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3. März 2010



Schlüchterner Metzgerin gab Kochkurs

SCHLÜCHTERN Die Schlüchterner Metzgermeisterin Christine Ludwig hat Kunden zum Mitkochen eingeladen. Statt Küchenneulingen kamen erfahrene Hausfrauen – und lernten viel dazu.

Christine Ludwig, Mitinhaberin der Metzgerei Ludwig, bekommt es täglich mit: Viele junge Frauen und Männer kochen nur noch einfache Gerichte wie Geschnetzeltes oder Aufläufe. An die Zubereitung von Sauerbraten, Rouladen oder Rinderbraten wagen sich viele nicht heran. Das findet die 36-Jährige schade. Und weil sie nicht nur Metzgermeisterin, sondern auch gelernte Köchin ist, steuert sie dagegen und bietet nun Kochkurse an. Diese liegen in der Tradition des Hauses, wurden bislang allerdings immer nur als reine Vorführveranstaltung organisiert. Nun dürfen die Teilnehmer auch selbst mit Hand anlegen. Das sorgt für einen Ansturm auf die insgesamt fünf Veranstaltungen – und das nicht nur von jungen Frauen. Am ersten Abend stehen ausnahmslos erfahrene Hausfrauen von Mitte 30 bis über 60 Jahre in Ludwigs Küche: Keine Spur von Küchenneulingen.

Vor dem Genuss kommt die Arbeit


Das ausgewählte Menue würde einem Edel-Restaurant alle Ehre machen: Möhren-Kokos-Suppe mit Hähnchenspieß und Milchschaum als Vorspeise, Kalbssteaks mit Broccoli-Haube und Rieslingsoße sowie selbst gemachte Spätzle zum Hauptgang, Topfenschaum mit Beeren und süßer Pesto als Dessert. Doch vor dem Genuss kommt die Arbeit – die aber durchaus Spaß machen kann, wie Christine Ludwig beweist. Als Köchin mit Leib und Seele weckt sie im Nu die Begeisterung der rund ein Dutzend Gäste. Gekonnt zeigt sie, wie die leckeren Speisen frisch hergestellt werden. Da drängt sich die Frage auf: Wozu gibt es eigentlich Fertigprodukte, wenn die Natur beste Zutaten für vorzügliche Gerichte zuhauf bereit hält?
Möhren-Kokossuppe mit Hähnchenspießen
Zutaten für vier Personen: drei Schalotten, ein bis zwei Knoblauchzehen, 600 Gramm Möhren, 40 Gramm Butter, 400 Milliliter Kokosmilch, 150 Gramm Kartoffeln, ein Esslöffel brauner Zucker, 800 Gramm Fleischbrühe, Salz, Pfeffer, Limettensaft, Curry, Apfelsherry, Hähnchenbrustfilets, 80 Milliliter kalte Sahne, einige Holzspieße.

Zubereitung:
• Schalotten schälen, fein schneiden. Möhren und Kartoffeln schälen, in Scheiben schneiden. Butter in einem Topf erhitzen, Schalotten und Knoblauch darin andünsten. Möhren zugeben, mit Zucker bestreuen und karamellisieren. Kartoffeln zugeben und mit 400 Gramm Fleischbrühe ablöschen. 20 Minuten weiterkochen.
• Mit Salz und Pfeffer abschmecken, ein paar Möhren herausnehmen. Suppe pürieren und Kokosmilch zugeben. Fleischbrühe einrühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Zum Schluss Apfelsherry und etwas Limettensaft hinzugeben.

• Backofen auf 160 Grad vorheizen. Filets aufschneiden und leicht plattieren. Überhängende Teile abschneiden. Fleischzuschnitte mit Sahne und einer Prise Salz mit dem Pürierstab cremig pürieren. Diese Masse auf die gesalzenen Filets streichen, die Möhrenscheiben auflegen und aufrollen. Mit Küchengarn umwickeln und in Öl braten. Im Backofen etwa

sieben Minuten weiter garen. Herausnehmen, aufschneiden, auf Spieße stecken und das Ganze zur Suppe reichen. / usd
Für echten Geschmack muss der Hobbykoch zunächst den wichtigen Unterschied zwischen Fond und Bouillon verstehen. Das eine ist Basis für Soßen, das andere für Suppen. Bei beidem spielen Tierknochen – bei Laien wohl eher ein Abfallprodukt – als Geschmacksgeber die zentrale Rolle. Das Geheimnis liegt darin, wann sie alleine oder mit Fleisch gebraten, gekocht, blanchiert oder in kaltes Wasser gegeben werden. Die wichtigste Zutat, die dabei vom Koch selbst kommen muss: Geduld und mehrere Stunden Zeit. Zeit, die heute nicht jeder hat.

Wann würzen ist die Frage

Die Kochschülerinnen bombardieren ihre Lehrmeisterin mit Fragen, beispielsweise zum Thema Würzen. Die 36-Jährige beantwortet geduldig mit ihrem sympathischen oberpfälzischen Dialekt: „Das Würzen ist eine Frage der Gelehrten. Jeder macht es zu einem anderen Zeitpunkt. Ich verfeinere am liebsten gleich zu Beginn.“ Und schon hat sie die nächsten Aha-Erlebnisse parat. Der Teig für die Spätzle wird durch einen gelöcherten Deckel in einen Topf mit heißem Wasser gedrückt. Das sollte kräftig gesalzen sein, damit nicht der Geschmack aus dem Nudelteig herausgeht. Doch wer weiß das schon? Reumütig räumt die Hobbyköchin, die für das Salzen zuständig ist, ein: „Dann habe ich wohl zu wenig reingegeben.“ Die Spätzle gelingen dennoch, wohl auch, weil sie nach dem Kochen in ein kaltes Wasserbad gelegt und später in Butter geschwenkt werden. „Da habe ich wieder etwas dazugelernt“, kommentiert die Frau. Nach zwei Stunden ist das Mahl angerichtet. Fond und Bouillon sind vom Vortag, sonst hätte es länger gedauert. Am festlich gedeckten Tisch im Verkaufsraum lassen es sich die Hausfrauen munden. Und sie sind sich einig: Alle haben etwas dazugelernt und wollen das eine oder andere zu Hause ausprobieren.

Von unserem Mitarbeiter
Ulrich Schwind



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