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7. Januar 2012



Ein Beschluss, der Wutbürger generiert?

Von Andreas Ungermann

Schlüchtern
Kritik erntet die Magistratsentscheidung, das Weitzeldenkmal in völlig neuer Form in Auftrag zu geben, auch aus den Fraktionen der Schlüchterner Stadtverordnetenversammlung.

In deren nächster Sitzung wollen die Grünen gar einen Antrag formulieren, der Bürgermeister und Stadträte auffordert, ihren Entschluss noch einmal zu überdenken.

Die Entscheidung für den Neubau des Weitzeldenkmals nach dem Entwurf von Dr. Ulrich Barnickel sei im Magistrat „einmütig“ gefallen, erklärt Schlüchterns Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD). Vertreten sind darin neben dem Rathauschef vier SPD-, zwei CDU- und je ein FDP- sowie Grünen-Stadtrat. Bei „einmütiger“ Beschlussfassung müssen diese also anders votiert haben, als es wohl die meisten Stadtverordneten getan hätten – zumindest, wenn es nach Stellungnahmen der Fraktionsvorsitzenden geht.

Die Reaktionen der Bürger in der KN-Ted-Umfrage mit ihrem „brutal deutlichen“ Ergebnis, in Leserbriefen und Gesprächen, zeigten deutlich, dass hier kein freundliches Desinteresse bestehe, konstatiert CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Heil. Zwar wolle er nicht die Deutungshoheit über Kunstwerke für seine Fraktion übernehmen. Noch wolle er den Vorgang tadelnd kritisieren. „Aber, der Modus der Entscheidung für dieses ,bizarre‘ Kunstwerk entspricht nicht den Gepflogenheiten einer offenen Bürgergesellschaft“, so Heil. Um einen größeren Kreis anzusprechen, hätten Modelle verschiedener Künstler im Rathaus oder in den KN vorgestellt werden sollen. Nun sei die Situation aber dazu geeignet, künftige ähnliche Projekte wegen der beispielgebenden Wirkung zu verhindern. Fritzsch hätte bedenken müssen, ob auf diese Weise nicht Wutbürger generiert würden.

Dass es zur Debatte um die Frage „Was ist Kunst?“ kommen würde, sobald die Entscheidung für das neue Denkmal gefallen war, sei zu erwarten gewesen. Auch, dass man es in dieser Diskussion nie allen recht machen könne, erklärt Dr. Peter Büttner, FDP-Fraktionsvorsitzender. Nach Auffassung der Freidemokraten hätte der Magistrat eine breit aufgestellte Kommission bilden sollen, die befugt gewesen wäre, nach dem Mehrheitsprinzip zu entscheiden.
Nicht nur den Beschluss an sich, sondern die gesamte Debatte bewertet SPD-Fraktionschef Matthias Möller kritisch. Eine eindeutige Fraktionsmeinung gebe es nicht. Wenngleich er den Magistrat als gewähltes Gremium nicht anzweifeln wolle, bedauere er doch, dass die Entscheidung allein von diesem gefällt und nicht „auf breite Füße gestellt“ worden sei. „Es ist traurig, dass wir in Schlüchtern wieder mit so einem Streit Schlagzeilen machen. Wir haben andere Probleme“, gibt Möller zu bedenken und meint damit Wirtschaft und Haushalt. Statt einer Skulptur hätte Möller die Verknüpfung des Denkmals mit einer städte- beziehungsweise landschaftsbaulichen Leistung bevorzugt. Einen Spielplatz oder einen Platz mit Verweilcharakter nennt er als Beispiele.

„Wir haben ganz andere Probleme“

Drastischer drückt sich Grünen-Fraktionschef Reinhard Möller aus, er spricht von einem „nicht akzeptablen Vorgehen des Bürgermeisters“. Da lange Zeit vom Erhalt des Sandsteindenkmals die Rede gewesen sei, müssten sich die Bürger an der Nase herumgeführt und die Spender übergangen fühlen. Die öffentliche Diskussion sei unbedingt erforderlich. Möller: „Wir fordern, dass der Magistrat seine Entscheidung noch einmal vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion überdenkt. Dazu werden wir in der nächsten Stadtverordnetensitzung einen entsprechenden Antrag einbringen.“ Seit Beginn der Debatte hat sich der Magistrat laut Fritzsch nicht mit dem Denkmal beschäftigt. Auf die Frage, ob es in der nächsten Sitzung kommenden Mittwoch auf der Agenda steht, antwortet er mit einem einfachen „Nö“.



Leser-Kommentare ( 1 )
  • Citybewohner (28) | 7. January 2012;07.01.2012;1325939536 --> 07 Januar 2012
    Das ist doch an Arroganz kaum zu überbieten

    Bürger und Vereine haben für den Erhalt des Denkmals gespendet, und Bürgermeister samt Magistrat gehen mit dem Geld um als wäre es aus ihrer Privatschatulle. Der Spendenaufruf war "Für den Erhalt des Weitzeldenkmals" und nicht für einen Spielplatz der SPD-Fraktion o.ä. Ich fordere jeden der gespendet hat und im Besitz der Quittung ist auf, diese Spende zurückzufordern!