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27. August 2012



„Nein“ zur Zwangsheirat

Von Gabriele Engelbert

Schlüchtern
Ein inbrünstiges Bekenntnis zu den Idealen des Islam prägte die Veranstaltung „Frauen im Islam“, zu welcher die Frauengruppe der Ahmadiyya Jamaat anlässlich des Frauentages Frauen aller Konfessionen ins Jugendbüro Check In in Schlüchtern eingeladen hatten.

Zum Frauentag im Jugendbüro Check In kamen rund 30 Frauen, wie gewünscht aus verschiedenen Religionsgemeinschaften und Konfessionen. Die Themen zur Stellung der Frau, zur Zwangsheirat und zum Ehrenmord hatten zu Gesprächen, zu gegenseitiger Wissens- und Erfahrungsvermittlung und Austausch gelockt.

Die einladenden Frauen begannen den Abend mit einer gesungenen Koranrezitation, sowie einem gesungenen Liebesgedicht, jeweils anschließend in deutscher Übersetzung. Im Anschluss wurde das Islamverständnis der 1889 in Indien gegründeten Gruppe der Ahmadiyya Jamaat, eine „Reformgemeinde des Islam“, kurz vorgestellt. Betont wurde dabei deren Motto „Liebe für alle, Hass für keinen“. Extra gegründet wurde die Frauenorganisation „Laina Imaillah“, was „Dienerinnen Gottes“ bedeutet. Wert gelegt wird ausdrücklich auf eine gute Bildung auch der Mädchen, gemäß dem Koranpassus „Wer eine Tochter gut aufzieht und ihr eine gute Bildung und Erziehung angedeihen lässt, erwirbt dadurch das Paradies.“

Nach rund einer Stunde kamen die angekündigten Themen konkret zur Sprache, zunächst jeweils in einem Kurzvortrag aus der Ahmadiyya-Frauengruppe. Zur Stellung der Frau wurde in enger Anlehnung an den Koran betont, es gebe weder Unterdrückung oder Diskriminierung der Frau entgegen negativer Berichterstattung in den Medien. Im Islam werde die Gleichwertigkeit und „absolute Gleichstellung“  von Mann und Frau auf vielen Ebenen ausdrücklich betont. Es gebe Frauen als Vorbilder, wie die Mütter von Moses und Jesus.

Mann und Frau hätten Rechte und Pflichten, unterschiedlich je nach biologischen Unterschieden. So müsse der Mann für die Versorgung der Familie arbeiten, die Frau müsse nicht, könne jedoch arbeiten und dürfe dann das Geld für sich behalten. Zu Zwangsheiraten dürften Frauen nicht gezwungen werden, gemäß dem Koranvers „Es soll kein Zwang sein im Glauben“. Zwangsheiraten seien eher kulturell und traditionell, nicht aber religiös begründet. Die Ehepartner sollten in Liebe und Zärtlichkeit zusammen leben und sich gegenseitig beschützen. Nie dürfe eine Frau ohne die eigene Zustimmung verheiratet werden. Es gebe aber so genannte „arrangierte Ehen“, die auf Vorschlägen beruhten.

In den nachfolgenden Gesprächen wurde immer wieder deutlich, dass sich die Ahmadiyya auf die ursprüngliche Wahrheit des Islam berufen. Dazu gehörten Frieden, Freiheit und Loyalität, letztere gegenüber dem Land, in dem die Muslime wohnten. Was die besprochenen Themen betrifft, so räumten sie ein, dass es in Einzelfällen, besonders in anderen islamischen Religionsgruppen, negative Ausnahmen  vorgekommen seien. Aber das sei nicht die Regel. Man müsse differenzieren, zwischen dem, was der Koran sage und dem, was die Menschen machten. Die deutschen Frauen wiesen darauf hin,  dass auch in Deutschland in der Vergangenheit arrangierte Ehen üblich gewesen seien, beispielsweise, wenn es um Hof- und Landbesitz gegangen sei.


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