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9. September 2012



Bürger gegen Windräder am Münsterberg

Von Elisabeth Schmitt

Bad Soden
Die Kurstadt wehrt sich gegen mögliche Windkraftanlagen am Münsterberg. Besorgte Bürger trafen sich am Freitagabend, um sich über mögliche Beeinträchtigungen der Gesundheit, Zerstörung von Natur und Erholung und weitere Folgen zu informieren.

„Es betrifft uns alle, und wir müssen mit Konsequenzen rechnen, die wir alle nicht absehen können“, sagte Marion Betz-Berthold, die als besorgte Bürgerin die Bürger und auch Experten eingeladen hatte. Das Interesse war beachtlich, und im Kollegraum des Maximilian-Kolbe-Hauses mussten noch weitere Stühle aufgestellt werden, um allen einen Sitzplatz zu bieten. Betz-Berthold legte Wert auf die Feststellung, dass es sich um eine überparteiliche Veranstaltung handelt. Bei aller Befürwortung erneuerbarer Energien gelte es, mögliche gesundheitliche und auch wirtschaftliche Auswirkungen auf die Bürger und die Stadt zu sehen.

„Es ist fünf vor zwölf“, sagte Betz-Berthold und wies auf eine Sitzung des Hessischen Landtags am 24. September hin, in der „die Option, die derzeitige Empfehlung des Mindesabstandes zur Wohnbebauung von 1000 auf 2000 Meter gekippt werden soll“. Und gerade dieser Punkt kam deutlich zur Sprache. Für den Rotmilan ist ein Abstand von zwei, für den Schwarzstorch sogar von drei Kilometern festgelegt, stellte Klaus Eichenauer von der Nabu-Ortsgruppe Bad Soden-Salmünster fest. Er habe eine entsprechende Stellungnahme abgegeben. Eichenauer wunderte sich auch, dass der schon stehende Windmessmast offenbar von Wächtersbach beantragt wurde und bezahlt wird, aber auf Salmünsterer Gemarkung stehe.

Ralf Baumgarten aus Bad Orb outete sich als ursprünglich glühender Verfechter der Windenergie. Seit ihm aber jemand die Dimension der für seine Heimatstadt geplanten Anlagen drastisch vor Augen geführt habe, sehe er es anders. Er sprach von einer „verspargelten“ Landschaft, in der sich möglicherweise die Gäste nicht mehr wohlfühlen und deshalb ausbleiben. Er befürchtet weiterhin erhebliche Wertminderungen von Immobilien und sagte: „Sie werden die Dinger hören.“ Skeptisch war er auch, ob die riesigen Anlagen nach Ablauf der Zeit in 20 Jahren wirklich ab- und zurückgebaut werden.

Heinz-Josef Prehler aus Bad Orb berichtete von Appellen von Tourismusverbänden – bereits vor etlichen Jahren. Bei der bevorzugten baurechtlichen Behandlung der Windkraftanlagen habe man mögliche Auswirkungen für Kur und Tourismus „zu wenig abgewogen“, so Prehler. „Ich würde gerne ein Schwarzstorch sein, dann hätte ich 3000 Meter Abstand“, sagte Dr. Eckhard Kuck (Bad Orb), der gesundheitliche Folgen beleuchtete. Neben Geräuschen und dem Schlagschatten, der „periodisch und unausweichlich“ vorhanden sei, spiele der Infraschall eine Rolle, der bis zu zwölf Kilometern reiche. Man höre und spüre ihn nicht, aber es seien psychische und physische Folgen wie Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf-Probleme, Nervosität oder Schlafstörungen zu befürchten. Kuck sprach von einer bewussten Desinformation der Menschen.

Demonstration in Gelnhausen

Gerade hätten sich die Kliniken nach dem großen Einbruch stabilisiert, da drohe neues Ungemach, meinte Dieter Holk (Salztalklinik und Netzwerk für Gesundheit). Man frage sich, ob die Einnahmen duch die Windkraft die Folgen der Einbussen in Kur- und Reha in der Stadt aufwiegen könnten. In einem offenen Brief (siehe KNvom 8. September) hatte das Netzwerk seine Befürchtungen deutlich gemacht.
Die Anwesenden trugen zu einem regen Gedanken- und Informationsaustausch bei. Eine Bürgerinitiative wurde an diesem Abend noch nicht gegründet, aber zur Teilnahme an der Demonstration der Biebergemünder Windkraftgegener am 20. September in Gelnhausen aufgerufen. Treffen dazu ist 17.30 Uhr auf der Müllerwiese.


Leser-Kommentare ( 2 )
  • Occupy (366) | 10. September 2012;10.09.2012;1347291230 --> 10 September 2012
    Der hier verlangten Kürze wegen...

    ...einfach mal die Motive der hiesigen Windkraft- und Fortschrittsverweigerer auf einen Nenner bringen: Am lautesten sind, die ihren Geldbeutel schützen wollen, die anderen hätten´s grundsätzlich gerne leiser und weiter weg. Am besten so weit weg wie die AKWs, die stören ja hier den Kurfrieden nicht. Und der Strom kommt weiterhin aus der Steckdose!

  • Nachdenk (54) | 4. October 2012;04.10.2012;1349332164 --> 04 Oktober 2012
    Gegenfrage

    ...einfach mal die Motive der hiesigen Windkraftbefürworter hinterfragen! Am lautesten sind, die ihren Geldbeutel füllen wollen, die anderen hätten´s grundsätzlich gerne leiser und weiter weg.Hauptsache WKA´s egal um wechen Preis! Und Ja, der Strom kommt wird weiterhin aus der Steckdose kommen!