Göbs kämpfen gegen Todesfallen in Schwimmbecken
Von Hanns Szczepanek
Schlüchtern
„Wir haben den Kampf nicht angefangen, aber wir werden ihn zu Ende führen.“ Was zunächst etwas martialisch klingt, ist keine Drohung gegen Personen, sondern Ausdruck des vehementen Einsatzes für eine gute Sache, der sich Ulrike und Alexander Göb verschrieben haben. Das Ehepaar kämpft gegen todbringende Hotelpools.
Als die beiden damit angefangen haben, gegen teils hanebüchene Sicherheitsvorkehrungen in den Schwimmbecken mancher Ferienanlagen mobil zu machen, glich dieser Kampf noch dem des David gegen Goliath. Doch die vielfältigen Bemühungen des Paares aus Bad Orb und Schlüchtern beginnen Früchte zu tragen.
Quelle ihres Durchhaltevermögens und ihrer Kraft, Rückschläge wegzustecken und sich danach „Jetzt erst recht“ zu sagen, ist die Erinnerung an ihren Sohn Lucas. Der Achtjährige war während eines Badeurlaubs auf Fuerteventura im Oktober vorigen Jahres an den Folgen eines Unfalls im Pool des Hotels Sunrise Monica Beach in Costa Calma gestorben (wir berichteten). Während die Eltern nach Liegestühlen suchten, um ihr einziges Kind vom Beckenrand aus zu beobachten, war der Junge – ein guter Schwimmer – ihren Angaben zufolge von einer Ansaugpumpe auf den Grund des knapp 1,50 Meter tiefen Beckens gezogen worden. Erst mit Hilfe von zwei Männern habe Lucas von dem Schacht befreit werden können. Ein Hotelgast habe den Bub dann wiederbelebt, erzählt Alexander Göb (36). Lucas habe einen großen Bluterguss auf der Brust gehabt, aber „ganz eindeutig gelebt“. In den Krankenwagen hätten die Eltern dennoch nicht einsteigen dürfen, sondern in einem Auto hinterherfahren müssen. An der Ostküste sei Lucas in ein anderes Fahrzeug umgeladen worden, die örtliche Polizei „hat uns aber nicht zum Rettungswagen gelassen“.
Zweieinhalb Stunden nach dem Unfall sei schließlich eine Klinik im Norden der Insel angesteuert worden. Erst dort durften die Göbs ihr mittlerweile totes Kind wiedersehen. Ihren Frust und ihren Ärger über ignorante Behörden, langsame Mühlen der Justiz sowie über die Gleichgültigkeit mancher Reiseveranstalter („Viele haben uns nicht einmal geantwortet ...“) und Hoteliers in den Urlaubsorten haben die Göbs in Willenskraft umgemünzt – eine sehr konstruktive Form der Trauerarbeit. „Natürlich sind wir auch manchmal verzweifelt, aber wir wissen, warum wir das alles tun“, sagt die 35-jährige Ulrike Göb entschlossen. Das Ziel: Die mitunter katastrophalen Zustände in Hotelpools nachhaltig verbessern. Hierfür ist das Ehepaar seit Ende 2011 quer durch Deutschland gefahren, hat andere Eltern auf Flughäfen auf die Gefahren hingewiesen und die Problematik bereits in mehreren TV-Sendungen geschildert.
Mittlerweile haben die Göbs viele Kontakte geknüpft. Dazu gehören auch Eltern mit ähnlichem Schicksal sowie Sicherheitsexperten wie jene von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Daraus entsteht ein täglich dichter werdendes und inzwischen schon internationales Netzwerk. „Zurzeit geht richtig was vorwärts“, freut sich Alexander Göb über erste Früchte der monatelangen Aufbauarbeit.
Stolz sind die Göbs, dass sie inzwischen den Deutschen Reiseverband (DRV) für ihre Initiative haben gewinnen können. Auf Mallorca fand im Mai auch eine erste Schulung statt, doch die Göbs wollen weiter aufbauen und im Winterhalbjahr bei Spezialfirmen ihre Fortbildung zu sachkundigen Pooltestern vervollständigen. Während der DRV mit mehrsprachigen Broschüren und eigenen Testern zunächst Anlagen in Spanien und der Türkei im Visier hat, wollen sich Ulrike und Alexander Göb vor allem auf die Region Rhein-Main konzentrieren und die Betreiber von Hallen- oder Freibädern für freiwillige Kontrollen gewinnen. Denn nach ihren Erkenntnissen müssen etliche Gefahrenquellen bislang noch gar nicht geprüft werden.
Kontakt und Spenden: Die neue, auch international orientierte Internetseite der Familie Göb ist samt Verweis auf den eigens gegründeten Verein „Sicherheit in Hotelpools“, dessen Vorsitzender Alexander Göb ist, unter parents4safety.de zu finden. Dort findet sich auch eine Pool-Checkliste. Das Spendenkonto hat die Nummer 8 70 05 91 bei der VR-Bank Bad Orb/Gelnhausen (BLZ 507 900 00). Eine sehr persönliche Beschreibung des tragischen Tods von Lucas Göb sowie von zwölf anderen Kindern sind auf der Seite philippstraeume.de nachzulesen. Zusammen mit RTL wurde die Webseite sichererpool.de eingerichtet. / hgs
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