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22. Juli 2012



Amtskette aus dem Rathaus gestohlen

Von Frank Schäfer

Wächtersbach
Es ist eine feste Tradition in der Messestadt: Der Bürgermeister erscheint zur Eröffnung der Messe Wächtersbach mit seiner Amtskette. In diesem Jahr wäre um ein Haar die Messe ohne diese Amtsinsignie eröffnet worden, hätte da nicht ein Goldschmied aus Brachttal beinahe Tag und Nacht gearbeitet.

Seitens des Wächtersbacher Rathauses wurde diese Geschichte bisher nicht an die große Glocke gehängt, doch wer im Mai bei der Messeeröffnung genau hinschaute, konnte erkennen, dass Rainer Krätschmer diesmal eine andere Amtskette trug. Im Gespräch mit unserer Zeitung verriet der Rathauschef jetzt den Grund.

Anfang des Jahres sei im Rathaus eingebrochen worden, so Rainer Krätschmer (SPD). Die Diebe hätten das Einwohnermeldeamt und die Stadtkasse durchsucht, doch da sei nichts für sie zu holen gewesen. Schließlich knackten sie noch den Tresor und fanden darin etwas Bargeld und eben die silberne Amtskette vor. Die ist bis auf den heutigen Tag verschwunden. Eins war klar: Ein Ersatz musste her. Und da die Versicherung schnell den Wiederbeschaffungswert bezahlte, konnte eine neue in Auftrag gegeben werden, die im Endeffekt 4998 Euro kostete.

Die gestohlene Amtskette, so erinnerte sich Rainer Krätschmer, stammte noch von seinem Vorgänger Heinrich Heldmann. Der ließ sie 1971 anfertigen, nachdem im Zuge der Gebietsreform die sieben Dörfer Aufenau, Neudorf, Hesseldorf, Weilers, Wittgenborn, Waldensberg und Leisenwald eingegliedert wurden. Am unteren Ende der damaligen Kette hing das Wappen der Stadt Wächtersbach, in die Kette selbst waren Medaillen eingelassen, die die sieben neuen Stadtteile symbolisierten. Die Kosten für die Amtskette, so Rainer Krätschmer, habe im Übrigen damals die Wächtersbacher Geschäftswelt getragen.

„Dem Ersten Stadtrat passt sie auch“

Die Stadt vergab den Auftrag für die neue Amtskette an den Brachttaler Goldschmiedemeister Joachim Krewald. Die einzigen Vorgaben waren das besagte Stadtwappen und Symbole für die Stadtteile. Joachim Krewald sah sich Fotos der alten Kette an, ihm fiel auf, dass die Medaille für den Stadtteil Aufenau normalerweise gar nicht zu sehen war, weil sie im Nacken des Amtsinhabers saß. Das wollte Krewald ändern, wie berichtete.

Er lieferte an das Rathaus verschiedene Entwürfe. Dort fiel die Entscheidung für einen davon und Joachim Krewald konnte sich ans Werk machen. Denn die Zeit saß ihm im Genick. „Für einige Wochen musste ich alles andere liegen lassen“, so Joachim Krewald.

Er fertigte die Kette aus Silberringen, deren Oberfläche „geborkt“ (rau wie eine Baumrinde) ist. Am unteren Ende befestigte er das Stadtwappen, das im Gegensatz zum früheren nicht farbig ist, sondern nur aus Silber besteht. Und in die Kettenringe wurden sieben Platten eingearbeitet, die die Namen der neuen Stadtteile tragen. Einen Tag vor der Eröffnung der Messe konnte er das fertige Stück dann abliefern.

Bürgermeister Rainer Krätschmer ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die neue Kette sei der alten ja ähnlich, aber von der Art her sehr dezent. Und sie sei auch gute Handarbeit. Er werde diese Kette an seinen Nachfolger übergeben. Und man werde wohl den Nachfolger nach der Amtskette aussuchen müssen, denn sie passe nicht zu jedem. „Dem Ersten Stadtrat Andreas Weiher passt sie, das haben wir schon ausprobiert“, witzelt der Bürgermeister, dessen Humor die Diebe nicht klauen konnten.


Leser-Kommentare ( 1 )
  • Occupy (367) | 22. July 2012;22.07.2012;1342944456 --> 22 Juli 2012
    Alles geklaut

    In BSS lässt sich der Bauhof Gerate für 10.000 € klauen, in Wächtersbach entwendet man die Amtskette: Für ersteres müssen die Bürger blechen, für die Ersatzkette findet sich vielleicht ein Spender. Zum Glück ist hier wie dort die Kasse leer, da ist nichts mehr zu holen. Deshalb bin ich
    gespannt, was man den Rathausleuten hier wie dort als nächstes unterm Hintern wegstiehlt!