Apothekensterben nicht akut, Sorgen bereiten Kommunikationsprobleme
Von Carlo Sporkmann
Region
Jede Woche schließen in Deutschland sechs Apotheken, sagt die Bundesvereinigung Deutscher Apotheken. Apotheker im Bergwinkel sehen das nicht so dramatisch und warnen vor unzureichender Informationspolitik seitens der Kassen.
Michael Umfeld ist sauer. Der Apotheker aus Sterbfritz hat keine akuten Existenzängste: Im Altkreis Schlüchtern haben in den vergangenen zwei Jahren gerade einmal zwei Apotheken zugemacht. Das ist die regionale Bilanz des viel zitierten „Apothekensterbens“.
Michael Umfeld ist sauer, weil sein Berufsstand zu spät von den Krankenkassen über wichtige Entscheidungen informiert werde. „Wenn diese in Verhandlungen mit Pharmafirmen stehen, wird uns das erst nach Abschluss eines Vertrags mitgeteilt.“ Dabei hat eine Entscheidung direkte Auswirkungen auf den Verkaufsalltag der Apotheker.
„25 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit dem Verkauf von Medikamenten nach eingehender Beratung“, sagt Dr. Peter Homann, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes und Apotheker in Schlüchtern. Dadurch kennt er eben auch die Arbeit an der „Front“: „Wir genießen ein hohes Ansehen und müssen viel erklären. Das macht schon Spaß, ist aber natürlich auch eine Herausforderung, wenn ein Patient mal wieder nachfragt, warum er sein bisheriges Standard-Medikament nun auf einmal nicht mehr bekommt. Das ist nervenzerrend, alle paar Wochen zu erläutern, dass das neue Präparat denselben Wirkstoff hat. Und das nur, weil die Krankenkasse kurzzeitig mit einer anderen Firma kooperiert“, sagt Homann.
Auch Florian Lanz, Pressesprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen kann das Klagen über das „Apothekensterben“ nicht mehr hören: „Das ist kein besonderer Trend, sondern eine ganz natürliche Entwicklung. Durch den Strukturwandel verlagert sich das Leben in die Städte, aufgrund dessen machen auf dem Land Arztpraxen dicht und Apotheken bricht eine große Einnahmequelle weg.“
Auch stören ihn die Verallgemeinerungen der Apotheker. So werde von ihnen immer nur das Einkommen eines „typischen“ Apothekers beziffert. „Wer an das Portemonnaie der Patienten will, der muss auch ehrlich sein und nicht immer nur Durchschnittswerte angeben.“ Hier ist Homann anders informiert: Im Internet werden regelmäßig die Umsatzzahlen aller Apotheken veröffentlicht. „Außerdem stimmt das Argument nicht, dass wir Apotheker immer mehr Geld verdienen. Wir bekommen nach wie vor einen Pauschalbetrag pro verkaufter Packung.“ Laut Lanz ist das aber nur die halbe Wahrheit. Im Gespräch mit unserer Zeitung stellt Florian Lanz klar: „Zusätzlich bekommt jede Apotheke drei Prozent des Verkaufspreises. Steigende Ausgaben der Kassen für Medikamente führen zwangsläufig schon zu höheren Einnahmen der Apotheken.“
Leser-Kommentare ( 1 )
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Occupy (366) | 7. September 2012;07.09.2012;1347010482 --> 07 September 2012
Genervt
Wie die Ärzte auch, jammern die Apother auf höchstem Niveau, ziehen sich aus der Fläche zurück und in die Städte, wo es noch genug Laufkundschaft gibt, welche die (meist) überhöhten Preise noch zahlen kann. Eine Frechheit überdies, sich "genervt" zu fühlen, wenn es andauernd nötig ist, die Patienten über von den Krankenkassen veranlasste Medikamentenlieferantenwechsel aufzuklären. Es wird höchste Zeit, dass die Apotheker von ihrem selbsterrichteten Sockel steigen!








