Bergwinkel-Museum zeigt Traditionelles aus Erzgebirge
Kathrin Noll
Schlüchtern
Stattliche Nussknacker, Räuchermännchen, Miniaturstuben mit verblüffenden Details, Pyramiden in allen Größen, filigrane Drechseleien und Schnitzereien: Das Bergwinkel-Museum in Schlüchtern zeigt vorraussichtlich bis Mitte Februar 2012 eine gelungene Sonderausstellung zum Thema „Volkskunst aus dem Erzgebirge“.
Schnitzen und Drechseln hat im Erzgebirge eine lange Tradition. Seit Jahrhunderten werden diese kunstfertigen Handwerkstechniken an nachfolgende Generationen weitervermittelt. Etliche Werkstätten befinden sich bis heute im Familienbesitz und stellen ihre kleinen Kostbarkeiten größtenteils noch immer in Handarbeit her. Nussknacker, Räuchermännchen, Pyramiden in allen Größen und Varianten sowie eine Vielzahl von filigranen Miniaturen sind derzeit in einer Sonderausstellung im Schlüchterner Bergwinkel-Museum zu bestaunen.
Die zum Teil alten und seltenen Exponate stammen aus Privatbesitz und wurden von Birgit Schwarzer, der Kuratorin der Schau, zusammengetragen und liebevoll arrangiert. Zu den ursprünglichsten Motiven der erzgebirgischen Volkskunst gehören die Lichterfiguren Engel und Bergmann, die tief im Brauchtum verankert sind. In der Vorweihnachtszeit wurden sie mit Kerzenbeleuchtung auf den Fensterbänken der Häuser platziert und wiesen zugleich auf die Größe der jeweiligen Familie hin: jeder Sohn hatte seinen eigenen Bergmann, jede Tochter ihren Engel. Die prachtvoll bemalten Figuren der Bergparaden aus Freiberg erinnern ebenfalls an die Zeiten, als der Bergbau die Haupteinnahmequelle der Region war.
Auch ein großer original Seiffener Schwibbogen ist ausgestellt, der mit zahlreichen Figürchen und Fahrzeugen bestückt ist. Oft kopiert und zum Wahrzeichen für das Spielzeugland Erzgebirge avanciert, ist das sogenannte Olbernhauer Reiterlein. Eindrucksvoll sind die winzigen Szenen, die in einer halben Walnussschale Platz finden. Und auch die Kurrendesänger gehören traditionell zur Weihnachtszeit dazu.
Doch nicht nur Advents- und Weihnachtsmotive sind in der Ausstellung zu entdecken: Da tummeln sich Schneewittchen und die sieben Zwerge, entzückende Blumenkinder, Jäger und Rehe oder winzige Handwerker in funktionstüchtigen Mini-Sägewerken. Ein außergewöhnliches Stück ist die Arche Noah mit allerlei heimischen und exotischen Reifentieren. Das Reifendrehen ist eine ganz besondere Handwerkstechnik: Dabei wird ein Reifen aus Holz mit dem Drechseleisen so bearbeitet, dass beim Aufschneiden desselben – wie beim Aufschneiden eines Brots – viele, kleine „Scheiben“ in Form von Tieren entstehen, die anschließend bunt bemalt werden.
Ebenfalls eine Eigenart des Erzgebirges sind die Spanbäume: Mit scharfem Messer werden von einem Holzstab Späne abgezogen, die allerdings nicht vollkommen entfernt, sondern in kleinen Löckchen entlang des Stabes nach oben gerollt werden und sich dann dort als lustige Äste ringeln. Sie zieren Schwibbögen, Pyramiden und zahllose erzgebirgische Miniaturszenen.
Die Ausstellung im Bergwinkel-Museum, Schlossstraße 15 in Schlüchtern, kann voraussichtlich noch bis Mitte Februar besichtigt werden. Die Winteröffnungszeiten sind Freitag, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Vom 24. Dezember bis einschließlich 3. Januar 2012 bleibt das Museum geschlossen. Weitere Informationen unter Telefon (0 66 61) 85-359 oder 85-750.
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