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1. Juli 2011



Knochenjobs an Freiwillige zu vergeben

Susanne Tappe und Ute Fiedler

Schlüchtern
Am Donnerstag fällt offiziell der Startschuss für den Bundesfreiwilligendienst. Die Verträge der letzten Zivildienstleistenden – im Main-Kinzig-Kreis sind es noch 47 junge Männer – laufen spätestens zum 31. Dezember aus. Bis dahin müssen Freiwillige ihre Stellen füllen. Doch der Übergang verläuft schleppend.

Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben bewirbt den Bundesfreiwilligendienst damit, dass es mit ihm ganz neue Möglichkeiten gebe, sich freiwillig für andere einzusetzen. Bundesweit könnten sich Männer und Frauen jeden Alters engagieren, und zwar nicht nur im sozialen, sondern auch im ökologischen, sportlichen und kulturellen Bereich. Constantin von Brandenstein, Präsident des Malteser Hilfsdienstes, spricht von einer „einmaligen Chance, der Gesellschaft einen richtig schönen und sinnvollen Dienst zu erweisen“. Junge Leute könnten im Zuge dessen außerdem herausfinden, was sie einmal beruflich machen wollen. Dennoch sei die Resonanz zurzeit „sehr unbefriedigend“.

Bei Karoline Szeck, Dienststellenleiterin des Malteser Hilfsdienstes in Gelnhausen, ist bislang noch nicht eine einzige Bewerbung eingegangen. Sie hat ab sofort zehn ehemalige Zivildienststellen zu besetzen, aber weiß nicht mit wem. Es geht vor allem um Fahrdienste für ältere und kranke Menschen. Die Lücke versucht sie mit Jugendlichen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr leisten, oder Geringfügigbeschäftigten zu schließen. „Wir haben schon unheimlich viel Werbung gemacht. Ich hoffe, dass die Schulabgänger nach den Abschlussprüfungen nur eine kleine Verschnaufpause brauchen und sich dann doch noch bewerben. Der Bundesfreiwilligendienst ist ja etwas ganz neues, vielleicht muss sich das bei den Leuten erst noch setzen.“

Nicht so entspannt sieht das Heike Meininger, Personalbetreuerin der Main-Kinzig-Kliniken. „Der Übergang klappt ganz und gar nicht reibungslos. Jeden Tag ändert sich irgendetwas an den Beschäftigungsbedingungen, und von unseren 14 Stellen in Schlüchtern haben wir bislang gerade einmal eine besetzt“, klagt sie. Vom Bundesamt fühle sie schlecht informiert und betreut. Ende Juli verlassen zehn Zivildienstleistende die Kreiskliniken. „Wir brauchen die Leute. Um unseren Bedarf an Helfern bei Transport-, Begleitdiensten und in der Pflege decken zu können, werden wir umstrukturieren und Praktikanten sowie Urlaubsvertretungen einsetzen müssen.“

Etliche offene Stellen im Kreis

Gabriele Frohnapfel, Geschäftsbereichsleiterin Heimmanagement, berichtet, dass die Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises keine Bundesfreiwilligen beschäftigen werden. Die zu Spitzenzeiten bis zu 15 Zivildienststellen fallen weg. „Dafür haben wir zwei Gründe: Zum einen sind auch bei uns bislang keine Bewerbungen eingegangen, zum anderen sind die Kosten sehr hoch. Ein Bundesfreiwilliger ist für uns erheblich teurer als es ein Zivildienstleistender war.“ Ein Freiwilliger erhalte ein Taschengeld von maximal 330 Euro im Monat, habe im Jahr mindestens 26 Tage Urlaub und 25 Seminartage, die er auf Fortbildungen verbringe. „Da stehen Kosten und Nutzen für uns in keiner vernünftigen Relation mehr“, findet Frohnapfel. Sie sei enttäuscht von der Umsetzung des neuen Dienstes und glaube auch nicht, dass sich langfristig genug Freiwillige finden werden. „Die Pflege ist ein Knochenjob, das will kaum einer machen. In großen Einrichtungen wird sich das ganz schnell bemerkbar machen.“

Dorothea Müller, Pressesprecherin des Behinderten Werks Main-Kinzig, gibt sich noch gelassen. Sie hat in Werkstätten für Menschen mit Behinderung und einer Einrichtung für Menschen mit psychischen Erkrankungen sechs Plätze zu vergeben und ebenfalls noch keine Bewerber. Aber sie meint, dass sich das in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle des Bundesamtes schon noch ändern werde. Bleibt zu hoffen, dass sie Recht behält.


REGELUNGEN UND ANSPRECHPARTNER
Wer kann Bundesfreiwilligendienst machen?
Jeder, der die Pflichtschulzeit absolviert hat.

Wie lange muss man sich verpflichten?
Die Regeldauer sind 12 Monate. Man kann auch auf sechs verkürzen oder auf 18 Monate verlängern, in Ausnahmefällen sind maximal 24 Monate möglich. Wer älter als 27 Jahre ist, kann auch in Teilzeit (mindestens 20 Stunden pro Woche) tätig werden.

Welche Leistungen sind vorgesehen?
Der Dienstleistende wird von einer Fachkraft betreut und erhält ein Taschengeld. Wieviel, das entscheidet die Einsatzstelle (Höchstgrenze: 330 Euro). Bei den Sozialversicherungen ist der Bundesfreiwilligendienst einer Ausbildung gleichgestellt. Hinzu kommen 25 Seminartage zu Fortbildungszwecken. Es gibt zudem ein Zeugnis.

Welche Einsatzbereiche sind möglich?
Soziales (Kinder und Jugendhilfe, Wohlfahrts-, Gesundheits- und Altenpflege, Behindertenhilfe), Umwelt- und Naturschutz, Sport, Integration, Kultur- und Denkmalpflege, Bildung, Zivil- und Katastrophenschutz.

Wer gibt Informationen?
Infos für den Main-Kinzig-Kreis erteilt Gabriele Schwarze-Tufic, Regionalbetreuerin des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, unter (0 61 01) 40 70 99. Für Fulda und den Vogelsbergkreis ist Friedhelm Fleer, (0 64 28) 44 82 61, Ansprechpartner.

www.zivildienst.de



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„Der BFD wird nicht alle entstehenden Lücken schließen“


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