„Genialste Erfindung der nächsten Jahre“
Von Walter Kreuzer
Schlüchtern
Die im eigenen Haus benötigte Energie selbst produzieren und noch genügend Strom übrig haben, um mit dem Elektroauto zur Arbeit zu fahren – für den Schlüchterner Fertighaushersteller Bien-Zenker AG ist diese Vision bereits Realität.
Gestern hat das Unternehmen sein Projekt im Rahmen eines PlusEnergie-Forums vorgestellt. „Das Effizienzhaus Plus wird die genialste Erfindung der nächsten Jahre sein“, wagte Rainer Bomba (CDU) einen optimistischen Blick in die Zukunft. Der aus Steinau stammende Staatssekretär im Bundesbauministerium nutzte seinen Kurzbesuch in der Bien-Zenker-Zentrale zur Eigenwerbung: „Wir haben uns schon viel früher als andere mit dem Thema auseinandergesetzt“, bemerkte er mit Blick auf den vor zwei Jahren von ihm ins Leben gerufenen Schlüchterner Kreis. Bomba: „Dass ich ein Haus bauen kann, das gleichzeitig als Kraftwerk und Tankstelle fungiert, ist keine Vision mehr sondern Realität.“ Aufgabe sei es nun, den „Menschen zu zeigen, dass solche Häuser funktionieren“.
Genau dies tut die Firma Bien-Zenker mit einem Musterhaus in der Nähe von Köln, welches Vorstandsvorsitzender Günter Baum in den Mittelpunkt seines Vortrags vor Wissenschaftlern und Praktikern aus der Bauwirtschaft stellte. Seit sieben Monaten liefert das PlusEnergie-Haus Zahlen aus dem Echtbetrieb. „Die Daten bestätigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, betonte Baum und wies auf einen auf das erste Jahr hochgerechneten Energieüberschuss von 2000 Kilowattstunden (kWh) hin: „Dieser Strom reicht, um mit einem Elektroauto 12 000 Kilometer weit zu fahren. Dieses Hauskonzept ist kein Vorzeigeprojekt von Politik und Wirtschaft. Die PlusEnergie-Haus Siedlung, die derzeit in Bad Vilbel entsteht, macht deutlich, dass Ökologie und Ökonomie hier eine gemeinsame Basis gefunden haben.“
Zunehmende Bedeutung der Speicher
Dass „diese Technologie noch ziemlich am Anfang steht“, wie es zuvor Bomba in seinem Grußwort gesagt hatte, unterstrich Hauptredner Professor Dr. Norbert Fisch vom Institut Gebäude und Solartechnik an der Technischen Universität Braunschweig. Erbefasste sich in seinem Vortrag vor allem mit den Chancen und Möglichkeiten von Speichertechnologien. Deren gesamtwirtschaftliche Bedeutung verdeutlichte der Wissenschaftler am Beispiel der von der Bundesregierung ausgegebenen Ziele: Diese strebe für 2020 die Produktion von 112 Gigawattstunden Strom aus Erneuerbaren Energien an, derzeit liege dieser Wert bei 60 Gigawattstunden bei einer benötigten Leistung, die zwischen 30 und 80 Gigawattstunden schwanke. Die überschüssige Energie müsse gespeichert werden, wozu vor allem in den Sommermonaten das Erdgasnetz einen bedeutenden Beitrag leisten werde. Im privaten Bereich gehe es um Thermalspeicher wie Wassertanks und Batterien, um den Eigenstromverbrauch auf ein möglichst hohes Niveau zu bringen – und dabei die Kosten-Nutzen-Relation im Auge zu behalten.
Befassten sich Baum und Fisch im Wesentlichen mit den Möglichkeiten im Neubau, so stellte der Technikvorstand von Bien-Zenker, Jürgen Sperzel, Wege zur PlusEnergie-Sanierung von älteren Mehrfamiienhäusern vor. Hier schwebt dem Fertighaushersteller eine Kombination von Photovoltaikanlagen, Wärmepumpentechnologie und einer Dämmung aus vorgefertigten Fassadenelementen als Alternative zu den üblichen Wärmedämmverbundsystemen vor.
Leser-Kommentare ( 0 )
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden








