Erstes Gutachten zum Tod eines Jungen in Kreisklinik liegt vor
ka, hgs
Region
Knapp 50 Tage, nachdem der plötzliche Tod eines siebenjährigen Jungen in den Main-Kinzig-Kliniken Gelnhausen, weit über den Landkreis hinaus, für Schlagzeilen gesorgt hat, liegt nun eine erste offizielle Einschätzung vor.
Ein von der Staatsanwaltschaft Hanau bei der Frankfurter Rechtsmedizin in Auftrag gegebenes vorläufiges Gutachten kommt im Kern zu dem Schluss, dass ein strafrechtlicher Tatbestand mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden könne. Die Staatsanwaltschaft bestätigte gestern auf Anfrage nur die Existenz des Dokuments. Zu dessen Inhalt oder Ergebnis wollte sich die stellvertretende Behördenleiterin Christina Kreis jedoch nicht äußern.
Das Gutachten sei erst dieser Tage der Familie des Kindes sowie den Main-Kinzig-Kliniken nebst deren Anwälten zugestellt worden, hieß es. Diese hätten jetzt einen Monat Zeit, um sich dazu zu äußern. Womöglich könne auch ein weiteres Gutachten erforderlich werden. Wenn die an dem Ermittlungsverfahren Beteiligten ihre Stellungnahmen abgegeben hätten, entscheide dann die Staatsanwaltschaft, ob gemäß der Strafprozessordnung ein hinreichender Tatverdacht bestehe und Anklage erhoben werde, oder ob das Verfahren eingestellt wird.
Wie berichtet, war Hazra Zülküflü in der Nacht zum 1. September, einem Samstag, gegen 2 Uhr wegen starker Bauchschmerzen in die Klinik gekommen. Fünf Stunden später war er tot. Der Junge, der mit seiner Familie – alevitische Kurden – in Linz lebte, war mit seinen Eltern und den beiden Geschwistern bei seiner Tante in Schlüchtern zu Besuch. „Er hat am Freitagabend mit seinem Vater noch Fußball gespielt. Gegen 22.30 Uhr kam Hazra aus seinem Bett und klagte über Bauchschmerzen“, hatte sein Onkel Mustafa Zülküflü (Altengronau) die Situation damals beschrieben.
Die Familie rief daraufhin einen Krankenwagen, der den Jungen nach Gelnhausen brachte. Die Schmerzen seien immer schlimmer geworden: „Meiner Meinung nach hat sich niemand richtig um das Kind gekümmert“, hatte der Onkel schwere Vorwürfe erhoben. Dagegen hatte die Klinik erklärt, dass Diagnostik und Behandlung direkt in die Wege geleitet worden seien.
In den ersten beiden Stunden der Behandlung sei der Zustand des Kindes, bei welchem eine angeborene Vorerkrankung bekannt gewesen sei, stabil gewesen. Urplötzlich aber habe sich der Gesundheitszustand binnen Minuten dramatisch und lebensbedrohlich verschlechtert. Die intensivmedizinischen Maßnahmen hätten nicht verhindert, dass der Junge gegen 5 Uhr starb, hatte die Klinik danach in einer Pressemitteilung erklärt. Deren Geschäftsführer Dieter Bartsch wollte das Gutachten gestern noch nicht inhaltlich bewerten.
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