Kalkulieren, bevor der Herr Zwegat das tut
Von Andreas Ungermann
Schlüchtern
„Konsum geplant – Budget im Griff, von Einnahmen und Ausgaben“ lautet der Titel einer Unterrichtseinheit, die die Stiftung Deutschland im Plus anbietet. Im Bergwinkel sind deren Referenten in 19 Klassen an vier Schulen unterwegs. Unterstützt wird der Präventionsunterricht von der VR-Bank Schlüchtern mit 5000 Euro.
Stefanie ist 18 Jahre alt und verdient in ihrer Ausbildung zur Arzthelferin 543 Euro im Monat. Bei ihren Hobbies Shoppen, Ausgehen, Freunde treffen und für ihr Handy gibt die Kölnerin jedoch 580 Euro aus. Aber für das Defizit von 37 Euro gibt es ja zum Glück den Dispo, den sie monatlich in Anspruch nimmt. Dass das Mädel aus dem Beispiel, das die Referenten Jens Kratz, Karl-Heinz Kirsten und Frank Simon von der Stiftung Deutschland im Plus den Neuntklässlern am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium zum Durchrechnen geben, so in eine finanzielle Schieflage gerät, verstehen die Schüler schnell. Mit Stefanies geplantem Auszug von Zuhause wird es so nichts, stellen sie fest.
Gemeinsam mit den drei Stiftungsreferenten lernen die Jungen und Mädchen 90 Minuten lang, dass jeder schon einmal verschuldet war, nämlich dann, wenn er sich Geld bei Eltern, Freunden oder eben bei der Bank geliehen hat. „Das ist auch nicht schlimm. Böse wird es, wenn man sich überschuldet“, erklärt Jens Kratz. Denn das bedeutet, dass Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden können. Wenn dann noch die Zinsen hinzukommen, können die Raten den Schuldnern schnell über den Kopf wachsen. „Und dann rechnet der Herr Zwegat auf RTL“, sagt Kratz.
Anhand des Beispiels der Auszubildenden Stefanie stellen sie Einnahmen und Ausgaben einander gegenüber und erstellen einen Budgetplan. Einen solchen bietet die Stiftung auf ihrer Internetseite sogar als Handy-Applikation an.
Konsumfalle, Schuldenfalle Immerhin heißt die Unterrichtseinheit auch „Konsum geplant – Budget im Griff, von Einnahmen und Ausgaben“. Was die Schüler in Schlüchtern während der Unterrichtseinheit lernen, tun aber längst nicht alle Jugendlichen. Das Resultat: Etwa jeder Zehnte der 18 bis 25-Jährigen ist bereits überschuldet. Bei 22 Prozent davon ist das Konsumverhalten schuld daran.
Das ist eine Situation, der VR-Bank-Vorstand Werner Hölzer entgegenwirken will. Die VR-Bank unterstützt dieses Projekt deshalb bereits zum zweiten Mal. 5000 Euro hat Hölzer deshalb zur Verfügung gestellt. „Auf Basis des genossenschaftlichen Wertebildes liegt uns das Wohl der Kinder sehr am Herzen, und wir können mit den Unterrichtseinheiten früh Verantwortung übernehmen. Mit einer ausreichenden finanziellen Grundbildung können sich die Jugendlichen früh vor Überschuldung schützen“, erklärt er bei der Übergabe des symbolischen Schecks im Schlüchterner Ulrich-von-Hutten-Gymnasium.
Dessen stellvertretender Leiter Roland Parthey lobt das von der der UN-Dekade ausgezeichnete Modell ebenfalls: „Wir freuen uns über das Angebot der Stiftung, denn die finanzielle Grundbildung unserer Schüler ist eine wichtige Grundlage für ihre Zukunft. Durch den hohen Praxisbezug können die Schüler die gelernten Inhalte sofort auf ihre eigenen Finanzen übertragen.“ In den Genuss der Unterrichtseinheiten kommen zudem Schüler an der Hans-Elm-Schule in Altengronau, der Brüder-Grimm-Schule in Steinau sowie an der Schlüchterner Stadtschule.
www.deutschland-im-plus.de
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