11. Märchensonntag lockt massenhaft Besucher
Von Kathrin Noll
Steinau
„Weißt du, wie ich heiße?“ Diese Frage haben am Sonntag in der Steinauer Altstadt wohl einige der kleinen und großen Besucher zu hören bekommen. In Scharen waren sie zum 11. Märchensonntag erschienen. Der Star des bunten Fests: das Rumpelstilzchen, das seinem Namen alle Ehre machte.
Eine Schönheit ist er wirklich nicht: struppiges Haar, wilder Blick, braune Zahnstummel und Buckel. Doch das Rumpelstilzchen alias Lutz Jahr tat sein Bestes, um die weiblichen Gäste mit seinem ruppigem Charme und dem bewährten Stroh-zu-Gold-Trick zu betören. Sein Lager hatte er im Hirschgraben aufgeschlagen, inmitten der Spielhäuschen des Märchenwalds, in denen sich die Kleinsten tummelten. Anzutreffen war er dort selten, sprang er doch lieber durch die Gassen auf der Suche nach neuen „Opfern“ für seine Späße.
Leichtes Spiel hatte das dreiste Männlein im Getümmel am Kumpen, einem der zentralen Spielorte. Während die Clownin Gina Ginella, umringt von Kindern und Erwachsenen, allerlei Unfug trieb und wunderschön auf ihrem Akkordeon spielte, bereiteten sich einige Meter weiter die jungen Elevinnen des Ballettsaals von Monica Opsahl aus Schlüchtern auf ihren Auftritt in der Katharinenkirche vor. Dort zeigte das Hofnarr Theater unterdessen seine Version des „Rumpelstilzchens“. Das bekannte Brüder-Grimm-Märchen stand auch auf dem Spielplan des Marionettentheaters.
Am Schminkstand neben dem Eingang warteten die Kinder geduldig, um sich in eine Katze, einen Pirat oder Schmetterling verwandeln zu lassen. Eine lange Schlange hatte sich auch vor dem Tisch von Captain Balloon gebildet, der aus Luftballons fantasievolle Tiere knotete. Vor dem Rathaus stellte der vermeintlich schnellste Märchenerzähler der Welt, Samuel Käseglocke (Steffen Eckel), mit seinen Zuhörern einen neuen Rekord auf: Er ratterte die Geschichte vom Rumpelstilzchen in nur drei Minuten und zwei Sekunden herunter und schmiss zur Belohnung eine Runde „Quasselbonbons“ für alle.
Vor dem Märchenbrunnen wartete der Zauberer darauf, einige Unerschrockene durch die Brüder-Grimm-Stadt zu führen. Besonderen Eindruck schindete der furchterregende Geselle bei den chinesischen Gästen, die mit ihm für ein Erinnerungsfoto posierten. Großer Andrang herrschte ebenso bei den Freilichttheater-Aufführungen im Amtshof, die stets bis zum letzten Platz besetzt waren.
In der dämmrigen Hofscheune der Walkmühle gaben Mitglieder des Märchenkreises Bergwinkel den ganzen Tag über Geschichten aus längst vergangenen Tagen zum Besten, Gertrud Gilbert trug Balladen vor. Und wer keine Lust auf Spinnen von Stroh hatte, der konnte im Hof der Walkmühle Gold waschen – und wurde manchmal sogar fündig.
Musik, Theater, Waldschrate
Mittelalterliche Musik, Minnesang und Renaissance-Tänze, zahlreiche Essens-, Handwerks- und Verkaufsstände und haufenweise Attraktionen hatte der diesjährige Märchensonntag zu bieten. Als echtes Kinderparadies entpuppten sich Viehhof und Hirschgraben. Hier konnte der Nachwuchs Pony reiten, sein Angelgeschick testen, Jonglieren, mit Pfeil und Bogen schießen, Kronen basteln, Schwerter bemalen, über dem Feuer Stockbrot backen oder gemeinsam mit den Großen den Worten des Geschichtenerzählers Bertholder lauschen, der stündlich in sein prächtiges Märchenzelt einlud. Auch der König und sein Hofstaat, allerlei Gestalten in historischen Gewändern und bekannte Märchenfiguren gaben sich die Ehre und wandelten zwischen dem Volk umher.
Für offene Münder sorgten die imposanten Waldschrate auf Stelzen, die sich das bunte Treiben von oben anschauten. Im Schloss präsentierten Kurt Spielmann und Petra Hofmann mit dem köstlichen „Rumpel di Pumpel“ die Geschichte vom Rumpelstilzchen, wie sie wirklich war, und begeisterten mit ihrer witzigen Darbietung das Publikum. Viel Konkurrenz also für den offiziellen Star des Märchensonntags, der dies allerdings gelassen nahm und eifrig weiter versuchte, willige Damen in seine winzige Hütte abzuschleppen.
Zum Abschluss dieses an Höhepunkten reichen Märchenfests schlängelte sich ein bunter Umzug durch die Altstadt zum großen Finale auf dem Rathausplatz. Hier löste sich das Rumpelstilzchen in Rauch und Feuerwerk auf. Und Bürgermeister Walter Strauch (SPD) lüftete das Geheimnis, um wen sich alles im nächsten Jahr drehen wird: um den Wolf und die sieben Geißlein.
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