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22. Februar 2012



Aschermittwoch: Pfarrer fasten 46 Tage lang

Von Julia Kreß

Region
Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die sich bis Ostern hinstreckt. Wie sie selbst fasten, erzählen auf Anfrage unserer Zeitung ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher aus dem Bergwinkel.

Fasten heißt verzichten. Sei es auf Fleisch, Alkohol oder Süßes – man soll sich eben auf Wesentliches beschränken.
„Ich verzichte während der Fastenzeit auf Alkohol“, erzählt Pfarrer Dr. Michael Müller von der Pfarrei St. Peter und Paul in Bad Soden-Salmünster. „Aber man soll in dieser Zeit nicht nur verzichten, sondern auch etwas mehr tun. Daher habe ich mir vorgenommen, ein Buch bewusst für mich zu lesen.“

Zwei Fastentage hebt der Geistliche besonders hervor: Aschermittwoch und Karfreitag. „Da wird nur einmal am Tag gegessen“, erklärt Müller. Dies sei ein Stück Solidarität mit Menschen, die nicht in einem reichen Land wie Deutschland geboren wurden. „Dann erst wird einem unser großer Reichtum bewusst. Während andere nichts zu essen haben, können wir auf alle möglichen Speisen zurückgreifen“, sagt der Geistliche.

Als Pfarrer könne man selbst entscheiden, auf was man verzichten will. Wichtig sei jedoch, dass „es mit dem Herzen geschieht“. Die Fastenzeit sei etwas Besonderes: „Das Weniger und das bewusste Verzichten prägen diese Zeit“, erläutert Müller. Zudem herrsche in den Gottesdiensten eine schlichte Liturgie. Die sonst mit Blumen geschmückte Kirche bleibt ohne florale Dekoration, die Kreuze werden verhüllt – „damit man auf das Wesentliche schauen kann, damit man Ostern neu sieht“.

Verzicht auf Alkohol und Fernsehen

Es gehe darum, einen neuen Blick auf Gott und auf das Leben zu erhalten. Und vielleicht auch darum, „das Kreuz, das wir selbst tragen, neu sehen zu lernen“, beschreibt der Pfarrer den tieferen Sinn. Auch wenn in der evangelischen Kirche die Fastenzeit nicht im Mittelpunkt stehe, verzichtet auch der Pfarrer der evangelischen Gemeinde Wallroth-Breitenbach-Kressenbach, Markus Heider, sieben Wochen lang. „Dem Alkohol und dem Fernsehen“ will der in Wallroth wohnende Geistliche entsagen. „Ob ich den TV-Konsum komplett einstelle oder nur auf Nachrichtensendungen beschränke, muss ich noch mit meiner Frau abklären“, sagt er schmunzelnd. In der so gewonnenen freien Zeit heiße es, sich neu zu orientieren und zu besinnen. „Ich werde vermehrt Briefe schreiben und telefonieren. Aber auch ein Buch lesen und noch mehr in die Bibel schauen“, erzählt Markus Heider.

Seine Erfahrungen mit dem Fasten? „Das Bier schmeckt an Ostern besonders gut“, meint er spitzbübisch. Und: „Die Feiertage werden dann anders erlebt.“ Auch das Fastenbrechen sei ein Thema für ihn, denn: „Ich habe während dieser Zeit Geburtstag.“

Seit einigen Jahren gebe es zwar die Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“, doch in der Zeit bis Ostern stehe vor allem die Passion Christi im Blickpunkt. „Es geht um die Konzentration auf Jesu Leben und Sterben. Er soll in den Mittelpunkt gerückt werden, sein Leidensweg soll bewusst werden“, betont Heider. Denn das gemeinsame Erinnern an Gottes Sohn ist in beiden Konfessionen gleich.

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