund 160 tote Tiere gefunden, berichtet Hormann. Die tatsächliche Tötungsrate sei sicher höher. Zur Illustration baute er in seine Präsentation Bilder von Rotmilan-Kadavern ein, die von Rotoren zerrissen wurden.

Hormann sprach sich dennoch generell für die Windkraft aus. Die Anlagen sollten aber an den „richtigen“ Standorten errichtet werden, also dort, wo eine Gefährdung möglichst gering sei. „Die fachliche Abstandsempfehlung von Windkraftanlagen zu einem kartierten Rotmilanhorst lautet einen Kilometer“, machte der Diplombiologe deutlich. Da die Nester immer wieder neu besetzt würden, sei auch ein verlassener Horst wie ein besetzter zu behandeln.

Auf die Publikumsfrage, ob es keine Möglichkeit gebe, ungefährliche Windkraftanlagen zu bauen, sagte Hormann, das Konzept der klugen Raumplanung und der Abstandswahrung sei die beste Vorsorge:  „Ergänzend sind Ablenkfütterungen möglich oder die Abschaltung der Rotoren in der Zeit der Mäharbeiten, in denen die Vögel besonders aktiv auf Nahrungssuche sind.“ Bessere Bedingungen versprächen auch niedrigere Anlagen.
Auch der Verlust von Grünflächen bedroht den Rotmilan: Bot die bäuerliche Landwirtschaft früher einen idealen Lebensraum für den Verwandten des Geiers, so fehlt es heute zunehmend an Grünland. Grund dafür ist unter anderem, dass mehr und mehr Grünflächen zugunsten des Maisanbaus für Biogasanalgen umgebrochen würden. Wenn im Juli die Jungen flügge werden, finden die Rotmilaneltern durch den hochstehenden Mais nicht mehr ausreichend Futter für sich und ihren Nachwuchs.


Leser-Kommentare ( 3 )
  • Frohnapfel (368) | 23. September 2012;23.09.2012;1348353910 --> 23 September 2012
    Neues nicht mehr möglich

    In Deutschland ist neues nicht mehr möglich. Der Transrapid fährt in China, weil wir keine Strecken bauen konnten. Würde heute einer eine Eisenbahn neu erfinden, sie würde nicht gebaut. Autobahnen und Flughäfen mit Waldvernichtung schon gar nicht. Wir sind einfach nicht mehr fähig zukunftsweisende Technologien einzuführen. alles erstarrt in der Lobby von großen Konzernen die nach dem kurzfristigen Gewinn streben.

  • Fulda1964 (45) | 23. September 2012;23.09.2012;1348427326 --> 23 September 2012
    Warum so pessimistisch?

    Ich habe den Vortrag selbst verfolgt und sogar Herrn Hormann hält ein Nebeneinander von Milan und Windkraft für möglich und notwendig. Und Herrn Kremer vom Biosphärenreserat will die Windkraft nur auf 42% des Reservats ausschließen, im restlichen Bereich ist diese daher erstmal grundsätzlich möglich.

  • Valentin (398) | 22. September 2012;22.09.2012;1348325633 --> 22 September 2012
    wehe der Rotmilan kommt

    was passiert denn wenn eine Windkraftanlage besteht, und dann nistet sich ein Rotmilan ein ? , wird die Anlage dann verschrottet ?, wenn ca 6 Millionen Hessen wegen ein paar Hundert Vögel keine Windkraft nützen können, dann ist irgend etwas falsch