Hofnarr-Theater spielte „Bremer Stadtmusikanten“ im Freien
Von Hanswerner Kruse
Schlüchtern
Es war der heißeste Tag des Jahres, und Theaterleiterin Romana Spensberger verlegte die Präsentation ihrer „Bremer Stadtmusikanten“ kurzerhand auf die Wiese. Unter den schattigen Bäumen neben dem Kuki-Zelt in Schlüchtern unterhielten die Darsteller ihr Publikum wohl so, wie einst die fahrenden Gaukler, wenn sie in die Städte kamen.
Geschrei kommt aus dem Zirkuszelt: „Aus dir mach’ ich Eselsalami!“ Doch das fliehende Grautier rettet sich hinter die Bäume. Die ausschwärmenden Metzger schlachten sich beinahe selbst, und jetzt weinen ein paar Kinder, während sich die größeren Kids und die Erwachsenen fast totlachen.
Ein Jagdhund, der nicht mehr beißen kann, wird aus dem Zelt gejagt, trifft den Esel und zusammen singen die beiden mit dem Publikum „Tschubideidi, tschubideida, Müllers Esel, das warst du!“ Nun stimmen auch die ängstlichen Kinder mit ein. Sie freuen sich, dass die zahnlose Katze, die eigentlich ertränkt werden sollte, nun mit Esel und Hund nach Bremen reisen darf: Dort ist eine Stelle als Stadtmusikant frei, welche die ausgemusterten Tiere gemeinsam besetzen wollen.
Zu guter Letzt kann der Hahn zwar noch der Köchin entkommen, will sich aber umbringen, weil ihn seine Hennen nicht mehr versorgen: „Noch einmal krähen, dann will ich sterben!“.
Mitwirkende
Esel und Räuber: Volker Hess
Hund und Räuber: Hugo Huhn
Katze und Müllerin: Bernadette Huhn
Hahn und Müller: Rudolf Falk
Metzgerin und Suppenfrau: Mariechen Lotz
Räuber: Günther Hüsken
Hund und Räuber: Hugo Huhn
Katze und Müllerin: Bernadette Huhn
Hahn und Müller: Rudolf Falk
Metzgerin und Suppenfrau: Mariechen Lotz
Räuber: Günther Hüsken
Als die unternehmungslustigen Tiere alle beisammen sind, („Was Besseres als den Tod finden wir überall“), treten finstere Räuber auf und singen: „Im Wald von Toulusee, da haust ein Räuberpack. Schneddereck! Päng! Päng!“ In Zusammenarbeit mit den Zuschauern vertreiben die hungrigen Stadtmusikanten die Räuber und stürzen sich auf deren Vorräte. Doch dann kreischt der Hahn „Hähn-chen-schen-kel?“, als der Hund zubeißen will, „wenn Du die isst, sind wir geschiedene Tiere!“ „Na gut“, bellt der alte Jagdhund: „Freunde essen keine Freunde.“ Und auch die große Salami wird nicht angerührt, denn die besteht ja aus Esel.
Irgendwie versuchen die Tiere noch ihr Ziel zu erreichen, verlieren sich aber singend zwischen den Zuschauern: „Wie kommen wir nach Bremen g’schwind? Ich glaub’, wir bleiben, wo wir sind!“ Am Ende des absurden Märchenstückes sind alle Kinder begeistert und lassen sich mit Kostümteilen der Komödianten zum Nachspielen einiger Szenen verführen.
Die „Bremer Stadtmusikanten“ sind das letzte Stück der Märchen-Trilogie, die das Hofnarr-Theater im Kultursommer auf der Mauerwiese inszenierte. Alle Märchen-Komödien wurden vom Ensemble mit viel Slapstick, Wortspielen – und melodramatisch überzogen gespielt.
Wie alte Chaplin-Filme faszinierten sie einerseits direkt die jungen Zuschauer, waren aber aufgrund ihrer augenzwinkernden Doppelbödigkeit auch höchst unterhaltsam für Erwachsene. Bei allem fröhlichen Klamauk griffen die Hofnarren auch ernste Themen auf, etwa den Umgang mit den Alten oder den Respekt vor Andersartigkeit.
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