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9. August 2012



„Feldlager“ zu 25-Jahr-Feier von hessisch-pfälzischem Verbund

Schlüchtern
In historisch anmutende Gewänder gekleidete Ritter, Landsknechte oder auch Bürgergarden wie jene aus der Bergwinkelstadt werden am kommenden Wochenende die Schlüchterner Innenstadt bevölkern. Denn auf der Mauerwiese wird ein besonderes Jubiläum gefeiert.

Schlüchterns Historische Bürgergarde, die seit vier Jahrzehnten unter Leitung von  Wolfgang Krein steht, lädt zu einem Feldlager auf die Mauerwiese ein, mit dem das 25-jährige Bestehen des Verbundes der „Ritter, Landsknechte, Bürgergarden und historischen Soldaten“ aus Hessen und Rheinland-Pfalz gewürdigt wird. Als Gäste  werden die Ritter von Kronberg vom Soonwald, der Landsknechtshaufen zu Schadeck, die Ehrengarde der Stadt Neuwied,  eine Historische Festungsgarde und die Koblenzer Stadtsoldaten erwartet.  

Rückblende: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts  – Napoleon war vernichtend geschlagen und sein Bruder Jerome aus Kassel – vertrieben, waren die Erwartungen der Einwohner Kurhessens sowie der anderen deutschen (Klein-)Staaten groß. Doch die Hoffnung der Untertanen auf freiheitliche Staatsverfassungen wurde von den zurückkehrenden Herrscherfamilien gründlich enttäuscht. Die Presse wurde zensiert und Menschen, die sich politisch engagierten, zum Teil bespitzelt. Als es 1830 auch in Kurhessen gärte und es  zu Unruhen kam, ordnete der Kurfürst am 2. Oktober an, dass „zum Schutz von Leben und Eigentum“ in allen Städten des Landes Bürgerbataillone und Bürgerkompanien zu bilden seien. Das 24. Kurhessische Bürgergardebataillon in Schlüchtern bestand aus vier Kompanien: in Schlüchtern, Steinau, Salmünster und Soden. Die Bewaffnung bestand aus Säbeln, Musketen und Büchsen. Die Uniformierung wurde durch ein eigenes Gesetz 1832 geregelt. Wer noch keine Uniform besaß,  trug zur Waffe zumindest eine rot-weiße Armbinde. Schießübungen wurden meist sonntagnachmittags veranstaltet und der Ausmarsch zur Acis-Platte jedesmal ein öffentliches Ereignis. In den Revolutionsjahren 1848/49 standen die Bürgergarden meist auf Seiten der Demokratiebewegung. 1850 wurde das Schlüchterner Bataiillon aufgelöst.

Programm
Die dreitägige 25-Jahr-Feier beginnt in Schlüchtern am Freitag, 10. August, mit dem Eintreffen der Gruppen. Der Samstag und Sonntag beginnt jeweils um 7 Uhr mit einem Weckruf und anschließendem Frühstück, der „Vergatterung“ sowie Putz- und Flickstunde. Ab 10 Uhr (Samstag) „Formalausbildung“ und Lagerleben. Nach der Mittagsruhe bieten die Gruppen ab 14.30 Uhr Vorführungen wie zum Beispiel Bogen- und Armbrustschießen oder Axtwerfen an. Ab 20 Uhr gemütliches Beisammensein in Uniform und Tracht mit Publikum.
Am Sonntag um 11 Uhr ökumenischer Gottesdienst auf der Mauerwiese. Ab 14 Uhr formiert sich der Festumzug durch die Innenstadt. Eine kulinarische Attraktion des Festes ist ein Spanferkelessen. / tan


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