Wenn „Trittbrettfahrer“ keinen Ausweg sehen
Von Marie-Theres Schindler
Hünfeld
Die vielen Proben haben sich gelohnt: Die Premiere des Theaterstücks „Trittbrettfahrer“ am Donnerstag in der Stadthalle Kolpinghaus ist ein voller Erfolg gewesen.
In diesem Jahr behandeln die jungen Schauspieler der Theaterwerkstatt der Wigbertschule Hünfeld die Konflikte der 17-jährigen Katharina, die schließlich an ihren Problemen zerbricht. „Trittbrettfahrer wie sie kommen früher oder später unter die Räder“, prophezeit Studienrat Schrader (grandios gespielt von Arne Hettwer) seiner Schülerin Katharina, dargestellt von Melina Koch. Ein zentraler Satz des Jugendtheaterstücks, denn Schrader soll Recht behalten.
Schauspielerisch auf ganzer Linie überzeugend stellen die Jugendlichen dar, wie sich Katharina von ihren Freunden missverstanden, von den Lehrern gemobbt und von den Eltern vernachlässigt fühlt und schließlich nur noch Selbstmord als Ausweg sieht. Mit dieser Szene wird das vornehmlich junge Publikum mitten ins Geschehen gestürzt, erst nach und nach werden die Hintergründe dazu aufgearbeitet. Die Wigbertschüler thematisieren mit ihrem Stück die Konflikte junger Menschen, allen voran die Probleme Katharinas.
Fühlt sie sich in ihrem Alltag oft als völlige Versagerin, blüht die junge Erwachsene in der Beziehung zu ihrem Freund Karsten, gespielt von Jan Hettwer, wieder auf. Doch als Katharina schwanger wird, bröckelt die rosarote Welt: Der völlig überforderte Karsten stellt sie vor die Wahl, sich für ihn oder das Kind zu entscheiden. Katharina verschwindet für mehrere Monate und entschließt sich, das Baby zu behalten. Doch letztendlich ist die Jugendliche dem Druck nicht gewachsen und trifft einen folgenschweren Entschluss. Hätte sie niemand aufhalten können? Auf ihrem Weg begegnet Katharina immer wieder Menschen, die ihr helfen wollen, aber sie schlägt jedes Gesprächsangebot aus und fühlt sich nicht ernst genommen.
Die eigentlich tragische Inszenierung hält auch einige Stellen zum Schmunzeln bereit: So sorgt Katharinas Bruder Tim, dargestellt von Felix Stremmer, mit seiner lässigen Art und vielen coolen Sprüchen für Lacher im nicht ganz voll besetzten Saal. Insgesamt werden die Charaktere von den 18 Schauspielern sehr überzeugend dargestellt. Eindrucksvoll interpretieren sie „Trittbrettfahrer“, im Original von Jörg Scheibe. Auch die Mitglieder der Theaterwerkstatt unter der Leitung von Arnold Pfeifer sind zufrieden: „Wir hatten alle viel Spaß beim Spielen“, resümiert Stremmer. Eine positive Resonanz gibt es auch von Seiten des Publikums. Schulelternbeirat Edgar Vieth betont: „Ich war sehr gerührt und denke, das Stück hat uns allen etwas gesagt.“
Darsteller: Arne Hettwer, Teresa Siebert, Melina Koch, Juliana Klein, Katrin Kats, Jonas Nöding, Boris Bambold, Julia Ebert, Antonia Kohl, Antonia Gedigk, Laura Ramershoven, Rebecca Belletz, Maria Petter, Tobias Herrmann, Felix Stremmer, Kim Schubert, Jan Hettwer und Lara Heinz.
Leitung: Arnold Pfeifer
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