Hof Reith ist fast vollständig belegt
Von Carlo Sporkmann
Schlüchtern
Mitten im Gewerbegebiet in Schlüchtern, umgeben von gelbblühenden Feldpflanzen liegt Hof Reith. Das ehemalige Schülerwohnheim des Ulrich-von-Hutten-Gymnasiums ist heute eines der hessenweit vier Erstaufnahmelager für Asylbwerber. Aktuell leben hier 139 Menschen aus 21 Ländern.
Volker Schultheis nennt es liebevoll „Hotel“. Seit den 1980er Jahren ist der 52-Jährige für Wohnheime von Asylsuchenden zuständig. „Am Donnerstag kommen noch sieben Neue, dann sind wir 146 hier, und bei 150 ist Schluss.“ Gerade erst sind die neuesten Aufnahmezahlen für den Kreis veröffentlicht worden (siehe nebenstehenden Kasten), da die Zahlen der Asylbewerber bundesweit immer weiter ansteigen. Schultheis Standpunkt dazu ist klar: „Dann muss der Kreisausschuss in der kommenden Woche überlegen, wie er mit den steigenden Zahlen umgehen will. Das ist ja nicht erst seit gestern so.“
Die meisten Asylsuchenden würden nicht lange auf Hof Reith bleiben: „Wir haben eine ständige Fluktuation. In der Regel leiten wir pro Woche zehn bis 20 Bewohner weiter in die Kommunen“, erklärt Schultheis. Allerdings müsse auch entsprechend Platz angeboten werden: „Wir können ja nicht eine Familie auseinanderreißen, nur weil wir eine Zweizimmerwohnung angeboten bekommen. Die kriegt dann jemand anders.“ Deshalb bekommt eben nicht der, der am längsten da ist, zuerst einen Platz.
Haniyeh Reshad dadanlou ist seit fast zwei Jahren hier. „Einer weiblichen Einzelperson ist halt schwierig eine Wohnung zu vermitteln“, muss Schultheis schulterzuckend zugeben. Die 25-Jährige ist zusammen mit ihrer Cousine aus dem Iran geflohen, weil sie „die politische Situation dort nicht mehr aushält“, erklärt die junge Frau in gebrochenem Deutsch. Frauen dürften dort nur verschleiert in die Öffentlichkeit treten. „Das ist hier schon anders.“ Klar komme es auch mal zu Streitereien mit den anderen Bewohnern, „da wir einfach alle eine andere Kultur haben“.
Haniyeh sitzt aber nicht nur herum und wartet auf einen Platz in einer Kommune: „Ich habe mehrere Deutschkurse hier belegt. Was soll ich denn sonst den ganzen Tag machen? Fernsehen?“ Sie schüttelt entschieden den Kopf. Dank Caritas und Diakonie können Asylbewerber vor Ort Sprachkurse besuchen. Darauf ist Volker Schultheis stolz, „denn in vielen anderen Kreisen wird nicht so viel Geld in die Asyl-Erstaufnahmelager gesteckt“. Dennoch bleibe aktuell die Frage, wie der Landkreis mit der weiter steigenden Zahl von Asylanträgen langfristig umgehen wird.
Die Anzahl der Asylbewerber und anderer ausländischer Flüchtlinge steigt im Main-Kinzig-Kreis beständig. Derzeit sind es rund 850. Hof Reith in Schlüchtern mit einer Kapazität von 150 Betten wird wohl bis zum Ende der Woche voll belegt sein, teilt die Kreisverwaltung mit. Die Asylbewerber werden nach einem Verteilungsschlüssel, der sich nach der Einwohnerzahl richtet, den Kommunen zugewiesen. Nach Berechnungen des Regierungspräsidiums Südhessen erhöht sich das Aufnahmesoll des Kreises im zweiten Halbjahr von bislang angenommenen 147 auf 243 Personen. „Ein Rückgang sei in absehbarer Zeit nicht zu erwarten“, erklärt der Erste Kreisbeigeordnete Dr. André Kavai (SPD).
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