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28. August 2012



Bombendrohung überschattet Mediation

Von Frank Kaminski und Andreas Ungermann

Region
Das Mediationsverfahren, das die Wogen im Schulstreit glätten soll, ist nun selbst Ziel eskalierender Wut geworden: Am Dienstagmorgen erhielt die Kreisverwaltung einen Drohanruf, der für die Mediationsveranstaltung am Abend in der Konzerthalle der Spessart-Therme in Bad Soden-Salmünster einen Gewaltakt ankündigte.

Der Anruf kam um zehn Uhr. Die Sekretärin von Schuldezernent Matthias Zach (Grüne) nahm das Gespräch entgegen. Sie gab zu Protokoll, dass der Anruf von einer Telefonzelle aus gemacht worden sei. Der Anrufer habe sich als Herr Müller vorgestellt und den Schuldezernenten sprechen wollen. Auf ihre Nachfrage, wie sie ihm weiterhelfen könne, habe er geantwortet: „gar nicht“.

Der Unbekannte habe dann gesagt,  sie solle ihm auch keine Fragen stellen. Vielmehr solle sie Folgendes ausrichten: Es gehe um die Mediationsveranstaltung heute Abend. Er sei ein alter Mann und würde „alles dafür tun, dass die geplanten Schulschließungen nicht erfolgen“. Herrn Zach würde er „Feuer unterm Arsch machen“, er hätte genug Sprengstoff und Dynamit und nichts zu verlieren. Zach könne nicht machen, was er wolle „und seinem Freund, dem Papi, nein Pipa, würde er auch Feuer machen“.

Zach, der am Abend zuvor von dem Unbekannten auch zu Hause zweimal angerufen und ähnlich bedroht worden war, wirkte am Dienstag äußerlich gefasst. „Wir haben eine völlig emotionalisierte Situation. Wir müssen jetzt alle dafür sorgen, dass das Ganze nicht noch weiter eskaliert.“

Hundeführer im Einsatz

Zwar gab der Grünen-Politiker zu, dass „es nicht einfach ist, solch eine Drohung aus dem Anzug zu schütteln“. Er wolle sich auch nicht einschüchtern lassen. „Wir dürfen und werden uns das Mediationsverfahren nicht kaputt machen lassen. Es geht jetzt darum, mit hohem Vertrauen in den Mediator weiterhin sachlich unsere Argumente auszutauschen.“ Landrat Pipa, der von diesem Anruf per Telefonnotiz in Kenntnis gesetzt wurde, alarmierte daraufhin die Polizei.

Die wollte am Mittag mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine näheren Angaben machen. „Es handelt sich um die Androhung einer schweren Straftat. In einem solchen Fall fährt ein Apparat hoch, der Summen verschlingt, weil wir alles tun müssen, um eine Straftat zu verhindern. Auf der anderen Seite läuft ein Ermittlungsverfahren an“, erläutert Henry Faltin, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Süd-Osthessen. Die Strafe sei für solche Täter dann gar nicht einmal das Schlimmste. „Wer böswillig solche Drohungen ausspricht, muss damit rechnen, mit mehreren 10 000 Euro für den Polizeieinsatz in Regress genommen zu werden“, sagt Faltin. „Ich halte diese Drohung zwar für einen dummen Spruch, aber ich sage auch: Wehret den Anfängen!“ Im gleichen Atemzug mahnte er alle Beteiligten, das Mediationsverfahren wieder „in geordnete Bahnen“ zu lenken. Durch persönliche Attacken und unsachgemäße Kommentierungen sei das Hauptziel des Verfahrens, nämlich eine Befriedung des Konfliktes, bedroht.

Mehrere Polizisten in Zivil und uniformiert waren zum Mediationsverfahren  anwesend. Ebenso überwachten Polizei-Hundeführer das Gelände. Einzelne Personenkontrollen wurden durchgeführt, um die Sicherheit zu gewährleisten. „Es kann nicht sein, dass selbsternannte Schulexperten das Ergebnis jetzt schon zu kennen meinen und durch persönliche Beschimpfungen gegen Matthias Zach ein Klima erzeugen, das niemand akzeptieren kann. Hier wird mit dem Feuer gespielt“, warnte Pipa.

„Alle, also Politiker, Bürger und Journalisten, müssen jetzt dazu beitragen, den Konflikt wieder auf eine sachliche Ebene zu bringen. Und das tun sie am besten, indem sie akzeptieren, dass derzeit der Mediator Chef im Ring ist und man ihn seine Arbeit machen lässt.“ Mediator Eberhardt Luft mahnte aufgrund dieser Ereignisse am Abend erneut zu Besonnenheit und einem respektvollen Umgang miteinander. „Im Großen und Ganzen ist das Mediationsverfahren bislang sachlich verlaufen. Dass die Emotionen hochkochen, liegt allein an der Begleitmusik in Form von Spekulationen, Kommentaren und Aktionen.“ Er selbst wolle seinen Stil beibehalten und die Mediation „sachlich und transparent“ leiten.


Leser-Kommentare ( 2 )
  • Occupy (366) | 29. August 2012;29.08.2012;1346230033 --> 29 August 2012
    Im Märtyrer-Modus

    "Wir müssen jetzt alle dafür sorgen, dass das Ganze nicht noch weiter eskaliert.“ Warum hat Herr Zach das nicht längst selbst getan? Er hat die (verurteilenswerte) Gewalt-Eskalation mit seiner rigiden Art selbst verursacht: Jetzt ruft der Brandstifter am lautesten nach der Feuerwehr! Und mit seinem neugewonnenen Märtyrer-Modus ist er jetzt rundum vor Verurteilung geschützt.

  • gude19 (17) | 29. August 2012;29.08.2012;1346231673 --> 29 August 2012
    Was soll den das jetzt?

    Man kann ja viel los lassen. Aber im Zuge einer Bombendrohung von Brandstifter zu sprechen ist wirklich zu viel des Guten.