Fulda +28°/+14°C
> >     
Social Plugins können Daten übertragen (siehe Datenschutzbestimmungen)
23. Oktober 2011



Daniel Mack: Karriere gehört nicht zu meinem Wortschatz

Von Julia Weigelt

Bad Orb
Manche sehen ihn als Vorreiter der „Digital Natives“, die mit dem Internet aufgewachsen sind. Für den Fraktionsvorstand der Kreis-Grünen ist er eher ein Sorgenkind: Am Bad Orber Kreistagsmitglied Daniel Mack scheiden sich die Geister. Er selbst kann die Aufregung um seine Person nicht verstehen.

Er kommt mit dem Zug. Die Strecke vom Bahnhof in die Schlüchterner Innenstadt läuft Daniel Mack zum ersten Mal. „Doch ganz schön weit“, stellt er fest. Und sagt gleich, wie wichtig es sei, dass der Landkreis in seiner Gänze und Vielschichtigkeit betrachtet werde – vor allem im Kreistag. Dass es vom Schlüchterner Bahnhof weiter bis zum nächsten Café ist als in Gelnhausen, hat auch der 24-Jährige jetzt gemerkt.

2009 haben Sie es mit Rassismusvorwürfen bis auf Spiegel-Online geschafft, jetzt sind Sie mit der Twitter-Affäre in den Medien. Wollen Sie der berühmteste Kreistagsabgeordnete Hessens werden?
Nee, ist nicht mein Ziel.

Ist die Schelte Ihres Fraktionsvorstandes gerechtfertigt?
Nein. Denn sehen Sie: Die Kritiker sind sich ja noch nicht mal einig. Der Deutschen Presseagentur wird gesagt, meine Online-Einträge behandeln zu viel Fußball und Belangloses, dem Hessischen Rundfunk wird gesagt, abweichende Meinungen könnten nicht geäußert werden. Jetzt heißt es, ich trüge Vorstandsinterna nach außen. Meinen Rücktritt nahm man nicht an, wählte mich fernab der Geschäftsordnung aus dem Amt. Beiträge über Interna gab es nicht und sie wird es auch nicht geben. Man konnte mir im Übrigen auch keine zeigen. Das ist hilflos. Ich stimme dem Vorstand insofern zu, wenn er sagt, man brauche geschützte Räume, in denen diskutiert werden kann. Das darf man aber nicht mit Hinterzimmerpolitik verwechseln. Kommunikation ist heute nicht mehr One-Way, sondern Dialog und Austausch, online und offline. Die Betonung liegt jeweils auf dem und. Wer Dirk Nowitzki antwittern und mit der Fußballnationalmannschaft chatten kann, der erwartet diese Nähe auch von der Politik. Auf kinzigtal-nachrichten.de konnte man vor zehn Jahren auch noch keine Kommentare hinterlassen. Es ist gut, dass man es heute kann. Und darum geht es auch: direkte Verbindungen herstellen.

Was ist dann das Problem, das der Vorstand mit Ihnen hat?
Wenn sich eingefahrene Kommunikationswege ändern, erzeugt das erstmal Irritationen. Die Folge von Social Media ist: Jeder hat die gleichen Ausgangsbedingungen. Das hat mit alten Hierarchien wenig zu tun. Es gibt bald keinen Unterschied mehr zwischen online und offline; das ist eine Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten ist. Nicht das Internet ist das Medium, wir Bürger sind das Medium. Und wir reichen die Informationen weiter und bewerten sie.  

In den vergangenen Jahren stellten Grünenpolitiker auf Kreis- und Landesebene immer wieder fest, dass Ihre Mitteilungen nicht zwangsläufig die Meinung der Partei widerspiegeln. Besonders karrierefördernd ist Ihr Verhalten nicht.
Das Wort Karriere gehört nicht zu meinem Wortschatz. Ich habe keine Lust auf Politiker, die sich verstellen, um schneller voranzukommen. Ich stehe zu meinen Überzeugungen, trete für die Energiewende und Grüne Marktwirtschaft ein und bin kein Anhänger von Müsli-Argumenten. Warum soll ich meine Überzeugungen über Bord werfen? Um schneller Karriere zu machen? Wer so denkt, der irrt. Mir geht’s nicht ums Sein, sondern um Veränderung.

Zur Person
Der Kreistagsabgeordnete Daniel Mack ist 24 Jahre alt, wurde in Salmünster geboren und wohnt in Bad Orb. Er studiert in Marburg Jura. 2005 trat er den Grünen bei und wurde ein Jahr später in den Kreistag gewählt. Zwischenzeitlich war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender; aus dem Amt wurde er jüngst herausgewählt. Der Vorstand begründete dies mit dem erschütterten Vertrauensverhältnis nach Macks Online-Aktivitäten.
Den neuen CDU-Kreisvorsitzenden Dr. Peter Tauber müssten Sie ja ganz cool finden mit seinen Internet-Aktivitäten.
Tauber ist genauso cool wie alle anderen in der Union, und besonders cool sind die nicht. Er weiß aber das Internet zu nutzen, das macht in seiner Partei nicht jeder.

Viele Menschen wissen heute noch nicht, was Twitter und Facebook überhaupt sind.
Viele? Naja. Ein paar vielleicht. Man muss das ja auch nicht nutzen. Der Kreistag des Main-Kinzig-Kreises ist überaltert. Ich würde mich freuen, wenn in Parlamenten und Parteien generell mehr junge Menschen dabei wären. Obwohl Ahnungslosigkeit im Umgang mit dem Internet als Kommunikationsweg nicht unbedingt eine Altersfrage sein muss, sondern eher eine Frage der inneren Einstellung. Politik kann noch cooler werden. Und da ist meine Erfahrung: Statt blinkender Buttons auf der Homepage wollen die Leute sich einbringen und mitmachen, Kommentare hinterlassen, Fragen stellen und Antworten bekommen. Sie wollen Hintergründe und Meinungen. Ein lokales Beispiel ist das Thema Fluglärm. Ich bin mir sicher: Ohne die Mobilisierung der Bürger im Internet wären zur großen Fluglärmveranstaltung im Main-Kinzig-Forum nicht halb so viele Menschen gekommen. Zur Politik im 21. Jahrhundert gehören das Internet und damit die kurzen Wege des Dialogs zwischen Politikern und Bürger dazu.

Sie haben zweimal für den Landtag kandidiert – wollen Sie es 2014 nochmal versuchen?
Erstmal muss die Eintracht bis dahin wieder in der ersten Liga spielen. Was ich auf jeden Fall weiß: Ich werde auch 2014 ein politischer Mensch sein und mich für eine ökologische und soziale Marktwirtschaft, die regionale Energiewende und eine direktere politische Kommunikation einsetzen. In welchem Rahmen das dann geschieht, kann ich jetzt noch nicht sagen.



Leser-Kommentare ( 0 )
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden